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DTM

Rockenfeller stichelt: Dann kann sogar Formel E Spaß machen...

Weniger Power, Downforce und Sicherheit: Der Wechsel von Class-1- auf GT3-Autos ruft nicht bei allen DTM-Fahrern Begeisterungstürme hervor.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wie geht es für die aktuellen DTM-Fahrer nach dem bevorstehenden Ende der Class-1-Ära weiter? Gerhard Berger hofft, dass möglichst viele Piloten aus dem aktuellen Starterfeld unter dem neuen GT-Pro-Reglement, das 2021 mit GT3-Autos bestritten wird, zurückkehren. Doch nicht jeder der Fahrer hat allergrößte Lust, mit Rennwagen zu fahren, die einst für den Kundensport entwickelt wurden.

Audi-Pilot Loic Duval verzichtet etwa auf den zweiten DTM-Lauf in Zolder am kommenden Wochenende, um stattdessen in der IMSA-Serie mit einem Prototypen das Petit Le Mans zu bestreiten. Duval: "Das Racing kann cool sein, aber GT3 reicht für mich nie an das Level von LMP-Autos heran." Der Franzose kehrt zum Finale auf dem Hockenheimring noch einmal in den Audi RS 5 DTM zurück, will sich künftig aber der Langstrecke widmen.

Eine ähnliche Fortführung seiner Karriere kann sich auch Duvals Phoenix-Teamkollege Mike Rockenfeller vorstellen. Der DTM-Champion von 2013 blickt auf zehn Starts bei den 24 Stunden von Le Mans zurück und holte 2010 den Gesamtsieg mit Audi. "Wenn ich ein LMP-Programm hätte, würde ich ähnlich denken wie Loic", sagte Rockenfeller am Samstagabend in Zolder. "Das ist aber nicht der Fall. Und es hilft auch nicht, wenn man nicht gerade seine beste Saison erlebt."

Rockenfeller: Gibt auch Leute, die die Formel E genießen

Rockenfeller hatte schon in der Vergangenheit kein Geheimnis daraus gemacht, dass er gern noch einmal beim Langstrecken-Klassiker in Frankreich antreten würde, offenbar hat er für das kommende Jahr aber einen laufenden Vertrag mit Audi. Eine Fortsetzung seiner Karriere mit einem Audi-Kundenteam in der GT-DTM ist daher denkbar.

"Mit GT3-Autos kann das Racing toll sein, sogar besser als jetzt", sagte Rockenfeller und fügte mit einem Grinsen an: "Wenn du ein siegfähiges Auto hast, dann macht es immer Spaß. Es gibt auch Leute, die die Formel E genießen. Und das sagt eine Menge aus..."

Ein kleiner Seitenhieb von Rocky in Richtung der elektrischen Formelautos, die über weniger Leistung und sehr überschaubare Aerodynamik verfügen. Die Formel E dürfte für den 36-Jährigen also kein Thema sein - obwohl Audi sein Fahreraufgebot für die kommende Saison noch nicht vorgestellt hat.

Neue GT3-Autos: Wie sieht die Zukunft der DTM aus?: (11:58 Min.)

Rast: Gibt mehrere Optionen

Beim Ingolstädter Werksteam ist eher Rene Rast ein Thema, nachdem er zuletzt das Formel-E-Saisonfinale in Berlin bestritten hatte. Die Zukunft des zweifachen und amtierenden DTM-Champions ist ebenso wenig geklärt. "Es ist noch nichts bestätigt", sagte Rast nach seinem Sieg in Zolder. "Es gibt mehrere Optionen. Ich bin dieses Jahr immerhin schon DTM, Formel E und GT3 gefahren. Ich würde nichts ausschließen."

Der 33-Jährige gilt seit Jahren ebenso als GT3-Spezialist, kann Rockenfellers Einwand aber nachvollziehen. Rast: "Als Rennfahrer willst du immer ein Auto, das viel Power und Downforce hat. Ein GT3-Auto ist sieben bis neun Sekunden langsamer als ein DTM-Auto. Aber solange wir Rennen fahren können, sind wir happy. Wenn das die Lösung ist, dann nehmen wir sie an. Ein GT3-Auto ist auch ein Rennauto und ziemlich schnell."

Green: GT3 Rückschritt in Sachen Sicherheit

Und vor allem ist der Einsatz im Vergleich zum aktuellen Turbo-Auto der DTM wesentlich günstiger. Audi-Pilot Jamie Green merkte dazu an: "Auch die Sicherheit ist in der DTM mit dieser Technologie sehr hoch. In Sachen Sicherheit ist es ein Rückschritt. Und auch bei der Performance. Die DTM ist an vorderster Stelle und das hat seinen Preis. Und dieser Preis ist das Problem. Ich werde die Aufmerksamkeit für die Details und die Technologie vermissen, aber die Zeiten ändern sich."

Laut Rast sei vor allem wichtig, die DTM als international bedeutsame Plattform fortzuführen. Der gebürtige Mindener hatte ursprünglich geplant, seine Karriere in drei bis fünf Jahren in der Serie zu beenden. Der Ausstieg von Audi machte Rast einen Strich durch die Rechnung. Jetzt sagte er: "Es ist wichtig, dass die DTM überlebt und ihre Historie fortführen kann. Egal, mit welchen Autos. Wenn wir Top-Fahrer mit guten Namen haben, dann kann sie auch mit GT-Autos besonders sein."


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