ADAC GT Masters

Jeffrey Schmidt blickt zufrieden auf Saison 2018 zurück

Historisches Wochenende in Most: Erste Pole und erster Sieg für Jeffrey Schmidt im GT-Sport. Podium bei den 24h von Spa-Francorchamps für Land-Motorsport.

Motorsport-Magazin.com - Nach seinem Rookiejahr im GT-Sport 2017 ging es für den Schweizer Jeffrey Schmidt in der vergangenen Saison in die Vollen. Im ADAC GT Masters wechselte der 24-Jährige zu BWT Mücke Motorsport. Für die 24 Stunden von Spa-Francorchamps kehrte er kurzzeitig zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Montaplast by Land-Motorsport zurück.

Sowohl im pinken als auch im grün-weißen Audi R8 LMS wusste Schmidt zu überzeugen. Ein erstes Highlight erlebte Schmidt früh in der Saison. Beim zweiten Rennwochenende des ADAC GT Masters in Most trumpfte der Liestaler auf. Er holte die Pole Position für das Samstagsrennen und fuhr im ersten Stint einen komfortablen Vorsprung für seinen Teamkollegen Stefan Mücke heraus. Der Lohn: Der erste GT3-Sieg seiner Karriere und die schnellste Runde im Rennen. Eine historische Pole und ein historischer Sieg für den Schweizer beim ersten Rennen des ADAC GT Masters auf der tschechischen Strecke.

Nach dieser überzeugenden Leistung bot sein ehemaliges Team Montaplast by Land-Motorsport Schmidt ein Cockpit bei den prestigeträchtigen 24 Stunden von Spa neben den beiden van der Linde-Brüdern Kelvin und Sheldon an. Bereits im Qualifying überzeugte das Trio und sicherte sich Startplatz fünf. Im Rennen lagen Schmidt und seine Teamkollegen auf Siegkurs. Timing-Pech beim Service-Boxenstopp brachte das Team um den verdienten Sieg. Dennoch schafften es Schmidt und die van der Lindes mit einer starken Aufholjagd aufs Podium.

Jeffrey, historische Pole und historischer Sieg in Most sowie Platz drei bei den 24h von Spa - was war dabei dein persönliches Highlight?
Jeffrey Schmidt: Das ist schwierig zu beantworten, denn beide Events waren für mich etwas Besonderes. Rein fahrerisch würde ich Most als Highlight bezeichnen. Mein Anteil am Sieg war durch die Pole Position und die vier Sekunden Vorsprung, die ich in meinem Stint auf Platz zwei herausgefahren habe, enorm. In Spa-Francorchamps waren wir zu dritt unterwegs und ich hatte etwas weniger Streckenzeit als Sheldon und Kelvin. Der Sieg in Most ist natürlich ganz großartig, aber das größere Rennen waren die 24h von Spa. Daher fällt es unentschieden aus zwischen den beiden.

Der Triumph in Most war in mehrfacher Hinsicht speziell...
Jeffrey Schmidt: Ich muss immer noch ein wenig schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke. Meine allererste Pole Position im GT-Sport war zugleich die erste Pole für Mücke im ADAC GT Masters. Die Vorzeichen waren allerdings nicht gerade rosig. Wir hatten am Freitag kaum Streckenzeit wegen eines technischen Problems. Daher hieß es für mich im Qualifying: Kopf runter und Gas geben. Die Pole in einem dermaßen hochkarätig besetzten Feld einzufahren, war natürlich genial.

Vier Sekunden Vorsprung auf Platz zwei herauszufahren, ist im GT-Sport selten. Wie lief dein Stint?
Jeffrey Schmidt: Es war nicht einfach. Die Start/Zielgerade in Most ist ziemlich lang. Direkt am Start setzte sich die Corvette neben mich und hinter mir drängte ein BMW. Da musste ich hellwach sein, nicht von den beiden PS-Monstern aufgeschnappt zu werden. Ich habe es aber ganz gut hinbekommen und die Führung behauptet. Most zählt zu den Strecken alten Schlags. Das heißt, dass die Kiesbetten und das Gras sehr nah an der Strecke sind. Kommt man einmal leicht vom Asphalt ab, ist es auch schnell wieder vorbei. Aber ich konnte hier mit einer meiner Stärken punkten, fehlerfrei auf einem Top-Niveau zu fahren. Entsprechend setzte ich mich ab und fuhr einen komfortablen Vorsprung für Stefan heraus, der den Sieg sicher über die Ziellinie brachte.

Das war dein erstes Jahr für BWT Mücke Motorsport. Wie hast du dich dort eingelebt?
Jeffrey Schmidt: Wunderbar. Die Stimmung im Team war einfach super. Mit Markus Winkelhock und Christopher Haase hatte ich zwei Fahrer im Team, mit denen ich bestens klarkomme. Zu meinen beiden Ingenieuren hatte ich ebenfalls ein super Verhältnis. Einer davon ist quasi mein Nachbar und wohnt nur knapp zehn Minuten von mir entfernt. Mit unserem Schweizer-Deutsch haben wir die anderen Leute aus der Crew hin und wieder etwas geärgert. Es hat vom ersten bis zum letzten Tag einfach Spaß gemacht. Mücke Motorsport ist ein hervorragendes, professionelles und familiäres Team.

