Marc Marquez ist mit allen Wassern gewaschen, das muss die Konkurrenz immer wieder erfahren. Für Pedro Acosta ging das Duell mit dem Superstar in Indonesien aber gut aus. Dennoch schimpfte der KTM-Pilot nach absurden Spielchen aufgrund von Reifendruck: "Wir sehen aus wie Esel." Doch vielleicht beruhte das nicht auf Gegenseitigkeit. Unser Experte vermutet bei Marc Marquez vielmehr eine List als Reifendruckprobleme.
Tom Lüthi glaubt Marc Marquez: Kein Reifendruckproblem, sondern List
Marquez hatte nach dem Rennen behauptet, sein Reifendruck wäre in Ordnung gewesen. Er habe Acosta absichtlich wieder vorbeigelassen, da er sich nicht in unnötige Zweikämpfe verstricken wollte. Für Tom Lüthi ist das aber nur die halbe Wahrheit. "Ich glaube ihm, dass er zu diesem Zeitpunkt keine Probleme mit dem Reifendruck hatte. Ich denke, er hat im Kopf gehabt, Acosta nicht zu helfen. Ihm den Windschatten nicht zu geben und damit zu versuchen, dass Acosta bestraft wird, als er dann wieder das Spielchen angefangen hat", gab der Schweizer im neuen Interwetten MotoGP-Magazin seine Theorie zum kuriosen Schauspiel beim Indonesien GP an. Die ganze Folge könnte ihr hier sehen:
Acosta hatte Marquez bereits überholt, ließ ihn dann aber wieder vorbei, um in der Abwärme von dessen Ducati den Reifendruck nach oben zu treiben. Offenbar hatte der 'Hai' beim Blick auf sein Dashboard festgestellt, dass ihm eine Strafe für Unterschreitung drohte. Diese Gelegenheit wollte der Weltmeister laut Lüthi nutzen: "Als er gesehen hat, dass Acosta an ihm vorbeiging, war Marc klar, dass er da nicht hinterherkommt. Er musste ihn ziehen lassen. Dann hat sich aber Acosta umgedreht und ihn wieder vorbeigelassen. Und da hat es dann kurz 'Klick' gemacht im Kopf bei Marc Marquez. Er dachte sich: Dir gebe ich jetzt nicht meinen Windschatten, sondern lasse dich jetzt wieder vorbeifahren und du bekommst ein Problem mit deinem Reifendruck. Dann wirst du bestraft und ich kann diese Position wieder erben."
Reifendruckregel der MotoGP als Waffe: Sollte Pedro Acosta ins Verderben getrieben werden?
Bei einer Unterschreitung gibt es laut Reglement 16 Sekunden Strafe auf das Rennergebnis gerechnet. Das hätte Acosta niemals kompensieren können. Wollte Marc Marquez seinen künftigen Teamkollegen auf diese Art ins Verderben schicken? Tom Lüthi gibt zu, dass es wohl nie einen endgültigen Beweis für diese Vermutung geben wird: "Ich kann das nicht bestätigen und natürlich wird es Marc Marquez selbst auch nicht bestätigen. Er wird sagen: Nein, ich habe mich nur auf mich selbst konzentriert und wollte mich überall raushalten. Er wird das nicht zugeben. Aber ich kann es mir vorstellen, dass dieser Gedanke da war: Ich habe den Speed nicht, also versuche ich auf andere Art und Weise eine Position zu gewinnen."
Wenn Marquez wirklich eine Falle stellen wollte, so schnappte sie aber nicht zu. Am Ende wurde der Weltmeister hinter Acosta Sechster und es gab keine Reifendruckstrafe für den KTM-Piloten. Außerdem wurde mit Ai Ogura einem Verfolger geholfen, denn der Japaner überholte beide noch in der Schlussphase. Hat sich Marquez da also verpokert? "Marc wusste, er kann ein bisschen Zeit für diese Spielchen mit Acosta investieren, denn nach vorne [zu den drei führenden Aprilias, Anm. d. Red.] wäre er ohnehin nicht mehr rangekommen. Aber zu lange ging das natürlich auch nicht, weil dann die Verfolger Druck gemacht hätten", weiß auch Lüthi.
Marquez-Spielchen scheitern: Kein Einfluss auf das Ergebnis des Indonesien GP

Doch einen echten Einfluss auf das Endergebnis sieht unser Experte auch hier nicht. Der Trackhouse-Aprilia-Pilot sei nicht aufzuhalten gewesen: "Gegen Ogura war es dann ohnehin eine klare Sache, denn der hatte gegen Ende des Rennens wieder einmal guten Speed und machte einen Mega-Job. Da wusste Marc auch, dass er da nicht mitkommt." Letztlich zeigt diese Episode also auch, dass selbst der Meister der Spielchen nicht immer Erfolg haben muss, denn mit oder ohne Vorbeilassen von Acosta wäre Marc Marquez an diesem Rennsonntag Sechster geworden.
Dennoch kann Marc Marquez wohl als Gewinner von Indonesien gelten, was aber vor allem an den Ereignissen des Samstags lag. In der Gesamtbetrachtung des Wochenendes erscheint eine verpasste Chance für Titelrivale Jorge Martin:



diese MotoGP Nachricht