DTM

Berger: Verstehe nicht, warum Formel 1 nicht in Assen fährt

Erfolg auf ganzer Linie: Die DTM-Premiere in Assen überzeugte durchweg. DTM-Chef Gerhard Berger richtet eine deutliche Botschaft in Richtung der Formel 1.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die DTM-Premiere in Assen war in jeder Hinsicht ein großer Erfolg: volle Zuschauertribünen, zwei spannende Rennen, obendrein ein gut besuchter Show Run in der Innenstadt zur Einstimmung. Die Veranstalter hatten sich im Vorfeld mächtig ins Zeug gelegt und auch die MotoGP - das Aushängeschild des TT Circuit Assen - als Werbetrommel genutzt.

Das Gesamtpaket gefiel DTM-Boss Gerhard Berger, nachdem die Tourenwagenserie in diesem Jahr erstmals seit dem Jahr 2000 nicht mehr in Zandvoort gastierte. "Ich bin zum ersten Mal in Assen und sehr beeindruckt", sagte der Österreicher.

Berger stärkte dem neuen Streckenpartner weiter den Rücken mit einer knackigen Aussage: "Ich habe am Samstagabend eine Runde um die Strecke gedreht und ich muss sagen: Ich verstehe nicht, warum die Formel 1 hier nicht fährt. Es ist eine der besten Rennstrecken, die ich je gesehen habe."

Hintergrund dieser Aussage: Die Formel 1 hat sich anders entschieden als die DTM und kehrt in der Saison 2020 zurück nach Zandvoort. Auch Assen hatte sich um die Königsklasse des Formelsports bemüht. Politische Gründe und die Historie der Formel 1 in Zandvoort gaben dem Dünenkurs aber letztendlich den Zuschlag.

Die Formel 1 hielt den Grand Prix der Niederlande zwischen 1952 und 1985 mit jeweils kurzen Unterbrechungen von ein bis zwei Jahren insgesamt 30 Mal ab. Das Rennen wurde in dieser Zeit ausschließlich in Zandvoort ausgetragen. Bei der letzten Austragung vor 34 Jahren feierte Niki Lauda im McLaren TAG den letzten seiner insgesamt 25 Siege in der F1.

Berger schwärmte unterdessen weiter von der neuen DTM-Heimat in den Niederlanden: "Hochgeschwindigkeits-Kurven, hohe Sicherheitsstandards, eine moderne Anlage, ein großes Fahrerlager, große Tribünen, große Parkplätze mit guter Infrastruktur und eine gute Organisation - einfach perfekt. Ich bin wirklich positiv überrascht. Der Veranstalter hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Das hat sich ausgezahlt. Wir haben eine tolle DTM-Premiere in Assen erlebt."

Lokalen Medienberichten zufolge sollen etwa 40.000 Zuschauer zum Debüt der DTM nach Assen gereist sein. Allein der Show Run am Donnerstagabend soll etwa 10.000 Menschen angelockt haben.

Volles Haus beim Show Run in der Innenstadt - Foto: Audi Communications Motorsport

Zahlen, die den großen Zuspruch auf der Strecke belegen, die eigentlich berühmt ist für Motorrad-Rennen. Mit der MotoGP (Vertrag bis 2021) und der Superbike-WM gastieren zwei Top-Serien seit vielen Jahren auf dem TT Circuit Assen. Zum diesjährigen MotoGP-Lauf kamen 105.000 Fans am Rennsonntag und insgesamt 167.500 - ein neuer Bestwert über das Wochenende hinweg.

So positiv das Assen-Debüt der DTM auch aufgenommen worden ist und höchstwahrscheinlich in Zukunft fortgeführt wird: Zandvoort galt in der Vergangenheit wegen seines Oldschool-Charakters stets als einer der beliebtesten Austragungsorte im Rennkalender. Von 2001 bis 2018 gastierte die Serie durchweg auf der Rennstrecke an der Nordseeküste. Mit der Zeit zeichnete sich allerdings eine Abkehr der DTM immer mehr ab.

Nach der Entscheidung für Assen und gegen Zandvoort, sagte DTM-Chef Berger vor dem Saisonbeginn zu Motorsport-Magazin.com: "Ich bin ein großer Fan von sogenannten Oldschool-Rennstrecken. Für den Kalender einer Rennserie brauchst du eine Mischung von Strecken mit unterschiedlichen Charakteren. Mit Zolder und Brands Hatch haben wir schon zwei, die in diese Richtung gehen."

Und weiter: "Zandvoort wäre auch eine gewesen, doch da waren die wirtschaftlichen Voraussetzungen für uns nicht ideal. Am Ende des Tages war eine andere Rennstrecke im Angebot, die über eine sehr moderne Anlage verfügt und immer wieder erfolgreich Events umsetzt. Wir haben einen riesigen Drive bei Assen gespürt."


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