Nach dem Nürburgring-Wochenende ist der Titelkampf in der DTM noch völlig offen. Ein halbes Dutzend Piloten haben Chancen auf den Titel, der am Ende der Saison in Hockenheim vergeben wird. Einige andere wie Maro Engel oder Marco Wittmann können sich Außenseiter-Chancen ausrechnen.

Meisterschaftsführender ist Lucas Auer im Landgraf-Mercedes. Doch nicht nur Jack Aitken (8 Punkte Rückstand) und Jordan Pepper (15 Punkte Rückstand) haben Chancen ihn abzufangen, denn jetzt scheint sich auch DTM-Dreifach-Champion Rene Rast wieder in den Titelkampf einzumischen.

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Punktehamster Lucas Auer behält vorerst die Oberhand

Nach den beiden Nürburgring-Rennen hat Lucas Auer die Führung in der Fahrer-Wertung mit 137 Punkten inne. Zwischenzeitlich verlor er sie an Jack Aitken, der nach dem Samstags-Sieg zehn Punkte Vorsprung hatte, diese jedoch nach BoP-Änderungen und einem darauf folgenden punktlosen Sonntag wieder verlor.

Auer ist der fleißige Punktehamster der DTM. In bisher keinem Rennen sammelte der Österreicher weniger als sechs Zähler. Ebenso fiel er an keinem Wochenende unter die 15-Punkte-Marke. Der Österreicher ist der einzige aller 24 Fahrer im Feld, dem das gelungen ist.

"Derjenige, der am konstantesten punktet, wird am Ende des Tages gewinnen. Im Moment ist das Lucas. Er ist immer unter dem Radar, aber irgendwie holt er jedes mal Punkte. Auf ihn muss ich ein Auge haben", weiß auch Rast, der seinen vierten Titelgewinn nach 2017, 2019 und 2020 angepeilt hat.

Auer selbst will den Ball flach halten, zumindest bis zum übernächsten Wochenende am Red Bull Ring (12.-14. September). "Es wird aggressiver. Man sieht, dass wir in die zweite Saisonhälfte eingebogen sind. Wenn wir am Red Bull Ring sind, wird es spannend. Im Moment kann sich mit einem Rennen noch alles ändern. Am Sachsenring wird es wichtig, den Speed zu haben, um Big Points zu holen", sagt der Meisterschaftsführende.

Rene Rast und die BMW-Angst vor dem Sachsenring

Wiedereinsteiger im Titelkampf ist BMW-Star Rast mit seinem blauen Schubert-M4 GT3 Evo. Auch Marco Wittmann konnte mit seinem zweiten Platz auf dem Nürburgring die 100-Punkte-Marke durchbrechen, er liegt in der Fahrerwertung allerdings nur auf Platz sieben. Dazu fehlen ihm noch immer 36 Punkte auf Auer.

Rast dagegen fehlen nach seinem Sieg am Sonntag nur 20 Punkte. Damit liegt er in der Meisterschaft direkt hinter Jordan Pepper im GRT-Lamborghini. Dazu kommt: Mit dem Red Bull Ring und dem Hockenheimring kommen noch zwei Rennwochenenden, die dem auf den Geraden starken BMW liegen dürften. Damit stehen die Chancen auf einen vierten Titel für Rast gut, oder? Er selbst ist sich da nicht so sicher. Zuvor wartet nämlich der enge Sachsenring auf die DTM. Eine Strecke, die dem BMW in den vergangenen Jahren nicht lag.

"Wir sind wieder halbwegs im Titelkampf. Der Sachsenring ist nicht unsere beste Strecke, aber wir kämpfen weiter. Wir gehen All-in für den Sieg. Wir müssen aber auch auf dem Sachsenring Punkte holen, um im Rennen zu bleiben. Das Gute ist, dass wir wirklich viele Titelkandidaten haben. Es sind nicht zwei, sondern eher sechs bis acht. Niemand kann sich einen Ausfall leisten", weiß Rast.

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Dazu ist bei BMW besonders das Qualifying noch eine Schwäche. Rast und Wittmann holten im bisherigen Saisonverlauf jeweils nur drei Extra-Punkte in den Zeitenjagd-Sessions. Alle Piloten aus den Top-3 erzielten deutlich mehr Zähler - Aitken und Pepper mit 10 Punkten die meisten. "Ein Thema ist das Qualifying, was ein auf und ab ist. Da müssen wir mehr Konstanz reinkriegen", weiß auch Wittmann.

Emil Frey Racing und Jack Aitken wollen Fehler vermeiden

Ferrari und Aitken erlebten am Nürburgring das wohl größtmögliche Auf und Ab. Am Samstag feierte das Team einen Doppelsieg, am Sonntag abgesehen von Ben Greens einem Punkt durch P15 eine Nullnummer.

"Es war ein unbalanciertes Wochenende. Trotzdem sind wir noch mitten im Titelkampf. Ich kann also nicht unglücklich sein. Ich hatte auf ein paar Punkte gehofft, doch dann hatte ich eine Kollision mit Feller", beschreibt Aitken seinen ärgerlichen Dreher.

Letztendlich war dem Briten nur P16 vergönnt. Nichtsdestotrotz hat Aitken nach wie vor die zweitbeste Ausgangslage. Doch auch er und das Emil-Frey-Racing-Team sehen den Schlüssel zur Meisterschaft in der Konstanz.

"Wir dürfen auch als Team keine Fehler machen. Wir müssen schauen dass alles immer bestens vorbereitet ist, dass die Autos auf dem höchstem Niveau der Zuverlässigkeit bleiben", sagt Jürg Flach, Technikdirektor von Emil Frey Racing, zu Motorsport-Magazin.com.

Dazu hat Flach im Speziellen zwei weitere Aspekte im Blick. "Die Outlap-Performance müssen wir weiter verbessern, und auch bei Boxenstopps müssen wir weiter zulegen, weil es zwei, drei Teams gibt, die regelmäßig unter 7 Sekunden wechseln. Das sind die Punkte, die den Ausschlag geben können."

Und dann wären da auch noch Pepper im GRT-Grasser-Racing-Lamborghini (122 Punkte) und Thomas Preining im Manthey-Porsche (115 Punkte), die noch realistische Aussichten auf den Titel haben. Für Spannung ist in den letzten sechs Rennen der DTM-Saison 2025 also gesorgt.

Top-5 der DTM-Tabelle nach 10/16 Rennen

PositionFahrerTeamPunkte
1Lucas Auer Mercedes-AMG Team Landgraf137
2Jack AitkenEmil Frey Racing129
3Jordan PepperGRT Grasser Racing122
4Rene RastSchubert Motorsport117
5Thomas PreiningManthey EMA115