Selbst drei Wochen MotoGP-Sommerpause reichten Marco Bezzecchi nicht, um seinen heftigen Abflug im Qualifying am Sachsenring hinter sich zu lassen. Der Aprilia-Star zog sich bei diesem ja eine verschobene Fraktur des linken Schlüsselbeins sowie eine Verletzung im linken Knie zu. Zwei Operationen wurden gleich einen Tag später durchgeführt, doch Schmerzen begleiten Bezzecchi auch noch an diesem Wochenende in Silverstone.

Marco Bezzecchi beißt in Silverstone-Sprint auf die Zähne

Umso erstaunlicher war es, dass sich Bezzecchi im Sprint am Samstag von Startplatz fünf bis auf Rang drei und somit das Podium nach vorne kämpfen konnte. "Ich hätte dieses Ergebnis nicht erwartet", gestand er, nachdem er bei der Siegerehrung unter Tränen die Bronzemedaille entgegengenommen hatte. "Als ich heute Morgen aufgewacht bin, habe ich mich viel schlechter gefühlt als am Freitag und das Qualifying hat mir dann den Rest gegeben. Ich war völlig zerstört. Diese Rundenzeit hat mir alles abverlangt. Ich habe mir deshalb vor dem Sprint ziemliche Sorgen gemacht. Ich habe mich dann auch tatsächlich sehr schwach gefühlt. Mit dem Adrenalin der ersten Runden war es in Ordnung, aber vor allem in den letzten vier Runden habe ich große Probleme bekommen."

Marco Bezzecchis MotoGP-Horrorserie geht weiter: Verletzung! (07:51 Min.)

Wie Bezzecchi verriet, plagt ihn die Hälfte seines Körpers: "Es ist die gesamte linke Körperseite. Mir fehlt es an Kraft im Oberkörper und auch mein Bein konnte ich zuletzt kaum trainieren. Das Knie schmerzt sehr, wenn ich es abbiege, und ich habe im Rennverlauf auch ein komisches Gefühl beim Runterschalten bekommen. Das wirkt sich dann auch auf die rechte Körperhälfte aus, weil ich mit dieser kompensiere."

Marco Bezzecchi mit übler Vorahnung für Silverstone-Sonntag

Am Sonntag wartet auf Bezzecchi nun die doppelte Renndistanz, 20 statt 10 Runden gibt es in Silverstone zu bestreiten. Ob er sich da ähnlich gut präsentieren kann wie im Sprint? "Ich hoffe es, aber ehrlich gesagt glaube ich es nicht", gibt sich Bezzecchi realistisch. "Ich wäre schon zufrieden wenn ich Morgen in einem ähnlichen Zustand wie jetzt aufwache, aber auch jetzt geht es mir ziemlich mies."

Marco Bezzecchi bei einem Superbike-Test in Misano
Bezzecchi bereitete sich in der Sommerpause mit einem Superbike-Test auf das Silverstone-Wochenende vor, Foto: Aprilia Media

Etwas Mut macht Bezzecchi der zu erwartende andere Rennverlauf im Grand Prix. Im Sprint gab Teamkollege Jorge Martin an der Spitze ein rasantes Tempo vor. "Hoffentlich legt Jorge am Sonntag mit der doppelten Distanz langsamer los. Wenn die Pace nicht so schnell ist, kann ich vielleicht ein paar Runden mehr durchhalten", schätzt Bezzecchi. Auch die Reifenwahl - im Grand Prix dürfte der Medium- anstatt des Soft-Hinterreifen zum Zug kommen - könnte helfen. Eine härtere Reifenmischung macht die Motorräder im Normalfall durch geringeren Grip physisch weniger anstrengender: "Ich hoffe, dass der Medium-Hinterreifen etwas hilft und mir ein oder zwei Runden mehr Kraft gibt. Dann wird es nur darum gehen, das Rennen zu überstehen."

Für Marc Marquez wurde bereits der Sprint am Samstag zum sportlichen Überlebenskampf. Was für den amtierenden Weltmeister falsch lief, erfahrt ihr in unserem Artikel: