Eigentlich galt Ducati als das italienische Nationalteam der MotoGP, und das nicht nur weil die Farbe Rot an Ferraris Stellung in 'Bella Italia' erinnert. Die Motorradschmiede aus Borgo Panigale war stets auch viel erfolgreicher als das kleinere Aprilia. Nun inszeniert sich aber Noale mit der Fahrerpaarung ab 2027 und dank der letzten Erfolge als neue 'Nationalmannschaft'. Von Seiten Ducati gibt es dafür eine Retourkutsche.
MotoGP- 2027: Aprilia beschwört nationales 'Dreamteam', Ducati erstmals seit langem ohne Italiener
Bei der Verkündung von Francesco Bagnaia als Teamkollege für Marco Bezzecchi ab 2027 feuerte Aprilia-Boss Massimo Rivola alles an nationalem Sportpathos raus, was in die Zeilen der Pressemitteilung passte. Er stellte 'Pecco' in die Reihe der Sporthelden der Gegenwart: "Bagnaias Ankunft ist eine Bestätigung für den Wert des italienischen Sports, der sich in den letzten Monaten dank der Erfolge von Kimi Antonelli in der Formel 1, Jannik Sinner im Tennis und Federica Brignone bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 auf der Weltbühne hervorgetan hat. Deshalb erfüllt es uns mit Stolz, Pecco willkommen zu heißen, und es verleiht dem italienischen Sport international weiteren Auftrieb." Warum er nicht über die italienische Fußballnationalmannschaft sprach, wollen wir hier nicht weiter vertiefen.

Wer glaubte, dass diese Inszenierung aber rein auf die PR-Abteilung Aprilias zurückzuführen ist, der sollte sich irren. Auch Team-Manager Paolo Bonora blieb im Interview mit MotoGP-Boxenreporter Jack Appleyard voll auf dieser Linie: "Wir sind sehr glücklich über diese Verkündung. Wir freuen uns darauf, dass Pecco jetzt Teil unseres Teams wird. Es wird herrlich, 2027 ein rein italienisches Team zu haben. Wir glauben, dass wir jetzt zwei starke Fahrer in der Garage haben, aber nächstes Jahr freuen wir uns auf ein noch stärkeres Team."
Während Aprilia also von Italien-Power schwärmt, hat Ducati ab 2027 erstmals seit eineinhalb Jahrzehnten keinen Fahrer aus dem eigenen Lande mehr im Werksteam. Mit Valentino Rossi, Andrea Dovizioso, Andrea Iannone, Danilo Petrucci, Enea Bastianini und eben Francesco Bagnaia war seit 2011 immer mindestens ein nationaler Pilot für sie am Start. Nun gibt es ein spanisches Duo aus Superstar Marc Marquez und seinem Kronprinzen Pedro Acosta. "Wir haben für die nächsten zwei Jahre das stärkstmögliche Team zusammengestellt", ist Team-Manager Davide Tardozzi überzeugt.
Davide Tardozzi richtet Aprilia aus: Wählen die schnellsten Fahrer und nicht nach Reisepass!
Den Aufruhr rund um das Thema Nationalität der Fahrer kann er nicht nachvollziehen: "Wir blicken immer auf die schnellsten Fahrer und nicht auf den Reisepass. Aprilia hatte bis vor zwei Jahren ein rein spanisches Line-Up. Ich verstehe nicht, warum jetzt alle unterstreichen müssen, dass auf der einen Seite Italiener und auf der anderen keine Italiener sind." Tatsächlich fuhr Noale bis 2024 mit Aleix Espargaro und Maverick Vinales, während Ducati mit Bagnaia und Bastianini unterwegs war. Für 2027 haben sich die Nationen der Fahrer seitdem also einmal gedreht.

Letztlich kam Tardozzi daher nicht drumherum, ein wenig in Richtung des Rivalen um den WM-Titel 2026 zu spotten: "Das ist ein Sport, in dem du die besten Fahrer engagieren musst, damit du um die Spitzenplätze der Meisterschaft und Siege kämpfst. Ich glaube nicht, dass der Reisepass da irgendwie wichtig ist. Wenn das für jemand anderen so ist...vielleicht ist es ihnen ja wirklich wichtig, aber nicht für uns."
Mit Gresini setzte auch ein anderes italienisches Team zuletzt nur auf spanische Piloten, mit Erfolg. Dies soll nun mit den nächsten Iberern ab 2027 fortgeführt werden:



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