Ich bin diesmal mit einem wirklich guten Gefühl zum Saisonauftakt nach Australien gekommen. Insgesamt ist die Testphase bei uns sehr gut gelaufen und es ist ein schönes Gefühl, zum ersten Rennen zu kommen und von vielen als mögliche große positive Überraschung gesehen zu werden. Aber was am Ende zählt, sind natürlich nur die Resultate und da werden wir erst am Sonntag sehen, wo wir wirklich stehen.

Wir haben natürlich sehr hart gearbeitet, aber das gilt für die anderen Teams ja auch. Aber hoffentlich können wir unsere Pace vom Testen halten. Ich will auf jeden Fall realistisch bleiben, Tests zeigen nicht alles, aber ein bisschen was schon, und wenn man am Ende eines Testtages Zweiter ist, ohne eine Qualifying-Simulation zu fahren, dann kann man nicht unzufrieden sein. Deshalb denke ich auf jeden Fall positiv - es sieht im Vergleich nicht so schlecht aus.

Keine Probleme mit den Knöpfen

Viele diskutieren über die ganzen Dinge wie KERS, bewegliche Heckflügel, ob das alles zu kompliziert würde, aber ich mache mir da kaum Gedanken, denn ich will keine Energie mit Dingen verschwenden, die ich sowieso nicht beeinflussen kann. Ich mache das, was die Regeln sagen - und Ende. Es ist sowieso für alle gleich. Außerdem hat unser Team in dieser Beziehung einen Superjob gemacht, denn wir sind ab dem ersten Test mit KERS gefahren, ab dem zweiten mit dem beweglichen Heckflügel, beim dritten und vierten dann alles zusammen, und wir haben auch sehr wenige Probleme mit den Systemen gehabt.

Dadurch hatten wir Fahrer viel Zeit, damit zu üben und uns daran zu gewöhnen, was natürlich ein Vorteil ist. Denn ich fühle mich inzwischen sehr wohl im Auto, auch mit den ganzen Sachen, das fühlt sich schon völlig normal und natürlich an.

Was in diesem Jahr auf jeden Fall sehr wichtig werden wird, sind die Rennstrategien. Man weiß dabei zwar ungefähr, wie lange die Reifen halten, aber man muss natürlich immer alle Faktoren berücksichtigen: Hart, weich, alt, neu, die jeweilige Spritmenge, die Streckenbedingungen... Alles zusammen ist das nicht so einfach, aber normal weiß man als Fahrer schon, ob es zum Beispiel noch zwei oder noch drei Runden gehen sollte, bevor man unbedingt zum Boxenstopp kommen muss.

Entscheidende Reifensituation

Sebastien Buemi greift nach den Punkten, Foto: Sutton
Sebastien Buemi greift nach den Punkten, Foto: Sutton

Und dann muss man ja immer noch auf die Gegner achten. Das Ziel sollte es gerade in diesem Jahr mit den großen Unterschieden zwischen alt und neu meistens sein, eine Runde vor dem direkten Gegner zu stoppen - und dann in dieser einen Runde mit dem neuen Reifen so viel schneller zu sein, dass man vorbei kommt. "Undercut" heißt das in unserer Strategie-Sprache... Aber man muss dabei aufpassen, dass man sich dabei, wenn man das zu deutlich oder zu oft macht, nicht einen zusätzlichen Stopp einhandelt - bei dem man dann bis zu 30 Sekunden verliert.

Da wird es erstens noch wichtiger werden, dass der Fahrer dem Team ständig ein sehr gutes und ganz genaues Feedback gibt. Und zweitens muss man extrem auf die Reifen aufpassen. Wir wissen ja alle: Sobald man rutscht, macht man den Reifen kaputt.

Drei-, viermal gerutscht - und schon kommt man wirklich in Probleme. Man muss also höllisch aufpassen, extrem sauber unterwegs zu sein und den Reifen auf keinen Fall zu überfahren. Wenn man ihn überfährt, gewinnt man vielleicht im Moment zwei Zehntel - und bezahlt dafür später damit, dass man drei, vier Runden früher rein kommen muss...

Ich persönlich bin für mein Gefühl auch besser auf die neue Saison vorbereitet denn je, ich habe einen neuen Trainer und Betreuer, mit dem ich über den Winter sehr viel gearbeitet habe. Ich habe auch noch einmal einige Kilo Muskelmasse zugelegt und fühle mich damit wesentlich wohler und fitter. Diese Versuche, gerade vor zwei Jahren, damals, als es zum ersten Mal KERS gab, so leicht wie möglich zu sein, haben mir einfach nicht gut getan.

Damals hatte ich fast zehn Kilo weniger als heute. Das sind auch Dinge, die man erst im Laufe der Zeit lernt, das ist auch eine Sache der Erfahrung. Und wenn man das Gefühl hat, dass alles gut läuft, dass man in jeder Beziehung in die richtige Richtung arbeitet, dann gibt das natürlich auch zusätzliches Selbstvertrauen und dann wird es wieder besser... Ich hoffe, dass ich das nach diesem Wochenende auch alles noch so sagen kann...