DTM

DTM mit 800-PS-Monstern dank Hybrid-Antrieb?

Gerhard Berger träumt seit seinem Amtsantritt von Tourenwagen mit 1.000 PS. Der nächste technologische Schritt bringt die DTM näher an dieses Wunschziel.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die DTM-Dachorganisation ITR hat Anfang November mit einer Konzeptstudie über eine rein-elektrische Tourenwagenserie mit bis zu 1.000 PS starken Autos für Aufsehen gesorgt. Wann und ob die Rennserie, in der durch Batterien oder wahlweise Wasserstoffbrennzellen angetriebene Autos zum Einsatz kommen, tatsächlich Realität wird, soll in den kommenden Monaten genauer evaluiert werden.

Dass Tourenwagen mit einer immensen Leistung ihre Runden drehen werden, ist hingegen in naher Zukunft absehbar. Ab dem Jahr 2022 soll Hybridtechnologie in der DTM eingeführt werden. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com steht durch die Hybridantriebe ein deutlicher Leistungszuwachs im Raum. Die Rennwagen sollen in der Spitze bis zu 800 PS leisten - und wären damit die stärksten Tourenwagen der Geschichte.

Diese angepeilte Leistungssteigerung soll mittels eines Stufenmodells erreicht werden. Zunächst steht hier nach der Einführung eines Hybrid-Einheitssystems die Zuverlässigkeit im Vordergrund. In der Folge soll die Power in den Fokus rücken. DTM-Chef Gerhard Berger wäre seiner Traumvorstellung von Rennautos mit 1.000 PS dadurch wieder einen Schritt näher.

Berger: Hauptsache 1.000 PS

"Aus Sicht eines Rennfahrers ist es mir egal, was ich habe", sagte der frühere Formel-1-Fahrer am Rande des Dream Race in Fuji. "Wenn du mir 1.000 PS von einem Elektromotor oder von einem Verbrennungsmotor gibst, dann versuche ich die am Limit zu bewegen. Und ich möchte sehen, wie andere Rennfahrer gegen mich antreten. Mir war damals auch egal, ob ich Karbon- oder Stahlbremsen habe. Ich wollte nur das gleiche Material haben wie die anderen, um zeigen zu können, dass ich besser bin als sie."

Durch die Inkludierung des Hybridsystems soll am Ende eine deutliche Leistungssteigerung im Vergleich zur aktuellen Turbo-Generation zur Verfügung stehen. Die DTM-Boliden mit den neuen Zweiliter-Turbomotoren leisten etwa 610 PS. Auf Basis der derzeitigen Vierzylinder-Aggregate soll der zusätzlich verbaute Elektro-Motor Energie rekuperieren und bei Bedarf vom Fahrer eingesetzt werden.

Berger: Umweltverbesserung eine Notwendigkeit

Mit der Einführung von Hybridmotoren richtet sich die DTM nach den Bedürfnissen der Automobilbranche. Energierückgewinnung und Nachhaltigkeit sind die großen Themen dieser Zeit. Mittels Hybrid und der geplanten Einführung eines Kraftstoffes mit hohem erneuerbarem Anteil will die DTM so ihren Teil zur CO2-Reduktion beitragen.

"Wir haben keine hunderttausende Ingenieure, also können wir die zukünftigen Technologien nicht definieren", sagte Berger. "Aber wir können die Plattform bieten, auf der sich die Technologien der Zukunft beweisen und schneller weiterentwickelt werden können. Niemand kann und sollte versuchen, zu vermeiden, unsere Umwelt zu verbessern. Das verstehen wir alle als eine Notwendigkeit."

Um der DNA der DTM gerecht zu werden, sollen die Rennfahrer mittels Hybrideinsatz künftig noch mehr in den Fokus rücken. "Die DTM ist eine Fahrer-Serie und so soll es auch mit neuen Systemen bleiben", forderte BMW Motorsport-Direktor Jens Marquardt.

DTM-Jahresfilm 2019: Die Video-Highlights der Turbo-Saison: (10:12 Min.)

Audi-Vorstand: Verbrenner werden uns noch lange begleiten

Auch Audi ist der neuen Antriebstechnik in der DTM gegenüber aufgeschlossen. "Ich halte es für sinnig, wenn das Thema Hybridisierung weiter in den Vordergrund kommt", sagte Audi-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Rothenpieler beim DTM-Saisonauftakt in Hockenheim. Und weiter: "Das Thema Verbrenner wird uns noch lange weiter begleiten. Verbrenner-Motoren sind nicht so schlecht, wie in den vergangenen drei Jahren darüber gesprochen wurde."

Berger stimmte zu mit Blick auf den in diesem Jahr neueingeführten Turbo-Motor in der Tourenwagenserie: "Wir haben einen sehr guten und effizienten Verbrennungsmotor. In Kombination mit Hybrid und synthetischem Kraftstoff könnte das auch eine tolle Möglichkeit für die Zukunft der Straßenautos darstellen."

Hybrid als Einheitsbauteil

Damit die Kosten nicht ausufern, soll in der DTM ein einheitliches Hybridsystem eines bestimmten Herstellers zum Einsatz kommen. Ein Vorhaben, dass auch Altbekannten gefällt: Verantwortliche von IMSA und NASCAR haben die ITR kontaktiert, weil sie vom Konzept der vielen Einheitsbauteile und der damit verbundenen Kostenreduzierung inzwischen offenbar überzeugt sind. Auch ein Austausch über das Hybrid-System hat bereits stattgefunden.

Eine enorm aufwendige Energierückgewinnungs-Technologie wie in der Formel 1, wo die Power Units unter anderem durch MGU-K sowie MGU-H Einheiten angetrieben werden, soll es in der DTM nicht geben. Vorstellbar wäre eine direkt am Verbrennungsmotor positionierte und mit der Kurbelwelle verbundene MGU-K.

"Mir ist wichtig, dass Hybrid einen Beitrag zur Umwelt leistet und dass der Wettbewerb nicht verzerrt wird", sagte Berger dieses Jahr zu Motorsport-Magazin.com. "In der Formel 1 stellt sich die Frage, wer das System am besten versteht und wer das meiste Geld einsetzt, um dadurch aus diesem System einen Vorteil zu ziehen. Das kann für die Formel 1 richtig sein, aber nicht für die DTM, weil wir sehr stark auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis achten müssen."

In den DTM-Autos der aktuellen Generation wurde die Inkludierung eines zusätzlichen Hybridsystems bereits berücksichtigt. Testfahrten im Jahr 2021 sollen weitere Erkenntnisse unter realen Bedingungen liefern, bevor der neue Elektro-Antrieb in Kombination mit dem derzeitigen Turbo-Motor ab 2022 zum Einsatz kommen soll.


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