Wirkt sich Porsches Automobilkrise auf das Engagement der Zuffenhausener im Motorsport aus? Es gilt im Allgemeinen: Stimmen die Konzernzahlen nicht, steht der Rennsport stets ganz weit oben auf der Streichliste. Zu Beginn dieser Woche erfuhr Motorsport-Magazin.com aus FIA-Kreisen, dass ein Hersteller am Saisonende 2025 aus der WEC aussteigen könnte. Namen wurden nicht genannt. Man muss aber nicht allzu fantasievoll sein, um auf Porsche zu tippen.

Passend dazu: Auto, Motor und Sport spekulierte in dieser Woche, dass der Sportwagenbauer eines seiner Langstrecken-Werksprogramme - eher WEC als IMSA - einstampfen könnte. Seitdem erhärten sich Gerüchte über ein Exit-Szenario in nationalen und internationalen Medien. "Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Spekulationen", teilte Porsche nur auf Anfrage mit.

Kontroverse um Porsche-Sieg, Schumacher viermal überrundet (12:48 Min.)

Ausstiegs-Gerüchte um Porsche sind nicht neu

Neu sind derartige Vermutungen nicht: Motorsport-Magazin.com berichtete bereits Anfang August von Fahrerlager-Spekulationen, dass Porsche angeblich eines oder mehrere seiner Engagements komplett einstampfen könnte. Oder, dass Teampartner Penske Motorsport die Kontrolle über die Einsätze in der WEC und/oder IMSA übernehmen könnte und sich Porsche durch die Hintertür verabschiedet.

Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach tat das damals im Interview als "komplettes Gerücht" ab. Es gebe keinen Beschluss, irgendetwas nicht mehr zu machen. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Zeiten bei Porsche rissen die Spekulationen allerdings nicht ab. Und ein klares Commitment zur Motorsport-Zukunft steht faktisch aus.

"Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie es im nächsten Jahr weitergeht, wir haben ja keine Eile", sagte Laudenbach zuletzt beim WEC-Rennen in Austin, wo die amtierenden Fahrer-Weltmeister von Porsche ihren ersten Saisonsieg feierten, gegenüber Auto, Motor & Sport. In den nächsten Wochen könne eine Entscheidung fallen, hieß es zudem.

Porsche-Motorsportschef Thomas Laudenbach in der WEC
Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach, Foto: IMAGO/HochZwei

Weiter kein klares Bekenntnis von Porsche

Ein definitiver Entschluss soll intern noch nicht gefallen sein, hören wir aus dem Porsche-Lager. Ebenso vernehmen wir aus VW-Kreisen, dass sich Porsches Motorsportabteilung sogar schon seit einem halben Jahr mit einem möglichen Ausstiegsszenario beschäftigen soll. Wie Hersteller das eben so tun in wirtschaftlichen Krisen-Zeiten, auch zum Wohle der eigenen Mitarbeiter.

Hängt die motorsportliche Hängepartie auch mit der CEO-Frage zusammen? Seit geraumer Zeit gibt es Kritik an der Doppelrolle von Oliver Blume, noch Porsche- und VW-Vorstandsvorsitzender in Personalunion. Geht es nach unterschiedlichen Wirtschaftsmagazinen, solle sich Blume künftig voll auf den Volkswagen-Konzern konzentrieren und einen Nachfolger für Zuffenhausen suchen. Ein neuer Porsche-CEO könnte dann das letzte Wort beim Thema Motorsport, das bekanntermaßen fest in der DNA der Marke verankert ist, haben.

Porsche beim WEC-Rennen in Austin
Porsche gewann das letzte WEC-Rennen in Austin, Foto: Porsche AG

Porsche-CEO Blume: "Die Party ist in dieser Form vorbei"

Blume machte jüngst angesichts der letzten besorgniserregenden Konzernzahlen - 91 Prozent Gewinn-Minus, 12,9 Prozent weniger Umsatz und der bevorstehende Rauswurf aus dem Dax am 22. September - keinen Hehl aus der Tatsache, dass die fetten Jahre in der Automobilbranche erst einmal vorbei sind. Konkurrenz auf dem wichtigsten Markt in China und Zoll-Wirrwarr auf dem zweitwichtigsten Markt in den USA lassen grüßen.

"Die Party, die wir in der Automobilindustrie über Jahrzehnte gefeiert haben, die ist in dieser Form vorbei", sagte Blume am Rande der IAA Mobility in München.

