Nicht einmal, nicht zweimal. Nein, gleich dreimal ging es für die MotoGP-Piloten am Sonntag in ein Rennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Auch nach zwei fürchterlichen Unfällen und unklaren Lagen rund um die Zustände von Alex Marquez und Johann Zarco hatten die Verantwortlichen der Königsklasse noch nicht genug gesehen und schickten ihre Stars noch ein drittes Mal auf die Strecke - obwohl das gemäß Reglement gar nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Dafür gibt es nun scharfe Kritik.

Dritter Rennstart? MotoGP-Reglement hätte es nicht nötig gemacht

"Grundsätzlich ist kein dritter Rennstart vorgesehen", steht es in Paragraph 1.26.6 des MotoGP-Regelwerks Schwarz auf Weiß geschrieben. Die Rennleitung habe einzig in Ausnahmefällen, in denen kein vorheriges Rennen zu einem Ergebnis geführt hat, die oberste Entscheidungsgewalt, um doch noch ein drittes Mal starten zu lassen. Weil am Sonntag im ersten Rennen aber mehr als drei Runden absolviert waren - Alex Marquez verunfallte in Runde zwölf - hätte sehr wohl ein Ergebnis deklariert werden können, nämlich jenes am Ende von Runde elf. Ein dritter Restart war somit prinzipiell nicht nötig. Mehr dazu auch in unserem neusten Video:

MotoGP-Schock in Barcelona: Alex Marquez und Zarco verletzt (10:56 Min.)

Die Rennleitung entschied sich aber anders. Der Katalonien-GP wurde nicht beendet, es wurde kein Ergebnis ausgesprochen. Gerade mal 25 Minuten nach dem zweiten Horrorcrash des Tages - der sich auch noch direkt beim Restart in Kurve eins ereignet hatte - ging es stattdessen wieder rund. Sehr zum Ärger einiger MotoGP-Stars.

"Meine Geschichte ist heute zweitrangig, ich bin in Gedanken bei Alex und Johann. Ich weiß nicht, ob es notwendig war, mit der Show weiterzumachen. Da waren Rettungswägen auf der Strecke. Wir müssen auch an die menschliche Seite denken", kommentierte etwa Jorge Martin im MotoGP-Format 'After the Flag' und in seiner Medienrunde wurde er dann noch deutlicher. "Natürlich muss die Show weitergehen, aber nach drei Malen ist es vielleicht an der Zeit, es sein zu lassen. Drei Starts sind wirklich sehr gefährlich. Du bist voll fokussiert, verlierst jegliche Anspannung und musst dann wieder los. Ich bin überzeugt, dass ich das aushalten kann, aber andere vielleicht nicht und dann wird es gefährlich. Die Frage ist ja auch: Wie lange hätte das noch so weitergehen können? Sechs, sieben Mal?", ärgerte sich der Aprilia-Pilot, der kurz nach dem dritten Restart von Raul Fernandez ins Kiesbett befördert worden war.

MotoGP-Stars äußern scharfe Kritik: Dritter Start wirklich nicht nötig!

Zuspruch gab es von Landsmann Pedro Acosta, der am Sonntag in der Schlusskurve ebenfalls noch von einem Trackhouse-Piloten abgeräumt wurde. "Für mich war dieser dritte Restart nach zwei Roten Flaggen und all dem, was da passiert ist, wirklich unnötig. Wir hatten zwei Fahrer im Krankenhaus und beim letzten Crash waren drei Fahrer beteiligt. Da war es wirklich nicht nötig, noch ein drittes Rennen zu fahren. Ich verstehe, dass die Show weitergehen muss. Aber die Gesundheit derjenigen, die für die Show verantwortlich sind, ist am Ende halt doch wichtiger als die Show selbst", schäumte er.

"Das war heute eines der schwersten Rennen, die ich aus mentaler Sicht je zu managen hatte", schlug auch Joan Mir in die gleiche Kerbe. "Es ist nicht leicht zu sehen, wie deine Kollegen ins Krankenhaus gebracht werden und dann mit der Show weiterzumachen. Dafür kannst du nicht trainieren. Dann passiert hier in der ersten Kurve in Barcelona auch fast immer etwas. Da müssen wir sicherlich drüber reden, ob wir da in Zukunft etwas verändern können. So sind hier drei Starts aber wahrscheinlich zu viel. Wir sind heute viel Risiko eingegangen."

Dass die MotoGP am Sonntag infolge des Horrorcrashes von Marquez noch so viele weitere Zwischenfälle verbuchte, war für Fermin Aldeguer auch eine Folgewirkung der erneuten Restarts. "Das war ein verdammt schwieriger Tag, ich bin auf mentaler Seite extrem müde. Du bist zu 100 Prozent fokussiert, stoppst, musst dann wieder los und dann nochmal … das ist extrem schwer zu managen. Als ich in der Garage war und diese hässlichen Bilder gesehen habe, war die Anspannung in unserer Box natürlich riesig, weil das mein Teamkollege war, der da auf dem Boden lag. Das war kein schönes Gefühl. Wir wussten nicht, was da vor sich geht und das war wirklich hart, dann [zwei Restarts, Anm.] zu managen", kritisierte er und Rennsieger Fabio Di Giannantonio, der während der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz direkt neben Aldeguer saß, ergänzte noch: "Du bist voller Adrenalin. Da weißt du nicht immer, was jetzt das beste ist, was du [auf der Rennstrecke, Anm.] tun solltest."

Francesco Bagnaia fordert: MotoGP-Regel muss klarer formuliert werden

"Wir sind die besten Fahrer der Welt und wir wissen schon, wie wir beim nächsten Rennstart fokussiert sein können. Aber das war heute wirklich schwer, speziell für mich", tobte auch Luca Marini. "Johann mit seinem Bein da so liegen gesehen zu haben … da dachte ich mir nur 'Fuck' und es sind sofort Erinnerungen an meinen eigenen Sturz in Suzuka hochgekommen. Das war wirklich kein schönes Gefühl. Tatsächlich war mein dritter Start dann auch richtig schlecht. Ich bin schlecht weggekommen und habe viele Positionen verloren."

Für Francesco Bagnaia ist deshalb klar, dass es im Reglement eine explizitere Regelformulierung geben muss, um solche Situationen künftig zu vermeiden. "Wir brauchen eine Regel, die besagt, dass wir nach zwei Roten Flaggen, die durch am Boden liegende Fahrer ausgelöst wurden, keinen dritten Start mehr durchführen müssen", forderte der Ducati-Star, denn "das waren zwei schlimme Einschläge und schwierig mit anzusehen. Bei Zarco war ich ja sogar direkt dabei und das war wirklich nicht schön."

Was meint ihr: Hättet ihr als Zuschauer auf den dritten Rennstart verzichten können oder seid ihr froh, dass der Katalonien-GP noch zu Ende gebracht wurde? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!