Motorsport-Magazin.com Plus
DTM

DTM-Abschied für Fan-Liebling Spengler: Es wird etwas kommen

Bekommt Bruno Spengler nach seinem DTM-Aus die Gelegenheit, sich von den Fans zu verabschieden? Gespräche mit BMW, Gaststart könnte schwierig werden.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wann die DTM-Saison 2020 in Zeiten der Corona-Krise beginnen kann, steht noch in den Sternen. Auf dem Papier würde sie in Folge der Kalenderverschiebung auf die zweite Jahreshälfte vom 10. bis 12. Juli auf dem Norisring beginnen. Sicher ist hingegen schon jetzt, dass einer der großen Stars der letzten Jahre nicht mehr am Start sein wird. Bruno Spengler, der 2020 seine 16. Saison in der Tourenwagenserie in Angriff genommen hätte, fehlt im Aufgebot von BMW.

Der Aufschrei unter den Fans war groß, als der Autobauer aus München eine Woche vor Weihnachten bekanntgab, dass der Meister von 2012 nicht mehr in der DTM antreten und stattdessen in die US-amerikanische IMSA-Serie versetzt werde. Auch Spengler reagierte zunächst überrascht und machte aus seiner Enttäuschung über diese Entscheidung kein Geheimnis.

Was den Franko-Kanadier besonders fuchste - und man nimmt es ihm voll ab, denn für Spengler stand die DTM stets an erster Stelle - war die fehlende Gelegenheit, sich würdevoll von seinen zahlreichen Fans verabschieden zu können. Diese Möglichkeit hatte ihm BMW Motorsport Direktor Jens Marquardt bei der Verkündung immerhin in Aussicht gestellt.

"Wir wollen noch nicht zu viel sagen, aber ich habe mit Jens Marquardt gesprochen und es wird etwas kommen", kündigte Spengler an diesem Dienstag in einem Instagram-Livevideo mit DTM-Kommentator Eddie Mielke an. Und: "Wenn wir etwas machen, dann wird es auch schön werden."

Zunächst wurde angenommen, dass BMW Spengler ein ähnliches Abschiedsrennen ermöglichen würde wie es Audi mit Mattias Ekström 2018 beim Saisonauftakt in Hockenheim hielt. Der zweifache Champion und Publikumsliebling aus Schweden trat als Gaststarter in einem Testträger an und ließ es im vollen Motodrom mit Donut-Einlagen ein letztes Mal richtig krachen.

Bei Spengler könnte sich diese Variante des Abschiedes hingegen als schwierig gestalten. BMW dürfte 2020 ein zusätzliches Auto fehlen, in das der 36-Jährige steigen könnte. Der bislang vorhandene Testträger aus München ging an das Privatteam ART Grand Prix und Robert Kubica, der in diesem Jahr vor seinem Debüt in der DTM steht.

Fun Fact: Spengler und Kubica waren 2004 Teamkollegen in der Formel 3 Euro Serie, das Duo startete für ASL-Mücke Motorsport aus Berlin. "Robert ist ein guter Fahrer, er wird mit seinem Team schon etwas reißen in diesem Jahr", glaubte Spengler.

So wird sich BMW voraussichtlich etwas anderes einfallen lassen müssen, um einen der erfolgreichsten Fahrer in der Geschichte der Serie gebührend aus der DTM zu verabschieden. Wann Spengler wieder im Fahrerlager der Tourenwagenserie auftauchen wird, lässt sich aufgrund zahlreicher Kalenderänderungen in der DTM und IMSA kaum vorhersagen. "Warten wir mal ab, ich habe auf jeden Fall Lust, die DTM-Fans zu sehen. Ich werde sie sehr vermissen, bin aber nicht weg aus der Welt", sagte der 16-fache Rennsieger.

In dieser Saison wird Spengler wohl zum ersten Mal seit seinem Einstieg in den Automobilsport im Jahr 2001 (Formel Renault 2.0 Eurocup u.a. auf dem Nürburgring) kein Rennen auf einer deutschen Rennstrecke bestreiten. Ein Einsatz beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, wo Spengler 2017 zum ersten und bislang einzigen Mal antrat, sei in diesem Jahr nicht geplant.

Mit der neuen sportlichen Heimat in der IMSA-Serie hat sich Spengler, der mit seiner Ehefrau im französischen Straßburg lebt, inzwischen anfreunden können. Dass er die DTM vermisst, scheint allerdings durch. Kein Wunder bei einem Fahrer, der von 2005 bis 2019 ganze 195 Rennen für Mercedes-Benz und BMW bestritt und damit zu den absoluten Urgesteinen zählt.

Spengler: "Langweilig war es nie in der DTM. Manchmal ärgerlich, manchmal richtig geil - da konnte es gar nicht langweilig werden. Wenn du so lange einer Serie bist, gibt es immer wieder Dinge, die du als Fahrer und als Team lernen kannst. Du kannst nicht immer ein Siegerauto haben. Du musstest daraus lernen und schauen, im nächsten Jahr wieder stärker zu sein. Deshalb hat die DTM immer viel Spaß gemacht."

Bruno Spenglers DTM-Karriere (2005-2019)

Jahr Team Platzierung Erfolge
2005 Mercedes Persson Motorsport P16 --
2006 Mercedes-HWA Vize-Meister 4 Siege, 5 Podien, 2 Poles
2007 Mercedes-HWA Vize-Meister 1 Sieg, 4 Podien, 3 Poles
2008 Mercedes-HWA P5 2 Podien, 1 Pole
2009 Mercedes-HWA P4 3 Podien, 1 Pole
2010 Mercedes-HWA P3 2 Siege, 8 Podien
2011 Mercedes-HWA P3 2 Siege, 5 Podien, 4 Poles
2012 BMW Team Schnitzer Meister 4 Siege, 6 Podien, 3 Poles
2013 BMW Team Schnitzer P3 1 Sieg, 3 Podien, 2 Poles
2014 BMW Team Schnitzer P11 2 Podien
2015 BMW Team MTEK P5 6 Podiums, 1 Pole
2016 BMW Team MTEK P15 1 Podium
2017 BMW Team RBM P13 1 Sieg, 3 Podien, 1 Pole
2018 BMW Team RBM P12 1 Podium
2019 BMW Team RMG P9 1 Sieg, 2 Podien

Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com Plus