Oliver Blume: Porsche-CEO bei 24h Le Mans 2025
Dr. Wolfgang Porsche, Oliver Blume und Hollywood-Star Orlando Bloom in Le Mans 2025, Foto: IMAGO/Andreas Beil

Porsche auf der Jagd nach dem 20. Sieg in Le Mans

Porsche engagiert sich seit der Saison 2023 werksseitig sowohl in der WEC mit den 24 Stunden von Le Mans als Highlight wie auch in der US-amerikanischen Sportwagenmeisterschaft IMSA - und das mit großem Erfolg: WEC-Fahrer-Weltmeister 2024, Gewinn sämtlicher Titel in der IMSA 2024 und dazu zwei aufeinanderfolgende Prestige-Siege bei den 24 Stunden von Daytona (Nummer 19 und 20). Dieses Jahr könnte der nächste Titel-Regen in der IMSA-Serie folgen.

Eines aber fehlt, und das ist ausgerechnet das Wertvollste aus Sicht von Porsche und dem Teampartner Roger Penske: der 20. Gesamtsieg bei der Mutter aller Langstreckenrennen, den 24 Stunden von Le Mans. Seit drei Jahren jagen Porsche und Penske vergeblich dem Triumph beim berühmtesten Autorennen der Welt hinterher. Dieses Jahr saß der Stachel besonders tief, weil Porsche trotz einer perfekten Vorstellung der italienischen Konkurrenz von Ferrari erneut unterlegen war.

Warum könnte IMSA attraktiver als WEC sein?

Die Balance of Performance - die laut Reglement in der WEC nicht öffentlich kritisiert werden darf - ist und bleibt das große Thema in der Langstrecken-WM. Kein Geheimnis: Porsche fühlt sich in diesem Jahr stark benachteiligt. Motorsportchef Laudenbach sprach in diesem Zusammenhang gerne von "Rahmenbedingungen" und fügte vielsagend an: "Wir haben das Auto nicht langsamer gemacht."

Laudenbach brachte nicht ohne Grund öffentlich eine Vereinheitlichung der LMDh (u.a. Porsche, BMW, Alpine) und LMH-Hypercars (Ferrari, Toyota, Peugeot, Aston Martin) ins Spiel, um konzeptionelle Nachteile der in Teilen einheitlichen LMDh-Fahrzeuge auszugleichen. Ebenso sympathisierte er mit der Einführung eines Budget Cap, also einer Kostenobergrenze. So wie in der Formel E, zu der sich Porsche überraschend lange bis zum Jahr 2030 bekannt hat und damit eine Dynastie anstrebt. Alles Themen, die die WEC-Welt derzeit beschäftigen - für die es aber keine baldige Lösung geben dürfte.

In der mehr auf Spektakel ausgelegten, national ausgetragenen IMSA-Serie spielt die BoP eine vergleichsweise untergeordnete Rolle, wenngleich Porsche nach vier aufeinanderfolgenden Siegen zum Auftakt zuletzt Federn lassen musste. In den USA fahren mit Ausnahme von Neueinsteiger Aston Martin aber nur LMDh-Prototypen, was die Angleichung der gesamtsiegfähigen Klasse deutlich einfacher gestaltet.

24h Le Mans, #5Porsche, Andlauer, Christensen, Jaminet
Der Porsche 963 bei den 24 Stunden von Le Mans, Foto: IMAGO/PsnewZ

Porsche-Gerüchte alarmieren Motorsport-Welt

Grund genug für die Zuffenhausener, im Zweifel die IMSA der WEC vorzuziehen? Oder könnte gegebenenfalls auch der mächtige wie finanzstarke US-Partner Penske Motorsport eine zentrale Rolle spielen? Oder ist die Tatsache, dass ein Titelgewinn in der IMSA eine automatische Einladung nach Le Mans garantiert, ausschlaggebend?

Es sind viele Szenarien denkbar, und es darf fleißig weiterspekuliert werden, bis Porsche endlich Fakten schafft. Die Zeit drängt, um für Planungssicherheit zu sorgen. Fest steht aktuell nur: Dass sich derartige Ausstiegs-Gerüchte um eine traditions- und prestigereiche Marke wie Porsche überhaupt breittreten, muss in der Motorsport-Welt sämtliche Alarmglocken schrillen lassen.