Konkurrenz ohne Chance. Pure Dominanz der Aprilia-Piloten beim Rennen der MotoGP in Silverstone. Das Podium war komplett in der Hand der Motorräder aus dem italienischen Noale. Einzig der sonst so konstante Trackhouse-Pilot Ai Ogura erlaubte sich seinen ersten Fauxpas. Unser MotoGP-Experte Tom Lüthi sieht die Gründe für die Dominanz vor allem im Kurvenverhalten der RS-GP. Während andere Piloten damit zu kämpfen hatten, ihr Motorrad sauber durch diese Abschnitte zu bewegen, konnten die Aprilias voll auf Zug durch die schnellen Kurvenpassagen gleiten. Das verschaffte ihnen einen immensen Vorteil.
Lüthi: Reifenmanagement und Layout kamen den Aprilias sehr entgegen
Silverstone ist bekannt für sein typisch englisches Wetter. Regen, graue Wolken und kühle Temperaturen stehen dort eigentlich auf der Tagesordnung. Nicht so in diesem Jahr. Die Temperaturen betrugen am Sonntag 23 Grad in der Luft und 34 Grad auf dem Asphalt. Ungewöhnlich hoch für britische Verhältnisse. „Die Temperaturen waren sehr speziell“, gestand auch Lüthi in der aktuellen Folge des Interwetten MotoGP-Magazins „Es ist speziell hoch für Silverstone und Aprilia konnte das voll ausnutzen. Sicher, das Layout passt zur Aprilia und auch dort, wo sie jetzt das Motorrad hin entwickelt haben.“[SH1.1] Gerade in schnellen aufeinanderfolgenden Kurvenkombinationen ist die Aprilia sehr wendig und von solchen gibt es in Silverstone genügend.

Im Sprint-Rennen am Samstag gab es ein Überholmanöver von Marco Bezzechi gegen Marc Marquez. Eine Videoaufnahme des Manövers zeigt, wie beide Piloten aus Kurve 9 heraus beschleunigen und auf die berühmte Kurvenkombination Maggotts, Becketts und Chapel zusteuern. Bezzecchi ließ Marc Marquez spielend leicht hinter sich und hatte binnen einer Kurve fünf bis sechs Motorradlängen Vorsprung herausgefahren.
„Also das Video war wirklich beeindruckend, das so zu sehen“, sagte Tom Lüthi. „Der Unterschied war wirklich riesig, wie du sagst. Es ist schlussendlich das Paket, was funktioniert. Man sieht bei dem Video auch sehr gut, wie Marc aus dieser Kurve, einer langsameren Kurve, herausrauskommt und dann einen extremen Pick-Up macht. Pick-Up heißt, dass er von der Reifenflanke wegkommt, das Motorrad möglichst aufrichtet und der Oberkörper innen bleibt, aber er drückt das Motorrad nach außen auf.“ Gerade solch ein „Pick-Up“ blieb den Aprilia-Fahrern erspart. Sie mussten keine zusätzliche Energie aufbringen, um das Motorrad mit genügend Speed durch die Kurven zu bringen.
Kein klassischer Reifenverschleiß an diesem Wochenende: Fahrer klagen über „Graining“
Den Begriff „Graining“ hört man eigentlich viel mehr in Serien, welche auf vier Rädern unterwegs sind, wie z.B. der Formel 1. Doch beim Großen Preis von Großbritannien war dieser Begriff auch vermehrt aus dem Lager der MotoGP-Stars zu hören. Besonders Marc Marquez hatte im Sprint am Samstag mit solchen Problemen zu kämpfen. Bei diesem sogenannten „Graining“ schabt sich die obere Fläche des Reifens ab und heftet sich wieder an die Oberfläche des warmen Reifens. Ein ungleichmäßiger Belag entsteht. Das Resultat ist ein extremer Verlust an Grip. Dies entsteht bei zu hoher Beanspruchung des Reifens, während die Reifentemperatur noch nicht an ihrem Optimum ist.
Alle Fahrer hatten damit zu kämpfen. Die Aprilia-Piloten konnten ihre Reifen bei niedrigeren Temperaturen allerdings besser managen und einen solchen Abrieb verhindern. „Es ist durchgesickert oder klar geworden, dass jetzt über dieses Wochenende die Aprilias mit den Temperaturen am Hinterrad besser zurechtgekommen sind als andere Hersteller. Das hat ihnen schlussendlich geholfen. Sie konnten die Reifen besser rannehmen und dann auch über die Distanz bringen“, meinte Lüthi.
Grand-Prix-Sieger Raul Fernandez hatte schon im Warm-Up seine eigene Taktik, wie er seine Reifen über die volle Distanz unversehrt ins Ziel bringen wollte. Mehr dazu lest ihr im folgenden Artikel:

diese MotoGP Nachricht