DTM

DTM-Chef Berger schließt Geisterrennen aus: Realistischer Plan?

Einige Motorsport-Serien könnten Rennen ohne Publikum austragen. Die DTM wehrt sich dagegen. Dabei könnten Geister-Rennen ein wesentliches Problem lösen.
von Daniel Geradtz & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wegen der Corona-Pandemie ist derzeit nicht daran zu denken, Motorport-Events zu veranstalten. Wenn die aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen einmal aufgehoben werden, dürfte laut zahlreichen Experten noch eine ganze Weile vergehen, bis wieder an Großveranstaltungen mit Publikumsbeteiligung zu denken ist.

In der Fußball-Bundesliga wird darüber nachgedacht, die pausierte Saison mit Geisterspielen zu beenden. Auch in der Formel 1 gibt es derartige Überlegungen seit einer Weile. DTM-Boss Gerhard Berger ist von dieser Möglichkeit jedoch nicht überzeugt. Der Österreicher schließt für die Tourenwagenserie Rennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

"Unsere Kunden heißen Fans. Wenn die Fans nicht da sind, gibt es keine Rennen", sagte Berger dem österreichischen Fernsehsender Servus TV. Dennoch ist für den 60-Jährigen wichtig, dass der Motorsport möglichst schnell wieder Fahrt aufnimmt: "Um wirtschaftlich wieder unseren Beitrag leisten, um alle unsere Arbeitsplätze zu halten. Wir müssen einfach schauen, dass wir nicht am Ende des Tages nach dieser Corona-Krise in die nächste Krise schlittern."

Innerhalb der DTM-Familie gehen die Meinungen zu möglichen Geisterrennen auseinander. Thomas Biermaier vom Audi Sport Team Abt Sportsline hält sie für ein probates Mittel, um in die Saison starten zu können. "Zu realem Motorsport gehören ja auch Zuschauer", sagt er zu Motorsport-Magazin.com. "Ich persönlich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass wir vor 60.000 oder 70.000 Zuschauern fahren werden, wenn schon die Bundesliga 'Geisterspiele' in Betracht zieht. Wenn wir in absehbarer Zeit wieder fahren sollten, dann vielleicht als 'Geisterrennen'."

DTM-Saisonstart liegt noch in der Ferne

Biermaier möchte aufgrund der unklaren Zukunft noch nicht zu konkret an einen Saisonstart denken: "Das ist momentan alles zu weit weg. Wer hätte vor fünf, sechs Wochen denn gedacht, dass wir so viele Tote und Ausgangsbeschränkungen haben werden?"

Wie Motorsport-Magazin.com bereits berichtete, hat sich die DTM schon seit dem Aufkommen der Diskussion gegen Geisterrennen ausgesprochen. Der ausschlaggebende Grund: Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf stellen einen wichtigen Einnahmenfaktor dar. Auf das Geld würde man nur sehr ungern verzichten wollen.

Die Entwicklung der Covid-19-Krankheit wird letztendlich zeigen, ob und wie die DTM in diesem Jahr Rennen austragen kann. BMW Team RMG-Teamchef Stefan Reinhold zu Motorsport-Magazin.com: "Mit einem Zeithorizont von zwei bis drei Monaten könnte ich mir vorstellen, dass wir dann irgendwann Rennen fahren können. Wie viele Zuschauer dann dabei sein dürfen, ist natürlich momentan schwierig zu beurteilen. Die Hoffnung ist natürlich da. Doch die Gesundheit aller Beteiligten hat oberste Priorität, und wir unterstützen alle Entscheidungen, die die ITR, die Hersteller und die Rennveranstalter treffen."

Salzburgring erwägt WTCR-Event ohne Zuschauer

Derweil beschäftigen einige Veranstalter mit der Frage, wie Rennen ohne Publikum abgehalten werden könnten. Auch auf dem Salzburgring, wo vom 24. bis zum 26. Juli der Tourenwagen-Weltcup WTCR gastieren soll, spielen derartige Überlegungen eine Rolle.

"Es wird Mittel und Wege geben, zu diesem Zeitpunkt Rennen durchzuführen", sagt Salzburgring-Geschäftsführer Ernst Penninger zu Motorsport-Magazin.com. "Man muss sich allerdings dahingehend vorbereiten, sie ohne Besucher durchzuführen. Das ist eine Option und wir befinden uns in Gesprächen mit dem Promoter und der WTCR."

Sportveranstaltungen ohne Publikum sind in erster Linie das Mittel zum Zweck, um sportrechtliche Reglungen oder Marketingverpflichtungen zu erfüllen. Die DTM könnte durch Rennen ohne Fans an der Strecke ihre zehn geplanten Veranstaltungen auf die Beine stellen. In diesem Fall würde die ITR die Verträge mit den TV-Rechtehaltern und zu Teilen mit Sponsoren erfüllen.

Die DTM steckt wie viele andere Sportveranstaltungen in einem unschönen Dilemma, wie auch der zweifache Champion und TV-Experte von Sat.1, Timo Scheider, findet: "Rennen ohne Zuschauer sind wie Diskos ohne Menschen." Nach einer Überarbeitung des Kalenders startet die DTM in der zweiten Jahreshälfte mit dem Rennwochenende auf dem Nürnberger Norisring (10. bis 12. Juli) in die Saison 2020.


Weitere Inhalte:
DTM Tickets
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video