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DTM: Rene Rast verliert Spa-Sieg nachträglich wegen Strafe

Rene Rast verliert seinen Sieg beim DTM-Auftakt in Spa-Francorchamps im Nachgang wegen einer Zeitstrafe. Audi-Markenkollege Nico Müller erbt den Sieg.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Der DMSB hat im Fall Rene Rast eine Entscheidung getroffen: Der Audi-Fahrer erhält nachträglich eine Zeitstrafe von zehn Sekunden für das Sonntagsrennen beim DTM-Auftakt in Spa-Francorchamps vor zwei Wochen. Dadurch verliert der zweifache Champion den Sieg im Nachgang an den zunächst Zweitplatzierten Nico Müller aus dem Audi Sport Team Abt Sportsline.

Die 10-Sekunden-Zeitstrafe resultiert aus einer nachträglich auferlegten Boxenstopp-Strafe, die laut Reglement in eine 5-Sekunden-Ersatzstrafe zuzüglich der Dauer der Standzeit umgewandelt wird. Das Audi Sport Team Rosberg hat auf eine Berufung verzichtet.

Rast fällt durch die an diesem Freitagmittag auferlegte Bestrafung vom ersten bis auf den dritten Platz hinter Müller und Robin Frijns zurück. Müller erbt dadurch im Nachgang seinen zweiten Sieg, nachdem er zuvor das Samstagsrennen auf dem belgischen Traditionskurs gewonnen hatte.

Verhandelt wurde Rasts regelwidriger Gebrauch des Push-to-Pass-Systems in der Schlussphase des Rennens, als er vor Müller in Führung lag. Beim Zieleinlauf hatte er 0,483 Sekunden Vorsprung auf den DTM-Vizemeister aus der Schweiz. Für Rast war es zunächst der 18. Sieg in seinem 60. Rennen in der Tourenwagenserie.

Laut Audi Sport habe Rast Push-to-Pass in Folge einer Fehlmeldung durch das Marshalling System instinktiv den Push-to-Pass-Knopf aktiviert und für 2,88 Sekunden abgerufen. Daraus resultiert sei ein effektiver Zeitgewinn von 0,01 Sekunden. Rast nutzte den Boost an einer Stelle auf der Strecke, auf der es laut Szene-Experten keinen nennenswerten Vorteil zu erzielen gibt.

"Ich bin natürlich enttäuscht, dass ich durch die 10-Sekunden-Strafe meinen Sieg in Spa verloren habe", sagte Rast. "Ich hatte den Push-to-Pass-Knopf instinktiv gedrückt, als mir das System signalisierte, dass ich Push-to-Pass nutzen kann. Mir ist aus der Nutzung nachweislich kein Vorteil entstanden."

Audi-Motorportchef Dieter Gass: "Wir akzeptieren die Entscheidung der Sportkommissare. Ich bin über das Strafmaß enttäuscht. Rene hatte durch die Aktion keinen Vorteil."

Der Fall Rene Rast: Darum ging es

Verhandelt wurden konkret die Vorfälle beim Sonntagsrennen während des Saisonauftaktes im belgischen Spa-Francorchamps. Rast nutzte in Führung liegend in den Runden 24 und 25 des 26 Runden langen Rennens das Push-to-Pass-System, das per Knopfdruck eine Zusatzleistung von 60 PS freigibt. Laut Artikel 46 des Sportlichen Reglements ist die Aktivierung des Push-to-Pass-Systems für das Fahrzeug des Erstplatzierten allerdings unzulässig.

Auf Anfrage von Motorsport-Magazin.com teilte Audi mit, dass Rast in diesen Situationen instinktiv den Knopf gedrückt und das System aktiviert habe. Es sei zuvor zu einer Fehlermeldung beim Marshalling-System gekommen, das ihm fälschlicherweise ein aktives Push-to-Pass-System in Form einer grünen Anzeige signalisiert habe.

Laut Audi Sport habe er Push-to-Pass für 2,88 Sekunden abgerufen. Daraus resultiert sei ein effektiver Zeitgewinn von 0,01 Sekunden. Rast nutzte den Zusatzboost zweimal an der gleichen Stelle: auf der kurzen Geraden zwischen den Kurven Malmedy und Rivage - eine Stelle, an der Push-to-Pass laut Szene-Experten keinen nennenswerten Vorteil verschafft.

Noch vor dem Audi-Statement gab es Zweifel daran, ob das von einem italienischen Unternehmen entwickelte Marshalling System korrekt funktionierte. Ein Funkloch soll dafür gesorgt haben, dass für einen kurzen Moment keine Übertragung an Rasts Auto stattfand. Darauf deutete die auf den öffentlich zugänglichen Onboard-Aufnahmen sichtbare Information hin, dass sich der Wagen im 'Manual Mode' befindet. Die Nachricht erhielt Rast auf seinem Dashboard an der gleichen Stelle in den aufeinanderfolgenden beiden Runden.

Rast von der Formel E zur DTM

Der DMSB hatte am 08. August angekündigt, dass es am Freitagmorgen vor dem Beginn des zweiten Rennwochenendes auf dem Lausitzring (14.-16. August) zu einer Verhandlung dieses Falles kommt. Rast reiste direkt aus Berlin in die Lausitz, wo er zuvor das Saisonfinale der Formel E mit sechs Rennen innerhalb von neun Tagen (05.-13. August) für Audi Sport ABT Schaeffler bestritten hatte.

Als Nachfolger von Daniel Abt qualifizierte sich Rast zweimal für die ersten beiden Startreihen und errang im fünften Rennen einen Podestplatz. Er machte sich unmittelbar nach dem letzten Lauf am Donnerstagabend mit seinen Audi-Markenkollegen Nico Müller und Robin Frijns, die in der Formel E für Dragon-Racing respektive Audi-Kundenteam Virgin antreten, auf den Weg zum ersten von zwei aufeinanderfolgenden Rennwochenenden auf dem Lausitzring, der am 20. August 2020 sein 20-jähriges Jubiläum seit Streckeneröffnung begeht.


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