DTM

DTM 2018: Muss diesmal wirklich einer der Verlierer sein?

Bisher galt: In der DTM darf es keine Verlierer geben. Dieser Leitsatz wird 2018 auf die Probe gestellt. Uli Fritz: Muss Niederlagen auch mal akzeptieren.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Am kommenden Montag beginnen die letzten Testfahrten der DTM vor dem Start in die Saison 2018 - die vorerst letzte von Mercedes in der Tourenwagenserie. Die vorangegangenen Tests in Vallelunga lieferten aufgrund des schlechten Wetters kaum Aufschluss über das wirkliche Kräfteverhältnis zwischen Dreifach-Meister Audi, BMW und Mercedes-Benz.

Die vier Tage in Hockenheim vom 9. bis 12. April dürften bessere Rückschlüsse darüber zulassen, wer die Oberhand hat. Eine durchaus heikle Angelegenheit angesichts der baulichen Änderungen der DTM-Autos über den Winter. Die Aerodynamik wurde weiter reduziert - rund ein Drittel weniger soll es sein - dazu wurden noch mehr Teile, wie die Radkästen, vereinheitlicht.

Es galt für alle drei Hersteller, die neuen Regeln auf ihre bestehenden Pakete anzupassen. Das ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Sollte einer der drei Hersteller merklich in der Performance, etwa beim Umgang mit den Reifen, abfallen, könnte sich das durch die komplette Saison ziehen.

Ein Szenario, das in den letzten Jahren durch nachträgliche Zugeständnisse und auch durch die Performance-Gewichte vermieden werden sollte. Es galt der Grundsatz: In der DTM darf es keine Verlierer geben.

Die Zusatzgewichte sind inzwischen Geschichte und dienen damit nicht mehr als ausgleichendes Element. Die strikte Testbeschränkung tut ihr Übriges, damit Audi, BMW und Mercedes beim Saisonauftakt in Hockenheim Anfang Mai vermutlich nicht komplett aussortiert sein werden.

Doch was passiert, wenn einer der Hersteller deutlich hinterherhinkt? Aufgrund des Mercedes-Ausstiegs und der ungewissen Zukunft der DTM dürfte es 2018 keine Kompromisse mehr am grünen Tisch geben. Sprich: Es wird ein Jahr lang mit dem gekämpft, was über den Winter gebaut wurde.

Mercedes-Teamchef Uli Fritz glaubt beim Worst-Case-Szenario nicht an mögliche Kompromisse. "Letztendlich waren die Bedingungen für alle gleich", sagt er zu Motorsport-Magazin.com. "Wir haben Performance relevante Bereiche noch weiter eingeschränkt und dadurch weniger Aerodynamik. Deshalb hoffe ich, dass wir nicht vor solch einer Situation stehen."

Fritz weiter: "Und wenn wir vor dieser Situation stehen, dann wird es so laufen wie in der echten Motorsportwelt auch: Dann hat man noch ein paar Möglichkeiten, sich über das Jahr hinweg Gedanken zu machen. Ansonsten muss man halt aufs nächste Jahr warten - was für uns keine Option ist."

Sollte beispielsweise Mercedes einen Leistungs-Nachteil haben, würde sich die Konkurrenz wohl kaum auf Zugeständnisse einlassen. Das dürfte für alle Hersteller gelten, nachdem für 2019 ohnehin komplett neue Autos samt Turbo-Motor angekündigt worden sind - und diesmal auch wirklich in die Tat umgesetzt werden sollen.

"Es ist doch letztendlich wie in jedem Sport", sagt Fritz. "Natürlich hasst es jeder, zu verlieren. Und was fasziniert uns denn am Sport? Klar, das Gefühl, zu gewinnen. Aber das Gefühl lieben wir nur deshalb so, weil wir wissen, wie bitter eine Niederlage sein kann. Am Schluss muss man auch mal akzeptieren können, dass man das kürzere Streichholz hat und einfach der Verlierer ist. Und es gilt: Wer den besten Job macht, ist am Ende auch vorne."

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Nicht jeder musste immer gewinnen, aber Verlierer durfte es in der DTM nicht geben. Gehörte sich nicht für eine Rennserie mit Premium-Anspruch. Die Zeiten könnten 2018 endlich vorbei sein. Keine (faulen) Kompromisse mehr am grünen Tisch! Wer den besten Job gemacht hat, wird dafür belohnt. Punkt. Aus. Könnte für 6 bis 12 Fahrer eine frustrierende Saison werden, aber so läuft es nun mal im echten Motorsport. Ich freu mich drauf. (Robert Seiwert).


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