Porsches angekündigter Ausstieg aus der Langstrecken-WM Ende 2025 hat weitreichende Folgen, unter anderem für die Werksfahrer der Zuffenhausener. Klar ist: Porsche bleibt mit zwei 963 zwar in der IMSA-Meisterschaft vertreten, wird sein Fahreraufgebot für die Prototypen aber verringern. Waren bisher acht Piloten abgestellt, um sich voll auf die WEC- und IMSA-Einsätze zu konzentrieren, werden 2026 nur noch vier IMSA-Stammfahrer und zwei Ergänzungsfahrer für die fünf langen Rennen benötigt.

Die Namen der aktuellen Porsche-Piloten lesen sich wie das Who is Who der Langstrecke: In der WEC steuern die amtierenden Weltmeister Kevin Estre und Laurens Vanthoor ein Auto, während sich Michael Christensen und Julien Andlauer meist im Schwesterfahrzeug abwechselten. In der IMSA-Serie haben Mathieu Jaminet und Matt Campbell jüngst die Meisterschaft gewonnen, während im Schwesterauto Felipe Nasr 2024 den Titel holte und dieses Jahr mit Nick 'Mister 24 Stunden' Tandy zusammenspannte.

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Wer fährt 2026 Porsche 963? Es gibt erste Anzeichen

Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach steht vor einer schwierigen Wahl beim nächstjährigen Prototypen-Lineup und hält sich bislang bedeckt. Der künftige Fahrerkader dürfte bei der traditionellen Night of Champions in Weissach am 29. November bekanntgegeben werden. Ein erstes Anzeichen gibt es schon: Der eigentliche Stammfahrer Michael Christensen war schon zuletzt in Fuji nicht mehr auf dem #5 Porsche genannt und fehlt auch in Bahrain. An die Seite von Stammfahrer Andlauer und Jaminet (ersetzte Christensen schon in Fuji) gesellt sich 963-Debütant Laurin Heinrich.

Porsche-Weltmeister Laurens Vanthoor kann sich jedenfalls gute Hoffnungen machen, auch 2026 einen 963 zu fahren und nach dem WEC-Aus in die IMSA zu wechseln. Der Belgier kennt alle US-Kurse aus der Vergangenheit und blickt auch dieses Jahr auf eine beeindruckende US-Bilanz zurück: Vanthoor gewann bei seinen Gasteinsätzen die 24 Stunden von Daytona, das 12h-Rennen in Sebring und belegte beim Finale in Road Atlanta den dritten Platz - als spontaner Doppelstarter, nachdem Andlauer wegen Rückenproblemen sehr kurzfristig absagen musste.

Laurens Vanthoor: "Möchte auf jeden Fall weiter Prototyp fahren"

Obendrein gelang Vanthoor ein GTD-Klassensieg mit dem AO-Racing-Porsche 911 GT3 R in Long Beach - eine bessere Empfehlung für den IMSA-Wechsel bzw. die Rückkehr hätte er kaum hinterlassen können. "Ich möchte auf jeden Fall weiter Porsche-Prototypen fahren", sagte Vanthoor zu Motorsport-Magazin.com. "Wenn ich diese Kategorie jetzt verlassen würde, wäre es schwierig, noch einmal zurückzukehren. Zu irgendeinem Zeitpunkt meiner Karriere möchte ich schon noch GT-Autos fahren, weil mir das auch Spaß macht. Aber aktuell sehe ich meine Zukunft im Prototypen."

Vanthoor verfügt nach unseren Informationen über einen laufenden Vertrag bei Porsche und sieht sich in naher Zukunft auch bei keinem anderen Hersteller. Der 34-Jährige steckt allerdings in einem kleinen Dilemma, man könnte es auch als Luxusproblem bezeichnen: Vanthoor will seiner Vita unbedingt einen Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans hinzufügen - und das dürfte mit Porsche in den kommenden Jahren kaum möglich sein.

Vanthoors Motorsport-Karriere: Nur der Le-Mans-Gesamtsieg fehlt

Ein Gesamtsieg in Le Mans fehlt Vanthoor noch in seiner beeindruckenden Trophäensammlung, nachdem er 2018 'nur' die GTE-Pro-Klasse mit Manthey-Porsche beim 24-Stunden-Klassiker gewann. Weitere Erfolge: Gesamtsiege bei den 24-Stunden-Rennen in Daytona (2025), auf dem Nürburgring (2015), in Spa-Francorchamps (2014, 2020) und Dubai (2016), dazu ein Sieg bei den 12h Bathurst (2024), beim GT-Weltcup in Macau (2016) sowie mehrere GT-Meisterschaften in der WEC und IMSA.

Wer Vanthoors sportlichen Ehrgeiz kennt, der weiß, dass ihn das Porsche-Aus in der WEC und damit bei den 24 Stunden von Le Mans ganz besonders schmerzt. "Für mich war es immer ein Traum, für Porsche und Penske zu fahren", sagte er. "Viel besser geht's für einen Rennfahrer nicht. Und das Team hat so viel Zeit und Mühe in das Projekt gesteckt. Wir haben uns nach dem ersten Jahr stark verbessert, zählten zu den besten Teams und sind Weltmeister geworden. Schade, dass das effektiv eingestampft wird. Es tut schon weh, mit der WEC und Le Mans aufhören zu müssen."

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#6 Porsche-Crew in der WEC: Matt Campbell, Laurens Vanthoor und Kevin Estre, Foto: IMAGO/Andreas Beil

Beim bevorstehenden Saisonfinale in Bahrain haben Vanthoor und Teamkollege Estre noch kleine Chancen, sich mit dem WM-Titel gebührend nach drei Jahren aus der WEC zu verabschieden. Das Porsche-Duo belegt in der Fahrer-Wertung den dritten Platz mit 94 Punkten. Die #51 Ferrari-Crew (Giovinazzi, Pier Guidi, Calado) führt mit 115 Zählern vor dem AF-Corse-Ferrari-Trio Kubica/Ye/Hanson (102 Punkte). Für den Sieg beim 8-Stunden-Rennen gibt es 38 WM-Zähler.