Robert, Du hast lange in Italien gelebt - siehst Du den bevorstehenden Grand Prix im Königlichen Park von Monza wie ein Heimrennen an?
Robert Kubica: Auf gewisse Weise ja. Klar ist Polen meine Heimat. Während meiner Zeit im Kartsport, in der Formel Renault und der Formel 3 bin ich jedoch stets für italienische Teams an den Start gegangen und habe auch über ein Jahr in unmittelbarer Nähe von Monza gewohnt. Logisch, dass ich mit dieser Gegend viele sehr schöne Erinnerungen verbinde. Und wenn ich an meine bisherige Formel-1-Laufbahn denke, dann war diese historische Strecke immer gut zu mir. 2006 beispielsweise durfte ich hier erstmals aufs Podium steigen. Es stimmt schon, das kommende Wochenende besitzt für mich durchaus eine besondere Bedeutung.
Aus Fahrersicht: Wie würdest Du die Charakteristik dieser Strecke beschreiben?
Robert Kubica: Im Vordergrund stehen natürlich die vielen Hochgeschwindigkeits-Passagen wie die Variante Ascari oder die Parabolica. Den krassen Gegensatz dazu bilden die langsamen Schikanen - entsprechend schwierig ist es, den Renault R30 so auszubalancieren, dass er hier wie dort tadellos funktioniert. Der Große Preis von Italien ist das schnellste Rennen des gesamten Jahres, deswegen setzen wir auf eine aerodynamische Abstimmung mit wenig Luftwiderstand, was zeitgleich auch ein niedriges Level an Abtrieb mit sich bringt. In den vergangenen Jahren konnten wir in Monza immer in der Woche vor dem Grand Prix ausführlich testen und ein Gespür für das Auto entwickeln, das sich aus Fahrersicht sehr leicht anfühlt. Diese Chance haben wir diesmal nicht, also stehen uns knifflige Aufgaben bevor. Ebenfalls von großer Bedeutung ist der mechanische Grip des Wagens, der über die Bremsstabilität vor den Schikanen und das anschließende Herausbeschleunigen entscheidet.
Macht es Spaß, in Monza mit einem Formel 1 zu fahren?
Robert Kubica: Auf jeden Fall, gerade weil das Gefühl für das Auto so völlig anders ist - ab und zu denke ich, ich würde im Königlichen Park einen ganz anderen Wagen fahren als jenen, den ich die ganze Saison über bewege. Zu Beginn des Wochenendes kommt immer der Eindruck auf, die Hinterachse wäre sehr instabil - und daran wird sich bis zum Zieleinlauf am Sonntag auch nichts ändern. Du vermisst immer jenen Grip und jene Stabilität, die wir von anderen Strecken gewohnt sind. Dies stellt uns Fahrer vor eine große Herausforderung. Mir persönlich gefällt aber auch, dass es in Monza auf hartes und spätes Bremsen ankommt - aus den dort üblichen hohen Geschwindigkeiten heraus zahlt sich Präzision unheimlich aus. Nur wer dies perfekt beherrscht, trifft auch immer den Scheitelpunkt der Kurven und ist schnell unterwegs.
Nach dem tollen Podestresultat in Belgien, welche Ziele hast Du Dir für den Italien-Grand Prix gesetzt?
Robert Kubica: Schwierig zu sagen. Es wird interessant zu beobachten, welche Autos in Monza schnell sind und welche nicht. Spa-Francorchamps hat sehr anschaulich demonstriert, welche Formel 1-Renner mit dem sogenannten F-Schacht gut funktionieren und welche nicht. Unser System hat von Beginn an perfekt gearbeitet, wir waren sofort deutlich konkurrenzfähiger unterwegs und näher an der Spitze dran. Dieser Effekt zahlt sich im Königlichen Park möglicherweise weniger deutlich aus, da generell das Niveau an aerodynamischem Abtrieb viel geringer ausfällt - aber ein gewisser Vorteil bleibt auf jeden Fall. Mal sehen, wer den F-Schacht einsetzt und wer nicht - und zu welcher Gruppe Renault F1 gehören wird. Diese Strecke ist immer für Überraschungen gut, also halte ich mich mit Prognosen lieber etwas zurück. Aber wenn sich unser Renault R30 so gut anfühlt wie in Belgien, dann sehe ich keinen Grund, warum wir nicht auch in Monza wieder vorne mitmischen sollten.

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