Immer wieder gerieten in den vergangenen Jahren MotoGP-Piloten und Marshals aneinander. Gestürzte Fahrer wollten logischerweise ihre Trainings, Qualifyings oder Rennen fortsetzen, die Marshals versuchten im Sinne der Sicherheit aber nicht selten, sie daran zu hindern. Auseinandersetzungen waren die logische Folge, auch weil das Sportliche Reglement der MotoGP hierzu keine klaren Handlungsanweisungen lieferte.

MotoGP überarbeitet Restart-Paragraph

Das ändert sich für die MotoGP-Saison 2026. Der Paragraph 1.21.4 wurde überarbeitet. Er besagt nun, dass Maschinen, deren Motor ausgegangen ist, ausschließlich hinter der sogenannten 'first line of protection' neu gestartet werden dürfen. Diese trennt im Normalfall die Strecke beziehungsweise die umliegenden Auslaufzonen von der dahinterliegenden Service Road. Somit wird sichergestellt, dass sich der betroffene Fahrer und auch die Marshals für einen möglichst geringen Zeitraum in der Gefahrenzone unmittelbar neben dem Renngeschehen befinden.

Pedro Acosta auf der Service Road
Auf der Service Road dürfen die Fahrer ihre Bikes wieder starten, Foto: IMAGO / Graham Holt FocusXS

Das sah im Vorjahr noch ganz anders aus. In der 2025er-Version des MotoGP-Regelbuchs ist zu lesen, dass ein Fahrer in einer derartigen Situation die Hilfe der Marshals "auf der Strecke, am Rande der Strecke oder auf der Service Road" in Anspruch nehmen darf. Unter den Aktiven kommt die neue Regelung gut an. Sogar unter jenem Mann, der sein Motorrad wohl häufiger als alle seine Rivalen nach Stürzen neu starten musste.

Marc Marquez: Wichtiger Schritt für Sicherheit

"Ich finde das im Sinne der Sicherheit richtig", sagt Marc Marquez. "Die Regelung gilt ja nur, wenn der Motor ausgegangen ist. Wenn du also harmlos wegrutschst, kannst du immer noch weiterfahren. Bislang waren diese Situationen für die Marshals oft schwierig, aber jetzt ist es klar: Wenn dein Motor aus ist, musst du von der Strecke. In so einer Situation nach einem Sturz ist es ohnehin sehr schwierig, noch Punkte in einem Rennen mitzunehmen."

Marc Marquez' Heilung: Rückschläge, MotoGP-Auftakt als Ziel (10:03 Min.)

Zustimmung erhält Marquez von seinem Vorgänger als MotoGP-Weltmeister - Jorge Martin: "Generell ist das meiner Meinung nach eine gute Änderung. Wenn dein Motor aus ist, solltest du nicht einfach auf die Strecke zurückkommen dürfen. Normalerweise hat das sowieso keinen Sinn. Nur in Regenrennen sieht es vielleicht etwas anders aus, denn da kannst du sogar mehrfach stürzen und immer noch Punkte holen."

"Am Motorrad festhalten!" - Neues Verletzungsrisiko?

Francesco Bagnaia sieht - etwas scherzhaft - sogar einen persönlichen Vorteil für sich. "Es ist eine gute Änderung im Sinne der Sicherheit. Außerdem hatte ich nie so wie Glück wie Marc. Wenn ich stürze, ist mein Motorrad immer kaputt", so der Italiener. Ein Seitenhieb, den Marquez in der gemeinsamen Pressekonferenz im Rahmen der Ducati-Teampräsentation sofort konterte: "Du musst das Motorrad besser festhalten!" Bagnaia nahm den Ratschlag seines Stallgefährten an: "Stimmt, es wird wichtig sein, das Motorrad am Laufen zu halten."

Eine vermutlich nicht ganz ernst gemeinte Erkenntnis Bagnaias. Ob die neue Regel tatsächlich dazu führt, dass sich die Fahrer im Falle eines Sturzes länger und verbissener an ihre Motorräder klammern und so das Verletzungsrisiko eventuell sogar doch steigt, wird die MotoGP-Saison 2026 zeigen.

Auch für Francesco Bagnaia persönlich wird 2026 ein richtungsweisendes Jahr. Welche Lehren er aus seiner Horrorsaison 2025 gezogen hat, lest ihr hier: