DTM

DTM-Boss Berger pro Elektro, aber: Formel E ist zu langsam

Dass sich ausgerechnet Gerhard Berger für die Gründung einer elektrischen Tourenwagenserie einsetzt, sorgt für Verwunderung. Der DTM-Boss klärt auf.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Da staunten einige nicht schlecht: Ausgerechnet Gerhard Berger setzt sich für die Gründung einer voll-elektrischen Rennserie ein! Der Österreicher wird in weiten Teilen der Öffentlichkeit als Kritiker der Elektrifizierung des Motorsports angesehen und hat in der Vergangenheit nicht selten gegen die Formel E gestichelt.

Dabei ist Berger neuen Technologien und auch der Nachhaltigkeit gegenüber durchaus aufgeschlossen - wenn die Rahmenbedingungen passen. Daraus hatte der ehemalige Formel-1-Fahrer schon in der Vergangenheit kein Geheimnis gemacht. So sollen Hybrid und nachhaltiges Benzin ab 2022 für eine Verringerung der CO2-Reduktion in der DTM sorgen - und damit den Bedürfnissen der Autobauer gerecht werden.

Die von der DTM-Dachorganisation vorgestellte Konzeptstudie einer Elektro-Tourenwagenserie mit Autos, die bis zu 1.000 PS leisten und wahlweise durch eine Batterie oder Wasserstoffbrennzelle angetrieben werden, ist ganz nach Bergers Geschmack.

Auch die Formel E, die am 23./23. November in Saudi-Arabien - parallel zum DTM/Super GT 'Dream Race' in Fuji - in ihre sechste Saison startet, habe laut Berger als Marketingplattform ihre Berechtigung. Dass sich derart viele Hersteller in der Elektro-Serie engagieren, könne er nachvollziehen.

Berger: Formel E ist zu langsam

Berger: "Meine Kritik war auf den Motorsport gerichtet, weil ich die Autos für zu langsam halte und die Fahrweise sehr stark durch Strategie und Energiemanagement bestimmt ist. Das wäre bei den Fahrzeugen, die die ITR in der Konzeptstudie vorgestellt hat, völlig anders."

Seit seinem Amtsantritt träumt Berger von Rennwagen mit 1.000 PS Leistung, der Wunsch nach einem "Ritt auf der Kanonenkugel" begleitet den DTM-Chef seit jeher. Mit der E-Tourenwagenserie, deren Umsetzbarkeit in den kommenden Monaten intensiv geprüft werden soll, hätte er dieses Ziel erreicht.

"Hier sprechen wir von leistungsstarken Fahrmaschinen, die - ebenso wie die DTM - spektakuläres Rad-an-Rad-Racing ermöglichen", so Berger. "Ein weiterer Vorteil: Diese Autos haben einen direkten optischen Bezug zu Autos, die beim Händler stehen. Mit anderen Worten: Hiermit sollte sich auch der Fan identifizieren können."

DTM: Vision einer Elektro-Tourenwagenserie präsentiert: (01:47 Min.)

DTM ab 2022 mit Hybridsystem

Ein ähnliches Konzept verfolgt seit geraumer Zeit die TCR-Tourenwagenserie, die ab 2020 auf von Batterien angetriebene Rennwagen mit bis zu 680 PS in der Spitze setzen will. Hyundai und Cupra mit dem Entwicklungsfahrer und zweifachen DTM-Champion Mattias Ekström testen ihre Boliden für die kommende Saison bereits.

Die ITR will hingegen mit der Wahl zwischen Batterie- oder Brennstoffzellen-Antrieb punkten - und nicht zuletzt mit den anvisierten 1.000 PS Leistung. Sollte die vorgestellte Elektro-Tourenwagenserie tatsächlich zur Realität werden, wäre ein Start im Rahmenprogramm der DTM geplant. Eine Umrüstung der aktuellen Turbo-Generation auf voll-elektrischen Antrieb ist derzeit kein Thema. Für 2022 ist die Einführung eines Hybridsystems geplant.

Berger: Mitreißendes Konzept hat gefehlt

Von der Elektro-Vision, die unter anderem mit Roboter-Boxenstopps äußerst futuristisch anmutet, ist Berger überzeugt. "Wer die Zukunft des Motorsports gestalten will, muss den Blick weit nach vorn richten", sagt der 60-Jährige. "Und dabei müssen wir den Entwicklungen in der Serienautomobil-Welt aufgeschlossen gegenüberstehen. Auf den Motorsport bezogen heißt das: Hybrid oder Elektro sind zwar hier und da bereits in Teilen realisiert, aber ein wirklich neues, mitreißendes Konzept, hat in meinen Augen bislang gefehlt."

Mit der ITR-Studie will Berger bei Herstellern punkten, die den Motorsport im Zuge der globalen Elektrifizierung als Plattform nutzen möchten. Ob sie ein solch spektakuläres Konzept finanzieren wollen, steht auf einem anderen Blatt Papier... Das kennt Berger nur zu gut aus der aktuellen DTM, in der die Kosten noch immer ein Grund sind, warum interessierte Autobauer eher abwinken.

"Wie auch in der DTM müssen bei einem solchen Technologieprojekt die Kosten unter Kontrolle gehalten werden", mahnt Berger. "Das geht nur, wenn weite Teile der Entwicklung zentral gesteuert werden und wesentliche technische Komponenten des späteren Rennfahrzeugs wie Elektroantrieb mit E-Motoren, Leistungselektronik und Batterie oder Brennstoffzelle standardisiert sind."

ITR-Konzeptstudie: Key Facts

  • Elektro-Tourenwagen basierend auf Hersteller-Modellen
  • Antrieb wahlweise durch Batterie oder Brennstoffzelle
  • Bis zu 1.000 PS Leistung in der Spitze
  • Boxenstopps in den 30- bis 40-minütigen Rennen
  • Batterietausch und Reifenwechsel durch Industrie-Roboter
  • Einheitsfahrzeuge mit individueller Silhouette, um Kosten zu sparen
  • Serie würde im Rahmenprogramm der DTM starten
  • Realisierung hängt von Machbarkeit, Finanzierung, Interesse ab

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