Ein Bentley ohne Verbrennungsmotor klingt zunächst ein wenig falsch. Schließlich gehören große Motoren, gewaltiges Drehmoment und der charakteristische Sound seit Jahrzehnten zur Marke. Jetzt macht Bentley trotzdem genau das: Der neue Torcal ist das erste Elektroauto der Briten – und zugleich eines der stärksten Modelle, die sie je gebaut haben.
Bis zu 888 PS und 1.350 Nm stehen zur Verfügung. Damit geht es in 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Trotzdem soll der Torcal nicht wie ein elektrischer Dragster wirken. Bentley setzt bewusst auf souveräne Kraftentfaltung statt auf möglichst brutale Beschleunigungswerte.
Ein Bentley, der seine eigene Form findet
Optisch geht der Torcal einen neuen Weg. Das rund fünf Meter lange SUV wirkt flach und gestreckt, mit langem Radstand, kurzen Überhängen und einer auffällig breiten Front. Der beleuchtete Kühlergrill greift die typische Bentley-Form auf, interpretiert sie aber mit einem neuen Diamantenmuster.

Besonders gelungen sind die hinteren Flanken. Dort zieht sich die Karosserie kräftig über die Hinterräder und verjüngt sich anschließend zum Heck. Bentley spricht von einer „schlafenden Bestie“
888 PS sind nur die halbe Geschichte
Die Technik unter dem Blech ist mindestens genauso interessant. Zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren treiben alle vier Räder an. Die Batterie besitzt eine nutzbare Kapazität von 113 kWh und arbeitet mit einem 800-Volt-System.

Die Reichweite liegt bei bis zu 600 Kilometern nach WLTP. An einer entsprechend leistungsfähigen Ladesäule sind bis zu 400 kW möglich. Von 10 auf 80 Prozent sollen weniger als 20 Minuten vergehen. Sieben Minuten Ladezeit reichen laut Bentley für rund 161 Kilometer zusätzliche Reichweite.
Das Fahrwerk dürfte der eigentliche Star sein
Bei einem Bentley geht es allerdings nicht nur um Leistung. Der Torcal bekommt deshalb ein vollständig aktives Fahrwerk mit adaptiven Zweiventil-Dämpfern. Die einzelnen Dämpfer können unmittelbar auf Fahrbahn und Fahrsituation reagieren. Klassische Stabilisatoren sind nicht mehr notwendig.

Dazu kommt eine elektronische Allradlenkung. Die Hinterräder können um bis zu fünf Grad einschlagen, wodurch sich der Wendekreis auf 11,1 Meter reduziert. So soll der schwere Luxus-SUV nicht nur auf der Autobahn souverän wirken, sondern sich auch im Alltag erstaunlich handlich anfühlen.
Der Elektro-Bentley bekommt trotzdem einen eigenen Sound
Und dann ist da noch der Punkt, bei dem Bentley besonders tief in die Trickkiste greift: der Klang. Statt einfach einen künstlichen V8-Sound über die Lautsprecher zu legen, entwickelte Bentley gemeinsam mit Musikern eine eigene Klangwelt.

Schlagzeug, Bratschen und Bassgitarren wurden dafür aufgenommen. Der Sound soll mit Drehmoment und Geschwindigkeit reagieren und im Sport-Modus intensiver werden. Wer Ruhe möchte, kann die Klangkulisse auch komplett abschalten.
Luxus mit Merinowolle statt Materialschlacht
Innen bleibt der Torcal typisch Bentley – allerdings mit neuen Materialien. Neben Leder kommen unter anderem Merinowolle, nachhaltig gewonnenes Walnussholz und Aluminium zum Einsatz. Besonders ungewöhnlich ist ein gemeinsam mit der britischen Weberei Fox Brothers entwickelter Stoff aus 100 Prozent Merinowolle.

Auch bei den Sitzen geht Bentley weit. Sie lassen sich 16-fach elektrisch verstellen, verfügen über Heizung und Belüftung sowie eine Massagefunktion. Optional passt das System die Sitzform kontinuierlich an die Druckverteilung an. Die Wellness-Variante massiert sogar Beine und Sitzfläche.

Basisversion oder 888 PS?
Zum Start gibt es den Torcal in zwei Varianten. Das Basismodell bringt 821 PS und 1.194 Nm auf die Straße und erreicht 100 km/h nach 3,4 Sekunden. Der Torcal S legt mit aktivierter Launch Control auf 888 PS und 1.350 Nm zu.

Damit ist der Torcal nicht einfach nur der erste Elektro-Bentley. Er ist ein ziemlich klares Signal dafür, wohin die Marke elektrisch will: weg vom klassischen V8-Sound, aber nicht weg von dem Gefühl, das einen Bentley ausmacht.



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