Ein Audi als Sieger in der DTM: Was vor wenigen Monaten nach dem Kundensport-Aus der Ingolstädter und dem Abschied des langjährigen Erfolgsteams Abt Sportsline zu Lamborghini noch höchst abwegig erschien, wurde am Sonntag in Spielberg Realität. Nach einer erneut starken Performance des letzten in der DTM verbliebenden Audi-Teams Land Motorsport und Ricardo Feller, gelang auf dem Red Bull Ring der herbeigesehnte Erfolg.

“Ich bin mega, mega stolz, Land den ersten DTM-Sieg schenken zu dürfen“, freute sich Feller im Anschluss ans Rennen. Bemerkenswert ist dessen Erfolg vor allem auch deswegen, als dass der Red Bull Ring in den letzten Jahren als Angststrecke des Audi R8 galt. „Als ich hier angereist bin, hätte ich niemals erwartet, dass wir das auf P1 nach Hause fahren“, gab dementsprechend auch Feller zu.

BMW-Teamorder-Eklat - Gänsehaut! Letzter DTM-Sieg für Audi? (18:31 Min.)

So sorgte Ricardo Feller für den Überraschungserfolg – Konkurrenz hilft mit

“Dafür waren wir dieses Jahr auf Strecken sehr schlecht, wo wir normalerweise gut waren“, so der Schweizer weiter. „Von dem her verändert sich wahrscheinlich das Fenster dieses Jahr einfach ein bisschen, wo das Auto gut oder eben nicht so gut funktioniert.“

Nach einem starken Qualifying hatte Feller das Rennen von der zweiten Position hinter Pole-Setter Thierry Vermeulen in Angriff genommen und dabei am Start eine Attacke von dessen Emil-Frey-Ferrari-Teamkollegen Jack Aitken erfolgreich abgewehrt. In der Folge konnte sich das Spitzenduo zunehmend vom Verfolgerfeld absetzen, wobei Feller zunehmend den Druck auf Vermeulen erhöhte. In der 15. Runde war es schließlich soweit: Mit einem entschlossenen Manöver ging Feller in der letzten Kurve vorbei.

Ricardo Feller auf dem Red Bull Ring
Land Motorsport gelang überraschend zum ersten DTM-Sieg, Foto: IMAGO / Eibner

Von dort an verwaltete Feller die Führung und ließ auch nach zwei Boxenstopps nichts anbrennen. „Gestern haben wir den Boxenstopp verpatzt, heute beide perfekt abgeliefert“, zeigte sich der 25-Jährige zufrieden mit seiner Mannschaft. Im Ziel trennten Feller schlussendlich 1,748 Sekunden von Vermeulen. Ironischerweise war es ausgerechnet Vermeulen, der Feller überhaupt erst zu seinem starken zweiten Startplatz verhalf, der schlussendlich wohl auch den Sieg erst ermöglichte. Denn im Qualifying profitierte Feller vom Windschatten Vermeulens.

Land Motorsport: Der letzte Audi in der DTM überrascht

Besonders ist der Sieg Fellers auch für Land Motorsport. Für das Team dürfte der Triumph noch einmal Rückenwind für ihr Unterfangen sein, auch nächstes Jahr in der DTM zu fahren. Land gibt dieses Jahr sein Debüt in der DTM und verkündete den Einstieg erst etwa einen Monat vor Saisonstart, nachdem Fellers ursprünglich angepeiltes Programm mit dem geplanten Porsche-Kundenteam Allied Racing in sich zusammenfiel.

Als einziger Audi R8 LMS GT3 Evo II kämpfen Feller und Land allein auf weiter Flur, schlugen sich dabei aber gut und steigerten sich im Saisonverlauf zunehmend. Beim letzten Rennwochenende vor der Sommerpause auf dem Norisring gelang das erste Top-10-Ergebnis, direkt im Anschluss auf dem Nürburgring nach zwischenzeitlicher Führung der erste Podestplatz. Auf dem Sachsenring folgte ein sechster Platz, bevor nun der erste Sieg eingefahren werden konnte.

Land-Teamchef: Erster Sieg ist surreal!

“Man kann tatsächlich sagen, es ist ein Motorsport-Märchen“, meinte deshalb auch Teamchef Christian Land im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. „Nicht nur, dass der Audi am Red Bull Ring gewinnt, sondern auch mit unserem relativ kurz entschlossenen Einsatz in der DTM. Im ersten Jahr war das Podium am Nürburgring schon Wahnsinn.“

“Jetzt hier am Red Bull Ring zu stehen, den ersten DTM-Sieg unserer Geschichte mit der ganzen Truppe zu feiern, die wir kurzfristig zusammengebaut haben, ist immer noch relativ surreal“, so Land weiter. „Das ist im Kleinhirn noch nicht angekommen.“ Feller pflichtete seinem Chef bei: „Als wir die späte Entscheidung getroffen haben, hatte ich nicht erwartet, um die Meisterschaft oder überhaupt um Siege zu kämpfen und jetzt haben wir einen.“

Auch für Feller hat der Premierensieg mit Land in der DTM eine besondere Komponente. Ihn verbindet eine langjährige Historie mit dem Team, mit dem er 2021 den Gesamtsieg im ADAC GT Masters feierte. „Das bedeutet mir alles“, machte Feller deswegen deutlich. „All diese Jungs sind gute Freunde von mir. Sie waren ein wichtiger Teil meiner Karriere. Wir hatten schon einige schöne Siege zusammen und das ist jetzt der nächste Schritt.“

Land-Audi und Ricardo Feller bei der DTM
Die Zukunft von Land in der DTM ist noch unklar, Foto: IMAGO/Mike Wiss

Audi vor dem endgültigen DTM-Abschied: „Auto kann immer noch Rennen gewinnen“

Dennoch hat das Einstiegsjahr für Land Motorsport in der DTM auch einen faden Beigeschmack. Eine zusätzliche Unterstützung durch Audi abseits des überschaubaren technischen Supports, den sich das Team erhofft hatte und laut Teamgründer Wolfgang Land auch in Aussicht gestellt wurde, kam nie zustande. „Dass wir nächstes Jahr keinen Audi mehr machen werden, liegt so gut wie auf der Hand“, hatte Land Senior deswegen jüngst auch gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärt. Im Werben um mögliche andere Hersteller hat Land nun immerhin noch einmal weitere Argumente gesammelt.

Für den Audi R8 dürften ungeachtet dessen am Ende des Jahres aber die Abschiedsglocken läuten. „Es gibt immer noch zwei Rennen in Hockenheim“, wollte Feller dennoch noch nicht in Sentimentalitäten verfallen. „Das Auto kann immer noch Rennen gewinnen. Es ist das älteste im Feld. Ich bin stolz, so etwas (den Sieg; d. Red.) noch mit diesem Auto zu erreichen.“

Der Sieg Fellers am Sonntag war dabei jedoch nicht die einzige spannende Geschichte im DTM-Feld. Auch der Meisterschaftskampf spitzt sich vor dem Saisonfinale in Hockenheim immer mehr zu. Einen Überblick über das Rennergebnis sowie die Gesamtwertung findet Ihr in diesem Artikel: