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DTM, Test Lausitzring: Flörsch entlarvt Bluff bei BOP-Test

Der BOP-Test bei den DTM-Testfahrten auf dem Lausitzring wird zur Farce. Große Zeitdifferenzen offenbaren Bluff. Sophia Flörsch sechs Zehntel schneller.
von Florian Niedermair & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Im Rahmen der DTM-Testfahrten am Lausitzring wurde am Mittwochmittag ein BOP-Test gefahren. In der gerade einmal zwanzigminütigen Session mussten die Teams einigen Vorgaben der AVL nachkommen, um repräsentative Daten für die Balance of Performance (BOP) zu erhalten. Ein Blick auf die Zeitentabelle zeigt: Die Teams wollen immer noch nicht mit der wahren Performance rausrücken.

BOP-Test: Dreikampf an der Spitze, BMW mit Rückstand

Die Vorgaben bei dem BOP-Test, der von 12.40 Uhr bis 13 Uhr durchgeführt wurde, erlaubten jedem Team nur exakt 30 Kilogramm Kraftstoff an Bord zu haben. Zudem war auch der Reifensatz vorgeschrieben. Zum Einsatz kam der S8M-Reifen von Michelin, auch als Medium-Reifen bekannt.

Im Gegensatz zu den "normalen" Testfahrten durfte jedes Team nur einen Sportwagen benennen. Entscheidend war dabei allerdings der offizielle Teamname und nicht die faktische Teamzugehörigkeit. Das hatte zur Folge, dass sowohl das Abt-Audi-Team als auch die Ferraris von AF Corse mit je zwei Wagen vertreten waren, da diese mit offiziell drei genannten Fahrern jeweils als unterschiedliche Rennställe in der Startliste stehen.

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An der Spitze der Zeitentabelle ging es bei dieser Session abwechslungsreicher zu als an allen anderen bisherigen DTM-Testtagen in Hockenheim oder am Lausitzring. Erstmals besetzten drei verschiedene Hersteller die ersten drei Positionen, wobei Lucas Auer (Winward-Mercedes) mit einer Zeit von 1:43.597 Minuten knapp vor Alex Albon (AlphaTauri Ferrari) und Nico Müller (Rosberg-Audi) die Einheit für sich entschied.

Wie von vielen Experten erwartet, konnte BMW mit dem etwas in die Jahre gekommenen M6 GT3 nicht mit den anderen Marken konkurrieren. Marco Wittmann als bester BMW-Pilot landete mit etwa einer Sekunde Rückstand nur auf Rang 8.

Alles nur ein Bluff?

Brisanter als die reine Zeitentabelle ist allerdings der Vergleich der schnellsten Rundenzeiten aus dieser kurzen Einheit mit jenen der normalen Sessions, die am Mittwoch über insgesamt vier Stunden gingen. Fünf Fahrer unterboten während des BOP-Tests ihre persönliche Tagesbestzeit, während das restliche Quintett trotz wenig Kraftstoff an Bord und neuer Reifen zum Teil deutlich langsamer unterwegs war. Die Zeitdifferenzen lagen dabei in einem Fenster von etwa zwei (!) Sekunden.

Aus diesen massiven Zeitunterschieden lässt sich ableiten, was Motorsport-Magazin.com bereits spekulierte. Nämlich, dass die Testzeiten nicht aussagekräftig sind. Auch Gerhard Berger äußerte bereits in der Pressekonferenz, die nach dem BoP-Test stattfand, seinen Verdacht, dass die Test-Performance der meisten Teams nicht dem tatsächlichen Kräfteverhältnis entspricht. "Keiner will die Karten auf den Tisch legen", erklärte der DTM-Boss.

Flörsch sechs Zehntel schneller

Den größten Sprung machte, man lese und staune, Abt-Pilotin Sophia Flörsch. Die DTM-Neueinsteigerin war mit ihrem Audi R8 LMS GT3 auf ihrer schnellsten der sechs absolvierten Runden 0,606 (!) Sekunden schneller als bei allen 79 Umläufen, die sie am restlichen Tag bei den gewöhnlichen Test-Sessions absolviert hatte. Keiner ihrer männlichen Rivalen konnte sich zeitlich derart verbessern.

BMW-Pilot Marco Wittmann (Walkenhorst) war immerhin 0,226 Sekunden schneller. Auch Nico Müller (0,185 Sekunden), Gary Paffett (0,076 Sekunden) und Lucas Auer (0,070 Sekunden) konnten sich gegenüber ihren Bestzeiten der anderen Sitzungen um wenige Hundertstelsekunden steigern.

Auf der anderen Seite des Spektrums bewegen sich die restlichen fünf Piloten. Timo Glock blieb ganze 1,244 Sekunden hinter seiner schnellsten Zeit. Liam Lawson (+0,906 Sekunden) und Mike Rockenfeller (+0,801) Sekunden büßten auch Unmengen an Zeit ein. Abt-Teamchef Thomas Biermaier erklärte den großen Zeitverlust von Rockenfeller offen, aber grinsend als "Teamfehler", wollte aber nicht genauer erklären, was sich dahinter verbirgt. Nach Informationen von Motorsport-Magzin.com könnte ein falscher Luftdruck in den Michelin-Slicks der Grund für die im Vergleich mit Markenkollege Nico Müller langsame Rundenzeit sein.

Auch Maximilian Götz verlor fast sieben Zehntel auf seine schnellste Runde, während Alexander Albon vergleichsweise moderate 0,150 Sekunden auf seine persönliche Bestzeit aus der Vormittags-Session einbüßte.

DTM Lausitzring: BOP-Test, Ergebnis

Position Fahrer Team Runden Zeit Topspeed
1. Lucas Auer Winward Mercedes-AMG 7 1:43.597 246,46 km/h
2. Alex Albon AlphaTauri AF Corse Ferrari 9 1:43.618 248,75 km/h
3. Nico Müller Team Rosberg Audi 6 1:43.815 252,25 km/h
4. Maximilian Götz HRT Mercedes-AMG 7 1:44.008 243,12 km/h
5. Gary Paffett Mücke Mercedes-AMG 8 1:44.022 243,67 km/h
6. Liam Lawson Red Bull AF Corse Ferrari 8 1:44.557 249,32 km/h
7. Sophia Flörsch Abt Audi 7 1:44.558 252,25 km/h
8. Marco Wittmann Walkenhorst BMW 7 1:44.594 248,17 km/h
9. Mike Rockenfeller Abt Sportsline Audi 6 1:44.753 251,07 km/h
10. Timo Glock ROWE BMW 5 1:46.190 244,22 km/h

Die Topspeed-Werte bestätigen den Eindruck aus Hockenheim, dass der Audi R8 auf der Geraden die höchsten Geschwindigkeiten erzielen kann. Der Ferrari liegt wenige km/h dahinter, gefolgt vom BMW Mercedes hingegen ist zwar auf eine Runde stark, ist aber einmal mehr auf der Gerade am schwächsten.


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