Das darf man wohl als perfekten MotoGP-Tag bezeichnen! Stürmte Jorge Martin am Vormittag zunächst mit einer neuen Rekordrunde auf die Pole Position, legte er am Nachmittag auch noch den Sprintsieg nach, bei dem er jede der zehn Runden ungefährdet anführte. Eine echte Galavorstellung der Nummer 89 also, die nach dem Formtief vor der Sommerpause aber etwas überraschend kam. Wie gelang diese plötzliche wie drastische Trendwende?

Rückkehr zu alter MotoGP-Basis befreit Jorge Martin: Front-Gefühl wieder da!

"Wir haben uns [während der Sommerpause, Anm.] viele Daten angesehen und versucht zu verstehen, was am besten funktioniert hat. Dann sind wir zu der Basis zurückgegangen, die wir als beste Option für Silverstone erachtet haben und das hat wunderbar funktioniert", begründete Martin am Samstag. Ein Rückbau zu (nahezu) jenem Motorrad also, mit dem sich der Spanier zu Saisonbeginn noch so wohl und gut gefühlt hatte. Nach dem Jerez-Test, bei dem Martin unter anderem einen neuen Rahmen ausprobierte, den seine Aprilia-Kollegen schon länger im Einsatz hatten, war dieses Gefühl zuletzt mehr und mehr abhanden genommen. Eine Rückkehr zur alten Basis war dennoch lange keine Option - bis zu diesem Wochenende.

"Mein Gefühl hat sich jetzt wieder deutlich verbessert", strahlte Martin, der zuvor speziell mit der Front seiner RS-GP zu kämpfen hatte. "Ich habe mich direkt sehr stark gefühlt, vor allem mit dem Vorderrad. Das war auch aus mentaler Sicht wichtig, denn dann konnte ich mir sagen, dass ich jetzt wieder über die Front attackieren kann. Ich kann härter bremsen, schneller in die Kurven einlenken und trotzdem auch schnell aus ihnen herausfahren. In Summe ist die Balance des Motorrads jetzt einfach wieder richtig gut."

Dass er in Qualifying und Sprint derart brillieren könnte, glaubte Martin zunächst aber dennoch nicht. "Es war in Summe ein sehr positiver Tag für mich, aber ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich gewinnen könnte. Ich bin einfach drauf losgefahren und habe in den ersten Runden gemanagt", berichtete der Weltmeister von 2024. Ein entscheidender Schachzug, wie sich später herausstellen sollte.

Richtige Taktik und neues Aero-Bauteil lassen Jorge Martin in Silverstone siegen

Alle Verfolger, die zu früh zu sehr attackierten, zahlten dafür in der Schlussphase nämlich den Preis und brachen ein. Marc Marquez erwischte es am härtesten, aber selbst Ai Ogura bekam Probleme. "Das hat letztlich den Unterschied gemacht", freute sich Martin über den Glückstreffer. "Ich habe mich ab der vierten Runde auch nicht mehr wirklich wohl gefühlt mit dem Hinterreifen, aber allen anderen ging es noch schlechter. Das hat mir geholfen, meinen Vorsprung zu halten. Ich bin sehr glücklich, aber ist auch offensichtlich, dass wir für morgen noch einiges tun müssen."

Ai Ogura kam nie wirklich nahe an Jorge Martin heran, Foto: IMAGO / Action Plus
Ai Ogura kam nie wirklich nahe an Jorge Martin heran, Foto: IMAGO / Action Plus

Im Grand Prix werden nun alle Piloten auf überhitzende Hinterreifen vorbereitet sein und vorsichtiger agieren. Dann könnte es also wieder enger zugehen an der Spitze. Speziell Reifenflüsterer Ogura muss über die doppelte Renndistanz von 20 Runden dann natürlich als Gefahr für den 'Martinator' angesehen werden. Im Fall der Fälle vielleicht der entscheidende Vorteil für Letzteren: Ein neues Aero-Bauteil im Bereich des Hinterrades, das bislang nur er verwendet. "Es ist offensichtlich, dass es mir etwas hilft", hofft Martin auch am Sonntag auf einen Performance-Boost.

Hier könnt ihr den nächsten potenziellen Geniestreich aus Aprilias Technik-Abteilung sehen:

Jorge Martin noch unsicher: Durchbruch geschafft oder doch nur Eintagsfliege?

In der Weltmeisterschaft führt Martin nun übrigens 17 Punkte vor Ogura, 27 Punkte vor Marco Bezzecchi und 29 Punkte vor Marquez. Die Chancen, dass am Sonntag weitere Zähler hinzukommen, stehen nicht schlecht. Aber wie sieht es danach aus? Ist fortan wieder regelmäßig mit dem formstarken Martin zu rechnen oder geht es in Aragon (28. bis 30. August) zurück ins Formloch? Der Aprilia-Pilot will noch keine Prognose abgeben, meint aber entschieden: "Das mag jetzt temporär oder von Dauer sein. Aber das ist eigentlich auch egal. Irgendwann [falls noch nicht geschehen, Anm.] werden wir unsere Probleme lösen."

KTM-Gegner stimmen zu: MotoGP-Motoren dürfen adaptiert werden! (08:03 Min.)

Was meint ihr: Ist Jorge Martin mit der Rückkehr zur alten Basis in Silverstone ein Durchbruch von Dauer gelungen? Sagt es uns in den Kommentaren!