DTM

DTM-Boss Berger in Sorge: Wo ist die deutsche Autoindustrie?

Gerhard Berger macht sich angesichts der aktuellen Situation Sorgen um den Motorsport. Dabei nimmt der DTM-Chef auch die deutsche Industrie in die Pflicht.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die DTM befindet sich nach dem Ausstieg von Mercedes in einer entscheidenden Phase des Umbruches. Langfristig soll der Weg in die Internationalität führen - dabei müssen erst einmal kurzfristige Angelegenheiten geklärt werden.

DTM-Chef Gerhard Berger geht weiterhin fest davon aus, dass Aston Martin in der DTM-Saison 2020 am Start sein wird. Mit welchen Autos das Team R-Motorsport, das im vergangenen Jahr sein Debüt gegeben hat, nach der Trennung von HWA antreten soll, bleibt jedoch weiterhin unbekannt.

Das Schweizer Privatteam, das seinen DTM-Einstieg ursprünglich für 2020 geplant hatte, war direkt auf Mercedes gefolgt und sorgte für ein ausreichend großes Starterfeld. Solange die Zukunft von Aston Martin in der Tourenwagenserie aber nicht offiziell geklärt ist, bleiben Zweifel. Zwei Monate vor den Testfahrten in Monza ist es auffällig ruhig in der Szene.

Dann wäre die DTM über den Berg...

"Wenn alle Dinge, die wir ursprünglich mit Audi, BMW und Mercedes geplant hatten, auch so umgesetzt worden wären, wäre die DTM heute über den Berg", sagte Berger im Interview mit Auto-Motor-und-Sport. "Durch den Ausstieg von Mercedes sind alle getroffenen Maßnahmen 'nice to have', doch im Kern stellt sich die Frage: Wie können wir mehr Hersteller in die Serie ziehen, um eine größere Markenvielfalt und mehr Wettbewerb zu schaffen?"

Seit der Ausstiegsankündigung von Mercedes im Juli 2017 sucht Berger nach neuen Herstellern für die DTM. Mit Ausnahme des privaten R-Motorsport-Teams, das in aller Kürze vier Aston Martin Vantage auf die Beine stellte, blieb die Suche bislang vergebens.

Berger: Wo ist die deutsche Automobilindustrie?

"Ich selbst frage mich: Wo ist die deutsche Automobilindustrie, außer BMW und Audi natürlich?", so Berger. "Die DTM-Plattform ist nach der Formel 1 und der Nascar die größte und beste Plattform für Hersteller." Der Österreicher vermisste, dass die deutsche Automobilindustrie dieses Besitzgut pflegt, wie er es selbst ausdrückte.

Berger mahnte weiter: "Ich sehe keinen Ersatz für die DTM, wenn man diese Plattform schließen würde. Sie würde verloren gehen. Wenn man so etwas später mal wiederaufbauen wollte, müsste man viel Geld in die Hand nehmen und Zeit reinstecken."

Dass die DTM in ihrer über 30-jährigen Geschichte weitaus bessere Zeiten erlebte als zuletzt, ist bekannt. Dass die aktuell schwierigen Zeiten in der Automobilbranche sich sehr konkret auf den Rennsport auswirken, ebenfalls. Vor allem Motorsportserien mit Verbrenner-Motoren stehen seit dem Elektromobilitäts-Hype genauestens auf dem Prüfstand - Effizienz hin oder her.

Motorsport verkommt zum Randthema

Angesichts der derzeitigen Lage verkomme der Motorsport in der Automobilindustrie zum Randthema, meinte Berger. Und weiter: "Ich finde das besorgniserregend. Das Automobil war immer schon mehr als nur ein Transportmittel. Es entfacht Emotionen, stellt einen Status dar. In dieser Hinsicht war der Rennsport ein wichtiges Werkzeug."

Der radikalste Ansatz sei, komplett auf Motorsport zu verzichten. Das könne laut Berger aber keine Lösung sein. Stattdessen ist Umdenken angesagt, auch in der DTM. Zuletzt sorgte die ITR mit dem Konzept einer elektrischen Tourenwagenserie für Aufsehen, in der leistungsstarke Boliden wahlweise von einer Batterie oder Brennstoffzelle angetrieben werden.

Die futuristische Studie soll auf Umsetzbarkeit geprüft werden. In der aktuellen DTM sollen ab 2022 Hybridmotoren den Zeitgeist der Branche treffen, dazu umweltverträgliches Benzin zum Einsatz kommen.

Berger: "Am besten für die Umwelt wäre es, wenn wir in Zukunft alle zuhause sitzen bleiben. Ich bin absolut dafür, dass wir uns alle Gedanken über die Umwelt machen und dass jeder aufgefordert ist, seinen Beitrag zu leisten, aber es muss einen Mittelweg zwischen dem totalen Verzicht auf alles und verantwortungsvollem Umgang mit dem Problem geben."


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