DTM

DTM - Aston Martin: Chancenlos gegen 100-Millionen-Budgets

Die Budget-Zahlen zeigen, wie chancenlos DTM-Debütant Aston Martin gegen die Konkurrenz war. HWA den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre der falsche Ansatz.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - "Blamiert uns nicht", hatte Aston Martin CEO Andy Palmer beim Saisonauftakt in Hockenheim als Vorgabe für das neue DTM-Projekt von R-Motorsport herausgegeben. Als Blamage kann die erste Saison des Teams mit der exklusiven Lizenz von Aston Martin angesichts der Umstände nicht bezeichnet werden. Als Offenbarung aber auch nicht, zu groß war der Rückstand auf die etablierten Hersteller Audi und BMW.

Aston Martin erzielte in den 18 Rennen der DTM-Saison 2019 magere 49 Punkte, wobei es aufgrund von Motorwechseln einige wenige Punktabzüge gab. Hersteller-Meister Audi errang hingegen gigantische 1.132 Zähler, während die BMW-Fahrer 550 Punkte sammelten.

Allein das zeigt: Der Performance-Nachteil der vier Aston Martin Vantage zur Konkurrenz war viel zu groß. Ähnlich groß waren die Probleme mit dem Motor des Autos, das innerhalb von etwas mehr als drei Monaten entwickelt wurde.

Trennung zeichnete sich schon zur Jahresmitte ab

Der abgefackelte Aston Martin von Daniel Juncadella beim letzten Saisonrennen als Sinnbild: Keine drei Wochen später gaben R-Motorsport und HWA für das DTM-Projekt offiziell die Trennung bekannt, die sich nach Informationen von Motorsport-Magazin.com bereits Mitte des Jahres (!) abgezeichnet hatte.

Dass R-Motorsport der zum Teil hohen Erwartungshaltung unmöglich gerecht werden konnte, zeigt allein ein Blick auf die Zahlen. Teamchef Dr. Florian Kamelger sprach von einem Budget im Bereich von 20 Millionen Euro. Ein Bruchteil im Vergleich zur Konkurrenz, die den schon für 2017 geplanten Zweiliter-Turbomotor wesentlich intensiver und länger entwickeln konnte.

DTM-Budget: Rund 100 Millionen Euro

Aus Kreisen des VW-Konzerns hat Motorsport-Magazin.com von mehreren Mitarbeitern erfahren, dass der Audi AG für die DTM-Saison 2019 rund 100 Millionen Euro an Kosten entstanden sind. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die zweijährige Entwicklung des neuen Turbomotors einen Großteil dieser immensen Summe ausmacht.

Auch bei BMW hört man, dass sich die Münchner 2019 in hohen zweistelligen Millionenregionen bewegten, von denen Aston Martin und R-Motorsport bei ihrem DTM-Budget nur träumen konnten. "Hersteller berechnen Budgets unterschiedlich", sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass beim Rennwochenende auf dem Lausitzring. "Deshalb ist es sehr gefährlich, über Zahlen zu sprechen. Man vergleicht da leicht Äpfel mit Birnen."

Der eklatante Unterschied zwischen R-Motorsport auf der einen, und Audi sowie BMW auf der anderen Seite lässt sich aber nicht von der Hand weisen. Und die angebliche Technik-Problematik der HWA AG bei der Entwicklung und dem Bau der Aston Martin Vantage ist offensichtlich ein Märchen.

Konkurrenz: HWA kann Motoren bauen

Dazu passt die Aussage eines Audi-Ingenieurs, der nicht genannt werden möchte, aber versichert, dass HWA-Motorenchef Dietmar Kamczyk und sein Team einen ebenso guten Turbomotor hätte entwickeln, bauen und einsetzen können, wie es Audi Motorsport 2019 überragend demonstriert hat. Bei R-Motorsport fehlte nach Einschätzung von Experten diesbezüglich schlicht und ergreifend das nötige Kleingeld.

Ein weiterer Hinweis: Das Neueinsteiger-Team verzichtete während der Saison darauf, Nachbesserungen anzustreben. Eine Weiterentwicklung des eingefrorenen Motors, um eine signifikante Performance-Steigerung zu erzielen, hätte viel und weiteres Geld verschlungen.

Kamelger: Keine Perspektive mit HWA

Die HWA AG hatte R-Motorsport für die DTM-Saison 2020 ein Angebot als Partner für die Entwicklung, Produktion und den Renneinsatz gemacht, erklärte Hans Werner Aufrecht, der Vorsitzende des HWA-Aufsichtsrates, bei Motorsport-Magazin.com.

Wir haben die wichtigen Weichen gestellt und sind dabei, unter neuen Vorzeichen die Voraussetzungen zu schaffen, um im kommenden Jahr in neuer Aufstellung an den Start zu gehen.
Dr. Florian Kamelger

Dazu kam es jedoch nicht, wie inzwischen bekannt ist. Von Motorsport-Magazin.com auf die Gründe für die Trennung angesprochen, antwortete Teamchef Kamelger: "Wir haben nach reiflicher Überlegung und intensiven Gesprächen keine Perspektive für die Fortsetzung unseres DTM-Engagement mit HWA gesehen. Unsere Auffassungen entsprachen nicht immer denen von HWA, so dass wir uns gezwungen sahen, die Zusammenarbeit zu beenden."

Nun soll es mit einem neuen technischen Partner in der DTM-Saison 2020 weitergehen. Wie weit das Team aktuell mit den Vorbereitungen ist, dazu äußert sich Kamelger äußerst defensiv: "Wir haben die wichtigen Weichen gestellt und sind dabei, unter neuen Vorzeichen die Voraussetzungen zu schaffen, um im kommenden Jahr in neuer Aufstellung an den Start zu gehen. Wie sich das DTM-Programm dann darstellt werden wir zu gegebener Zeit bekanntgeben."


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