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Heidfeld-Fahrzeug 14 Minuten vor Schluss mit Defekt - Rebellion: Klassensieg mit Wermutstropfen

Rebellion Racing holte wieder einen souveränen Doppelsieg in der Subkategorie LMP1-L, allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Die Nummer 12 hatte Riesenpech.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - Etwas anderes als der Sieg in der Wertung für private LMP1-Rennställe wäre ein Wunder gewesen, doch Rebellion Racing feierte den dritten Doppelsieg in Folge unter verrückten Umständen: Nicolas Prost, Nick Heidfeld und Mathias Beche lagen souverän auf Siegkurs und hatten auch das Schwesterfahrzeug bereits deutlich distanziert, doch 14 Minuten vor dem Ende ereilte den R-One mit der Startnummer 12 ein Defekt am Keilriemen, der das Team zum Boxenstopp zwang. Somit gewannen Dominik Kraihamer, Andrea Belicchi und Fabio Leimer zum zweiten Mal in der LMP1-L. Die Rebellion R-One kamen auf die Gesamtränge sechs und sieben.

Ich glaube, das war unser bislang bestes Rennen mit dem R-One.
Mathias Beche

Während der ersten Stunden lieferten sich die beiden Boliden einen engen Kampf um die Führung, während der einzige Konkurrent, der Lotus CLM P1/01, bereits frühzeitig aufgeben musste. Als Nick Heidfeld in das Fahrzeug mit der Startnummer 12 stieg, sorgte er für die Vorentscheidung: Bei abkühlender Strecke holte er das Maximum aus dem für diese Bedingungen optimierten Setup und fuhr eine große Lücke heraus. Mathias Beche hätte das Auto nur noch ins Ziel tragen müssen, doch der tragische Defekt führte zu einem zwölfminütigen Boxenstopp, wodurch die Nummer 13 den Pokal abräumte. Die Crew stellte auch die 12 wieder auf die Beine, so dass beide Fahrzeuge die Zielflagge sahen.

"Nachdem wir bereits die Wertung für private LMP1-Teams gewonnen haben, hat uns dieses Resultat nun auch den zweiten Platz eingebracht", freute sich Teammanager Bart Hayden. Kraihamer, Belicchi und Leimer können nun nicht mehr von Lotus abgefangen werden. Das Wichtigste war für Hayden jedoch, dass der Abstand über das Wochenende zu den Hybrid-Boliden der Werksteams signifikant reduziert worden sei.

Die Crew der Startnummer 12 lernte eine der bittersten Seiten des Motorsports kennen - Foto: Adrenal Media

Leichte Konfusion auf beiden Seiten

Bei der Crew der Nummer 12 war die Gefühlslage gespalten: Einerseits hatten sie ein erstklassiges Rennen absolviert, andererseits kam das große Pech kurz vor Schluss. "Das tut mir so leid für das Team", so Mathias Beche, der zum Zeitpunkt des Defekts an Steuer saß. Trotz des Pechs wollte er das Positive mitnehmen: "Ich glaube, das war unser bislang bestes Rennen mit dem R-One. Wir haben große Verbesserungen erzielt, was sehr schön ist." Nicolas Prost stieß ins selbe Horn: "Wir sind natürlich enttäuscht, dass uns kurz vor Schluss der Sieg so durch die Finger rinnt. Aber ich glaube, das war eines der besten Rennen, die wir jemals bei Rebellion hatten. Unsere Pace war sehr vielversprechend."

Am Ende waren wir die Glücklichen, was ziemlich cool ist!
Dominik Kraihamer

Nick Heidfeld lobte ebenfalls den starken Auftritt des Teams: "Es ist nicht schön, nach so einem starken Wochenende das Rennen nicht zu gewinnen. Team, Fahrer und Ingenieure haben wieder sehr gut zusammengearbeitet. Wir haben eine Runde auf das Schwesterfahrzeug herausgefahren, was die wahrscheinlich nicht gerne hören werden" flachste er. Jene Crew suchte gar nicht erst nach Ausreden: "Wir können nicht hundertprozentig glücklich sein, weil klar ist, dass wir langsamer als die Nummer 12 waren, und das mit einem ganz schönen Abstand", sagte Andrea Belicchi. "Wir müssen uns jetzt die Daten anschauen und verstehen, warum das so war."

Der noch amtierende GP2-Champion Fabio Leimer sah es ein wenig als ausgleichende Gerechtigkeit: "Wir hatten unsere Probleme mit dem Auto; es war über die gesamten sechs Stunden schwer zu fahren. Am Ende sind wir Erste geworden, obwohl wir das gar nicht erwartet haben, weil wir bereits eine Runde Rückstand auf das Schwesterfahrzeug hatten, bevor sie ihr Problem hatten. Aber das ist Racing: In den ersten vier Rennen hatten wir ziemlich viel Pech, aber heute war das Glück auf unserer Seite." Ähnlich sah es Dominik Kraihamer: "Es tut mir leid für die Nummer 12, die den Sieg verdient hätten. Aber am Ende waren wir die Glücklichen, was ziemlich cool ist! Denn bis jetzt hatten wir immer Pech gehabt in dieser Saison."


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