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Hankook-Chef Sandbichler exklusiv: DTM weltweit ganz vorn dabei

Manfred Sandbichler, Motorsport-Direktor von Hankook Europa, im Exklusiv-Interview: Auswirkungen der Corona-Krise und heutige Relevanz der DTM.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Herr Sandbichler, wie reagieren Sie auf die globale Corona-Krise?
Manfred Sandbichler: Das Coronavirus betrifft uns in Europa und weltweit genauso wie alle anderen auch. Wir befinden uns in einer Situation, die niemand in dieser Form jemals zuvor erlebt oder erwartet hat. Das konnte sich niemand vorstellen.

Was bedeutet die Situation konkret für den Motorsport?
Manfred Sandbichler: Es gibt zwei Betrachtungsweisen. Zum einen die, wie aktuell mit dem Coronavirus umgegangen wird. Das begrüße ich, denn eines steht ganz klar und absolut im Vordergrund, und das ist die Gesundheit aller beteiligten Menschen. Zum anderen schauen wir auch auf den Motorsport. Natürlich ist das eine Katastrophe für den Sport. Aber auch hier müssen wir uns anpassen und aus der aktuellen Situation heraus das machen, was von uns verlangt wird - und was auch vollkommen richtig ist, weil die Situation es erfordert.

Ist Hankook Motorsport für diese Situation gut aufgestellt?
Manfred Sandbichler: Wir werden alles, was an uns herangetragen wird, bestmöglich abarbeiten. Aus der Vergangenheit sind wir es gewohnt, zum gleichen Zeitpunkt an mehreren Rennstrecken aktiv zu sein. Wir haben eine sehr schlagkräftige Mannschaft und sind es gewohnt, Herausforderungen anzunehmen. Wobei die größte Herausforderung für mich bleibt, wie wir alle die Sache aus medizinischer Sicht schnellstmöglich in den Griff bekommen.

In wie vielen Rennserien ist Hankook im Jahr 2020 involviert?
Manfred Sandbichler: Europaweit sind wir in rund 30 Rennserien unterwegs.

Hankook ist alleiniger Reifenausstatter der DTM - Foto: HOCH ZWEI

Nach aktuellem Stand erwartet auch den Motorsport eine sehr geschäftige zweite Jahreshälfte...
Manfred Sandbichler: Das ist die Hoffnung und auch der Antrieb, den wir alle haben. Aktuell geht man davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte richtig losgeht. Das würde sicherlich sehr eng werden und zahlreiche Aktivitäten mit sich bringen. Im Moment können wir intern nur alles vorbereiten, um dann für den Tag X gewappnet zu sein.

In diesem Jahr feiert Hankook sein zehnjähriges Jubiläum als Reifenpartner der DTM. Was bedeutet Ihnen das?
Manfred Sandbichler: Ganz ehrlich: Es fühlt sich für mich nicht an wie zehn Jahre. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen, eine Saison nach der anderen. Es erfüllt mich mit großem Stolz, dass wir nun seit zehn Jahren Partner der attraktivsten Tourenwagenserie weltweit sind. Und das mit einer Begeisterung wie am ersten Tag in unserem Haus.

Wie relevant ist die ITR-Plattform mit der DTM in der heutigen Motorsportwelt?
Manfred Sandbichler: Wenn Sie sich heute die Wertigkeit der Plattform im weltweiten Vergleich anschauen, wird Ihnen ganz schnell bewusst: Wir bewegen uns im vorderen Drittel und werden im Zusammenhang mit der Formel 1 und anderen sehr namhaften Rennserien genannt. Wir sind weltweit ganz vorne mit dabei. Das spricht für die DTM und dafür, was an toller Arbeit geleistet worden ist in mehr als drei Jahrzehnten. Da sprechen wir auch von einer Konstanz im Motorsport, die ihresgleichen sucht.

Man spricht vor allem von der DTM. Aber was ist mit dem Gesamtbild?
Manfred Sandbichler: Die Plattform finde ich auch deshalb so wichtig, weil wir die Möglichkeit haben, junge Fahrer und Talente aus unterschiedlichen Rennserien vor einem großen Publikum fahren zu sehen. Das ist bei weitem nicht überall gegeben. Für einen jungen Fahrer oder eine junge Fahrerin besitzt es eine besondere Wertigkeit, an einem Wochenende zusammen mit der DTM zu starten.

Hankook feiert 2020 sein zehnjähriges Jubiläum als Reifenpartner der DTM - Foto: Hankook

Hankook hat sich auch dem Nachwuchssport verschrieben. Wir zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?
Manfred Sandbichler: Wir sind im Bereich des Nachwuchses sehr gut und breit aufgestellt, obwohl zuletzt Nachwuchsformelserien mit einer großen Tradition weggefallen sind. So engagieren wir uns in Formel-4-Rennserien, im Formel Renault Eurocup und nicht zuletzt in der W Series. Die erste Formelserie nur für Frauen hielten wir für eine tolle Idee daher war es uns ein besonderer Wunsch bei dieser Serie von Anfang an als der Reifenpartner der W-Series mit dabei zu sein. Das ist ein Beitrag zum Motorsport auf einer ganz anderen Ebene. Da sind wir mit ganzem Herzen und vollem Einsatz dabei.

Die W Series soll dieses Jahr sogar im Rahmen der Formel 1 antreten.
Manfred Sandbichler: Das finden wir große Klasse. Und man darf nicht vergessen, dass auch der Formel Renault Eurocup im Rahmen von Formel-1-Rennwochenenden gastiert. Wer in einer Rahmenserie antritt, bekommt zwar von der Formel 1 selbst nicht sehr viel mit. Aber: Als junger Fahrer in diesem Umfeld zu starten und diese Luft zu schnuppern, das hat einen Stellenwert, den man mit Zahlen nicht beziffern kann.

Hankook engagiert sich in der W Series, der ersten Formelserie nur für Frauen - Foto: LAT Images

Gibt es im Programm von Hankook Motorsport eine Serie, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Manfred Sandbichler: Neben den bekannten Rennserien bin ich Fan auch von kleineren Serien wie der RCN oder der Supercar Challenge. Hier erlebt man Motorsport in Reinkultur, wie es in der großen Welt des Motorsports leider nicht mehr zu finden ist. Daran finde ich persönlich Spaß, auch, weil ich ein Fan älterer Fahrzeuge bin. Bei diesen Events herrscht einfach eine besondere Atmosphäre, es geht nur um den Sport und um nichts anderes. Und man trifft dort interessanterweise viele Leute, die sonst im modernen Motorsport unterwegs sind.

Aktuell rückt das Sim-Racing verstärkt in den Vordergrund. Ist das auch für Hankook von Interesse?
Manfred Sandbichler: Wir haben uns vor geraumer Zeit mit dem Thema beschäftigt und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir uns in Zukunft wieder mit dem Sim-Racing befassen. Dass sich immer mehr Motorsport-Fans für den virtuellen Motorsport begeistern, ist eine spannende Entwicklung. Da es aktuell keine reellen Rennen auf der Strecke gibt, haben die Leute die Möglichkeit, ihrem Hobby und ihrer Leidenschaft trotzdem weiter nachzugehen.


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