Dieser Kommentar brennt mir eigentlich schon seit Monaten - wenn nicht Jahren - unter den Fingernägeln. Fast jeder Grand Prix bietet Anlass, aber nun muss es einfach einmal raus. Bei einem der 22 MotoGP-Stammfahrer hat es sich mittlerweile fast eingebürgert, nach einem Ausfall mit den Schultern zu zucken und es als Normalität wahrzunehmen. "Joan Mir stürzt aus dem Rennen", gehört gefühlt zum Standard-Repertoire meiner Ticker-Einträge während eines Sprints oder Grand Prix hier auf Motorsport-Magazin.com . Man könnte es als absurd oder tragisch bezeichnen. Ich empfinde es aber vor allem als eine Frechheit gegenüber seinem Arbeitgeber Honda und seinem Team.

Nächster MotoGP-Sturz in Silverstone: Joan Mirs Ausfallquote bei 54 Prozent!

In Silverstone hat Mir seiner schier endlosen Enzyklopädie der Stürze den nächsten Eintrag hinzugefügt. Wieder einmal sogar gleich in der ersten Runde. Sechs Kurven weit kam der Ex-Weltmeister, ehe er gemeinsam mit Alex Rins seinen Stammplatz im Kiesbett aufsuchte. Er sprach von "Pech" im Getümmel der Startphase. Aber warum passiert dies fast immer ihm? Aufgrund der Saga um seine Person wird 'Top Gun' das MotoGP-Kino wohl bald verlassen, doch die deutsche Variante von 'Quax, der Bruchpilot' läuft dort dank Mir weiterhin in Dauerschleife.

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Die Zahlen seit seinem Honda-Wechsel 2023 sind nichts anderes als erschreckend, haben aber mit der laufenden Saison ihren 'Höhepunkt' erreicht. Mir konnte 2026 bisher 4 von 12 Grand Prix beenden. Im Sprint waren es immerhin 7 von 12, aber da muss ja auch nur die Hälfte der Runden unbeschadet überstanden werden. Insgesamt macht das also eine Ausfallquote von 54 Prozent. Das wäre selbst mit einem defektanfälligen Motorrad indiskutabel, aber seine Honda streikte bisher nur ein einziges Mal.

Es ist nicht 'Alles oder Nichts', wenn die Antwort stets gleich lautet

Noch viel schlimmer als die reine Mathematik ist aber Mirs Einstellung zu dieser Misere. "Ich habe gepusht. Und wenn du zu 150 Prozent pushst, dann können diese Dinge passieren. Ich empfinde keinerlei Bedauern", sagte er uns einst nach seinem Sturz im dritten Saisonrennen in Austin. Die weiteren Wochenenden voller Unfälle haben daran auch nichts mehr geändert. Von Einsicht keine Spur. Mir übernimmt keine Verantwortung. Da die Honda nicht mit der Spitze mithalten kann, wird die Brechstange ausgepackt. 'Alles oder Nichts' lautet das Motto des Spaniers.

Joan Mir ist ständig in Unfälle verwickelt, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Joan Mir ist ständig in Unfälle verwickelt, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Nur leider kommt bei diesem Risiko mit überwältigender Mehrheit 'Nichts' heraus. Noch absurder ist das bei einem Fahrer, der 2020 mit der gegenteiligen Herangehensweise seinen größten Erfolg feierte. Nur einen einzigen Sieg holte der damalige Suzuki-Pilot auf dem Weg zum WM-Titel, aber er nahm mit großer Konstanz die Punkte mit. Besonders er sollte also eigentlich wissen, wie lohnend dies sein kann.

Mir wurde dank Konstanz Weltmeister, Foto: MotoGP.com
Mir wurde dank Konstanz Weltmeister, Foto: MotoGP.com

Lächerliche Punkte-Bilanz: MotoGP-Weltmeister weit hinter Marini und Rookie Moreira

Das demonstriert auch sein Teamkollege. 86 Punkte hat Luca Marini mit der mittelmäßigen RC213V bisher gehamstert und dabei jedes Rennen beendet. Das geht also sehr wohl mit diesem Motorrad. Selbst wenn wir bei Mir (29 Punkte) noch die 17 verlorenen Zähler durch die Reifendruckregel in Barcelona draufrechnen, kommen wir beim Spanier nur knapp über die Hälfte dieser Ausbeute.

Mir sollte vor seinen Honda-Kollegen liegen, Foto: Honda HRC Castrol
Mir sollte vor seinen Honda-Kollegen liegen, Foto: Honda HRC Castrol

Bei allem Respekt vor Marinis Zuverlässigkeit: Joan Mir ist der schnellere und talentiertere Pilot. Er müsste vor seinem Stallgefährten in der Meisterschaft stehen, doch liegt er sogar noch deutlich hinter LCR-Rookie Diogo Moreira. Mirs Einstellung ist kein glorreicher Ritt auf der Kanonenkugel, es ist schlicht Arbeitsverweigerung. Honda bezahlt ihn, um Punkte zu holen. Momentan zahlen die Japaner aber vor allem Reparaturkosten.

Schlag ins Gesicht für die Honda-Crew: Kann Gresini Mir aushalten?

Doch die größte Unverschämtheit ist die Sturzorgie meiner Meinung nach gegenüber seiner Crew. Diese bekommt kein siebenstelliges Rennfahrergehalt, aber sie müssen dennoch für 22 Rennen um die gesamte Welt reisen, dabei vor den Wochenenden aufbauen und danach abbauen. Sie haben den härtesten Job im Paddock und reißen sich den Hintern dafür auf, dass Mir jedes Mal auf die Strecke gehen kann. Und was bekommen sie zurück? Fast jedes Wochenende wirft ihr Fahrer das Motorrad in den Kies, und sie dürfen in Extra-Reparaturschichten schrauben. So viele Bier kann Mir seiner Mannschaft gar nicht ausgeben, um gutzumachen, was er ihnen über Jahre zugemutet hat. Dass Honda nicht mit ihm weitermacht, verwundert niemanden.

Die Crew von Joan Mir in der Honda-Bow
Mirs Crew wird regelmäßig enttäuscht, Foto: IMAGO / EPA

Trotzdem hat der Bruchpilot nochmal eine Notlandung auf dem Fahrermarkt hinbekommen. Bei Gresini erhofft sich Mir ab 2027 eine Renaissance. Ob diese gelingt, liegt vor allem an ihm selbst. Vielleicht können ja Nadia Padovani & Co. ihm das alte Rennfahrermotto 'to finish first, first you have to finish' einbläuen. Bei Honda ist das in vier Jahren voller Kiesbettsafaris nicht gelungen. Am Ende wird eine Bilanz des Schreckens mit viel zu wenigen Highlights bleiben.

Was ist eure Meinung? Gehen wir zu hart mit Joan Mir ins Gericht? Sagt es uns in den Kommentaren.