Es ist eine jährlich wiederkehrende Frage: Kommt die Formel 1 noch einmal zurück nach Deutschland? Der letzte Grand Prix wurde 2020 zur Corona-Zeit auf dem Nürburgring ausgetragen, davor 2019 letztmalig auf dem Hockenheimring. ADAC-Sportpräsident Dr. Gerd Ennser fürchtet, dass sich deutsche Fans die Formel 1, und auch die Rallye-WM, "mittelfristig abschminken müssen. Wir haben niemanden in Deutschland, der andere WM-Events bezahlen kann und will".
Dr. Ennser zeichnete am Rande des DTM-Saisonfinales in Hockenheim ein düsteres Bild mit Blick auf die Königsklasse des Motorsports. "Es gibt in Deutschland keine Politik, die bei großen Weltmeisterschaftsläufen wie Formel 1 oder Rallye-WM unterstützen würde", sagte der gebürtige Passauer während einer Medienrunde mit ausgewählten Journalisten, darunter Motorsport-Magazin.com.

ADAC-Sportpräsident: Zu wenig Unterstützung für F1 in Deutschland
Antrittsgelder im mittleren zweitstelligen Millionenbereich sind das eine Problem für den Hockenheimring und auch den Nürburgring, die beide den höchsten FIA-Standard erfüllen und damit Grands Prix austragen könnten. Außerdem haben die beiden deutschen Strecken einen bedeutsamen Standortnachteil gegenüber Austragungsplätzen in Abu Dhabi, Las Vegas, Miami und Co., die mit großen und finanziell höchst attraktiven Paddock-VIP-Clubs aufwarten können.
Dr. Ennser weiter: "Wir haben es wirklich vielfach versucht. Wir mussten am Ende sogar unseren Rallye-WM-Lauf aufgeben, weil die breite Unterstützung fehlte. Also müssen wir sehen, wo wir den Motorsport in Deutschland hochhalten können. Das wird im Augenblick mit der Formel 1 nicht gelingen, weil es zu wenig Unterstützung dafür gibt. Aus der Gesellschaft, aus der Politik, auch von unseren Partnern."
Generell täte sich Deutschland laut Dr. Ennser "extrem schwer mit sehr großen Veranstaltungen. Das gilt für den gesamten Sport. Es gibt in Deutschland Standorte, die eine Bewerbung für Olympia aufgeben, weil sie sagen, dass das gar nicht wichtig sei".
Das sagt Hockenheim zu Formel-1-Rückkehr
In Hockenheim würde man sich ein Comeback der Formel 1 natürlich wünschen, allerdings nur unter den passenden Voraussetzungen. "Jeder kann lesen, was es bedeutet, die Formel 1 auszurichten, und dass es letztendlich kaum noch eine Rennstrecke gibt, die nicht von der öffentlichen Hand unterstützt wird", sagte Hockenheimring-Geschäftsführer Jochen Nerpel am Rande der Vorstellung einer neuen Motorworld an der Rennstrecke, deren Bau Ende 2029 oder Anfang 2030 fertiggestellt werden soll.
Nerpel weiter: "Die Formel 1 hat auch Interesse daran, Rennen in Europa auszurichten. Wir wissen, dass eine gewisse Attraktivität für uns vorhanden ist. Es muss aber alles perfekt ineinandergreifen, und das ist derzeit seriös nicht vorherzusagen. Wir versuchen grundsätzlich, den Standort attraktiver zu machen, um für solche und andere Formate gewappnet zu sein."
Ennser: "DTM muss noch wichtiger werden"
Nachdem eine Rückkehr der Formel 1 nach Deutschland auf absehbare Zeit nicht realistisch erscheint, soll stattdessen die DTM die heimische Motorsportflagge hochhalten. Beim Saisonfinale in Hockenheim vermeldete der ADAC 112.000 Zuschauer am Wochenende. Insgesamt sollen dieses Jahr 568.300 Besucher bei den acht DTM-Veranstaltungen an die Strecken geströmt sein.
"Wir versuchen, die DTM so groß, so wichtig und so schön wie möglich zu machen", versicherte Dr. Ennser. "Das muss der Anspruch des ADAC sein. Sehr, sehr langfristig eine DTM zu haben, die international bedeutsam ist. Die DTM muss wichtig bleiben und noch wichtiger werden. Sie ist unser deutsches Asset im Motorsport. Alles andere müssen wir uns, seien wir realistisch, mittelfristig abschminken. Wir haben niemanden in Deutschland, der andere WM-Events bezahlen kann und will."



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