Porsches WEC-Ausstieg Ende 2025 ist auch am Rande des IMSA-Saisonfinales in Road Atlanta das große Thema im Fahrerlager. Bevor die Zuffenhausener am Samstag beim 10-Stunden-Rennen (ab 18:10 Uhr MEZ im Livestream auf YouTube) das Projekt Titelverteidigung in Angriff nehmen, äußerte sich Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach gegenüber Medienvertretern, darunter Motorsport-Magazin.com, zum Vorstandsentscheid.

Porsche-Beben! Ausstieg aus WEC & Le Mans: Was sind die Gründe? (08:31 Min.)

Thomas Laudenbachs Antwort auf die Frage...

...warum Porsche aus der WEC aussteigt, aber in der IMSA bleibt: "Es gibt immer verschiedene Faktoren, die bei einer solchen Entscheidung eine Rolle spielen. Der amerikanische Markt ist für uns von großer Bedeutung. Das war sicherlich einer der entscheidenden Punkte. Wenn man sich unsere Halbjahreszahlen ansieht, haben wir eine Neuausrichtung des Unternehmens und unserer Strategie angekündigt. Motorsport gehört zu unserem Unternehmen und muss daher einen Beitrag leisten. Natürlich spielen dabei finanzielle Überlegungen eine Rolle, aber auch sportliche Aspekte."

...welche sportlichen Aspekte genau gemeint sind: "Als wir 2023 begonnen haben, war die ursprüngliche Idee, ein Auto zu bauen, um damit in unterschiedlichen Serien zu fahren - mit einem realisierbaren Budget und gleichen Chancen. Das hat nicht überall gleich funktioniert, und das hatte einen Einfluss auf unsere Entscheidung."

...ob US-Unternehmer Roger Penske, dessen Team die Werkseinsätze für Porsche in der WEC und IMSA durchführt, einen Einfluss auf die Pro-IMSA-Entscheidung hatte: "Es ist ein Werkseinsatz, aber es ist auch Porsche Penske Motorsport. Wir treffen die Entscheidungen immer zusammen."

...ob die Entscheidung, einen LMDh- anstelle eines LMH-Prototypen zu entwickeln, rückblickend die richtige war: "LMDh war zum damaligen Zeitpunkt die richtige Entscheidung. Wir wollten sowohl in der WEC als auch in der IMSA fahren, und das mit einem realisierbaren Budget."

Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach im Interview
Gefragter Mann in Road Atlanta: Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach, Foto: Porsche AG

...ob eine Rückkehr in die WEC in Zukunft vorstellbar ist: "Endurance-Racing gehört zu unserer DNA, und das wird sich nicht ändern. Wir haben unsere Strategie angepasst, aber nicht grundlegend verändert. Eine Rückkehr in die WEC eines Tages schließe ich nicht aus."

...ob die Relevanz der 24 Stunden von Le Mans bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt hat: "Wenn man die Entscheidung trifft, nicht in der WEC zu starten, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, nicht in Le Mans zu fahren. Le Mans ist wichtig. Aber wir haben unsere Entscheidung getroffen."

...ob der WEC-Werksausstieg Auswirkungen auf künftige Kunden-Einsätze wie den von Proton Competition hat: "Die Entscheidung, 2026 nicht mit unserem Werksteam in der WEC teilzunehmen, hat keinerlei Auswirkungen auf unser Kundenprogramm. Unser Kundenprogramm wird durch diese Entscheidung nicht beeinflusst."

...ob auch ein werksseitiger Ausstieg aus der Formel E zur Debatte stand, zu der sich Porsche bis 2030 bekannt hat: "Wenn man solche Entscheidungen trifft, ist das nie einfach, vor allem, weil der Langstreckensport wichtig ist. Der Ausgang ist bekannt. Jetzt führen wir das fort, was entschieden worden ist. Wir haben eine Anpassung vorgenommen, aber nicht unsere Strategie verändert (Verbrenner, Hybrid und Elektro im Motorsport; d. Red.). Motorsport muss relevant sein für die Serie."

...ob der Porsche 963 auch künftig mit technischen Updates durch Joker weiterentwickelt wird: "Wenn Porsche in einer Serie mit einem Werksteam teilnimmt, werden wir alles tun, um wettbewerbsfähig zu sein. Da wir in der IMSA bleiben, werden wir alles tun, um sicherzustellen, dass unser 963 weiterhin konkurrenzfähig bleibt."

Porsche beim IMSA-Rennen in Road Atlanta
Porsche 963 beim IMSA-Finale in Road Atlanta, Foto: Porsche AG

...wie es mit den LMDh-Werksfahrern weitergeht (Anmerkung: Der künftige IMSA-Kader soll bei der Night of Champions am 29. November präsentiert werden): "Es ist noch zu früh, um zu sagen, was mit unseren Fahrern passieren wird. Wir befinden uns in Gesprächen mit ihnen und schauen uns ihre jeweilige Situation an. In den nächsten Wochen werden wir das Thema weiter klären."

...ob das Porsche-Kundenteam Manthey 2026 weiter in der LMGT3-Klasse der WEC vertreten sein wird (Manthey plant nach unseren Infos mit einem WEC-Verbleib und steigt zusätzlich in die IMSA ein): "Ich hoffe, dass unsere Kunden, in diesem Fall Manthey, nächstes Jahr teilnehmen werden. Aber letztlich liegt es an der FIA und dem ACO, das zu genehmigen."