Jorge Martin, Marco Bezzecchi, Marc Marquez, Ai Ogura und Fabio Di Giannantonio - während der Sommerpause wurde in der MotoGP primär von fünf realistischen Anwärtern auf die Weltmeisterschaft 2026 gesprochen. Nach Silverstone schickt sich nun aber auch noch ein sechster Fahrer an, ernsthaft ins WM-Rennen einzusteigen: Raul Fernandez. Der Trackhouse-Pilot befindet sich aktuell noch happige 56 Punkte im Rückstand, aber eine solche Differenz kann schnell ausgelöscht sein. Das zeigte Marquez seit Ungarn ja eindrucksvoll. Muss man also auch Fernandez ab jetzt auf dem Zettel haben?
Pro und Contra: Raul Fernandez nach Silverstone ein MotoGP-Titelkandidat?
Die simple Antwort: Ja - zumindest, wenn es nach dem Punkteschnitt der letzten Wochen geht. In den letzten drei Grands Prix konnte in Summe nämlich kein anderer Pilot so viele Zähler einsammeln wie Fernandez. Er holte seit der Dutch TT in Assen starke 78 Punkte und damit 9 mehr als Trackhouse-Teamkollege Ai Ogura, 10 mehr als WM-Leader Jorge Martin und sogar 18 mehr als MotoGP-Superstar Marc Marquez. Seht in der nachfolgenden Tabelle selbst. Bleibt das in den kommenden Wochen so, wird Fernandez unweigerlich immer näher an die WM-Spitze herankommen und in den Titelkampf dazustoßen.
Die Punkteausbeute der MotoGP-Piloten seit Assen
| Platz | Fahrer | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Raul Fernandez | 78 |
| 2 | Ai Ogura | 69 |
| 3 | Jorge Martin | 68 |
| 4 | Marc Marquez | 60 |
| 5 | Fabio Di Giannantonio | 42 |
| 6 | Alex Marquez | 39 |
| 7 | Pedro Acosta | 31 |
| 8 | Marco Bezzecchi | 29 |
Die große Frage lautet nach Silverstone nur, ob Fernandez seinen aktuellen Schnitt von 26 Punkten pro Grand Prix auch längerfristig halten kann. Über einen längeren Zeitraum performte er zuletzt in seiner einzigen Moto2-Saison 2021 derart stark, in der MotoGP ist er diesen Beweis bislang noch schuldig geblieben. Zudem wissen wir aus der Vergangenheit, dass die Nummer 25 unter Druck nicht immer vollkommen stabil bleibt. Genau dieser wird jetzt aber mit jedem Punkt, den er aufholen kann, immer weiter zunehmen. Und dass selbst der mental gestärkte Fernandez der letzten Wochen nicht fehlerfrei unterwegs ist, hat erst am Samstag der Sturz im Sprint gezeigt.
Zudem gilt es zu beachten, dass drei der bisherigen fünf WM-Anwärter in den letzten drei Grands Prix eher unter- als überperformt haben. Martin kämpfte in Assen und am Sachsenring mit fehlendem Vertrauen in die Front seiner Aprilia, weshalb er dort nur 21 bzw. 15 Punkte holte. In Silverstone könnte ihm mit der Rückkehr zur alten Basis aber ein Durchbruch gelungen sein und Leistungen wie im 'British Home of Motorracing' wieder zur Normalität werden. Stallgefährte Marco Bezzecchi schrieb aus hinlänglich bekannten Gründen zuletzt kaum an. Dass sein brachialer Speed vom Saisonbeginn noch da ist, hat er in Silverstone aber eindrucksvoll gezeigt. Ab Aragon (28. bis 30. August) hoffentlich wieder vollständig fit, dürfte also auch sein Punkteschnitt wieder ansteigen.
Und dann ist da natürlich noch Marc Marquez. Der Ducati-Pilot hat schlicht Pech, dass mit Assen und Silverstone gleich zwei Strecken in die letzten drei Grands Prix gefallen sind, die zu seinen schwächsten zählen. Auf den rechts herum führenden Highspeedkursen litt er mit seiner weiterhin nicht vollständig fitten Schulter besonders. Derartige Strecken gibt es im restlichen Saisonverlauf aber kaum noch, stattdessen kommen mit Aragon, Misano, Motegi, Phillip Island oder Valencia noch einige Kurse, die der Nummer 93 historisch gesehen sehr gut liegen. Auch bei Marquez ist also zu erwarten, dass sein Punkteschnitt in den kommenden Wochen ansteigen wird. Dann wird sich zeigen, ob Fernandez dennoch weiter aufholen kann, ob der Abstand stagniert oder ob er sogar wieder abreißen lassen muss.

Trackhouse-Boss: Kein Druck für Raul Fernandez, stattdessen Moment genießen
Zumindest bis zum nächsten Grand Prix im Motorland darf Fernandez jedoch träumen, das sieht auch sein Boss Justin Marks so. "Ich will eigentlich gar nicht von diesem Traum aufwachen", lachte der Trackhouse-Teamgründer in Silverstone am 'ServusTV'-Mikrofon, der mit Ogura ja auch noch einen zweiten Piloten im WM-Rennen hat. "Beide Fahrer operieren gerade auf dem höchsten Level, auf dem sie das je getan haben und diesen Moment versuchen wir zu genießen, denn im Motorsport kann es auch schnell wieder nach unten gehen", versuchte er, den Druck von Jungs wegzunehmen. Stattdessen lautet die Devise: "Wir werden sehen, ob wir in Valencia noch etwas haben, um das wir kämpfen können. Falls ja, werden wir natürlich alles reinwerfen. Aber bis dahin ist es noch lange, es sind noch viele Rennen zu fahren und so lange werden wir einfach versuchen, unser Bestes zu geben und die Möglichkeiten zu nutzen, die sich uns bieten."
Was meint ihr: Kann Raul Fernandez in diesem Jahr noch zum ernsthaften WM-Anwärter aufsteigen und vielleicht sogar Weltmeister werden? Sagt es uns in den Kommentaren! Wie die Galavorstellung des 25-Jährigen in Silverstone möglich wurde, erfahrt ihr derweil in diesem Artikel:



diese MotoGP Nachricht