Wie bist du damit klargekommen, mit Stefan Mücke und Jamie Green wechselnde Teamkollegen zu haben?
Jeffrey Schmidt: Es war sehr spannend. Beide sind coole Typen, bodenständig und arbeiten sehr professionell. Ich war auch in einer interessanten Situation, denn ich war ein wenig der Experte im ADAC GT Masters und derjenige, der Fragen gestellt bekommen hat. Allerdings war es etwas schwierig, denn Jamie und Stefan brauchten immer ein paar Runden, um sich wieder auf das Auto einzuschießen. Und dann ist die erste Trainingssession auch schnell vorbei. Hier konnte die Konkurrenz die Zeit nutzen, verschiedene Dinge auszuprobieren.

Nach dem Sieg in Most hast du von Wolfgang Land das Angebot bekommen, bei den 24h von Spa anzutreten. Da hast du bestimmt nicht zweimal überlegt...
Jeffrey Schmidt: Definitiv nicht. Land-Motorsport ist ein absolutes Topteam und ich kenne die Jungs ja noch vom letzten Jahr. Zudem komme ich mit Sheldon und Kelvin bestens klar. Sie sind gute Freunde und im Auto pfeilschnell. Für den freien Platz neben den beiden van der Lindes standen mehrere Kandidaten zur Auswahl. Dass sich Land für mich entschieden hat, war einfach klasse. Die ganze Veranstaltung ist einfach riesig. Die Stimmung und die Atmosphäre über die ganze Woche sind unglaublich. Die Fahrerparade in der Stadt war der Wahnsinn. Wir waren einer der vier Werks-Audis vor Ort. Daher hatten wir sehr viele Termine. Es war ein genialer Event mit 65 Autos, alle in einer Klasse. Man ist konstant am kämpfen, hat das Messer ständig zwischen den Zähnen. Volle Attacke von der ersten bis zur letzten Runde - und trotzdem keinen Schaden nehmen.

Im Rennen sah es lange nach einem Rennsieg aus. Am Ende seid ihr Dritte geworden. Woran lag es?
Jeffrey Schmidt: Der Audi war superschnell und wir Drei waren absolut tadellos unterwegs. Wir hatten gute Chancen auf den Sieg, bis uns kurz nach Rennhälfte eine Safety-Car-Phase einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Der obligatorische fünfminütige Service-Boxenstopp muss zwischen der elften und 13. Stunde absolviert werden und darf nur im normalen Rennbetrieb unter Grün erfolgen. Als die Gelbphase angezählt wurde, waren einige Konkurrenten kurz vor der letzten Schikane und schafften es noch unter Grün an die Box. Dadurch haben sie ungemein viel Zeit gewonnen. Wir kamen später zum Service an die Box. Einer der beiden BMWs, die am Ende vor uns gelandet sind, lag vor der Aktion eine Runde hinter uns. Nach den Service-Boxenstopps waren wir plötzlich zwei Runden dahinter. Das war sehr ärgerlich, weil wir uns selbst nichts zu Schulden kommen haben lassen. Wir haben dann noch ein Feuerwerk losgelassen und haben uns tatsächlich zurückgerundet und lagen bei Rennende nur noch knapp eine halbe Minute hinter den beiden BMWs. Klar hätten wir lieber gewonnen, aber unter den Umständen war das ein absolut fantastisches Ergebnis.

Das sah das Team auch so. Ihr seid dann noch ein Rennen im Rahmen der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring gemeinsam gefahren...
Jeffrey Schmidt: Ja, da war ich gemeinsam mit Sheldon am Start. Wolfgang Land hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich dazu Lust hätte. Auch hier habe ich sofort zugesagt, zumal wir einen Reifentest für Michelin für 2019 absolviert haben, was eine sehr coole Geschichte war. Das Wetter und das Auto waren perfekt. Kurz nach Rennhälfte hatten wir Pech. Wir waren auf der In-Lap, als wir einen Reifenschaden erlitten. Der Reifen war so zerfetzt, dass wir das Auto abstellen mussten. Das war bitter, denn der Reifen hätte nur noch sechs bis sieben Kilometer durchhalten müssen. Auch hier waren wir top unterwegs und hätten ein fantastisches Ergebnis einfahren können.

Wie sieht denn deine Planung für 2019 aus?
Jeffrey Schmidt: Das Ziel ist es, wieder im ADAC GT Masters unterwegs zu sein, diesmal aber die ganze Saison mit dem gleichen Teamkollegen. Ich hoffe, dass es klappt. Derzeit stehe ich in aussichtsreichen Gesprächen und versuche, neue Sponsoren für 2019 zu gewinnen. Interessenten können sich jederzeit bei mir melden. Fest steht bislang noch nichts, allerdings bin ich guter Dinge, auch 2019 ähnlich stark aufgestellt zu sein wie in der vergangenen Saison. Das wird ein tolles Jahr!


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