Als Beobachter des Sports ist es eine verdammt schwierige Aufgabe, nach den Bildern des schrecklichen Moto3-Auffahrunfalls zwischen Jose Rueda und Noah Dettwiler in der Sichtungsrunde zum Malaysia-GP sachlich über das Thema Sicherheit zu diskutieren. "Muss erst etwas passieren, bevor etwas verändert wird?", ist ein häufig zu hörender und emotional aufgeladener Satz nach solchen Schockmomenten, besonders da Dettwiler sich inzwischen zwar in einem stabilen, aber weiterhin kritischen Zustand befindet. MotoGP-Experte Alex Hofmann hat nach dem Vorfall einen Vorschlag eingebracht, der aber auch aus objektiver Betrachtung Sinn ergibt.
Alex Hofmann fordert: Warm Ups für alle Klassen im MotoGP-Paddock
Der deutsche Ex-Pilot und heutige Experte bei 'ServusTV' schrieb noch am Renntag auf der Plattform X (ehemals Twitter): "Liebe MotoGP, im Sinne der Sicherheit dieses schönen Sports: Bringt das Warm Up für alle Klassen zurück. Die Motorräder und die Fahrer müssen verpflichtet sein, sich vor jedem Rennen bereit zu machen und technisch überprüft zu werden. Besonders die Rookies im Sport brauchen diese Extra-Meilen."
Das Fehlen der Warm Ups am Sonntagmorgen für die Moto3 und auch für die Moto2 ist ein junges Phänomen. 2023 wurden sie im Rahmen der Einführung des neuen Sprint-Formats der MotoGP gestrichen. Seitdem fährt nur noch die Königsklasse eine kurze Session vor den Rennen. In der frei gewordenen Zeit wurden stattdessen eine Fahrerparade und ähnliche Aktivitäten platziert.
Runde zur Startaufstellung stellt einzige Vorbereitung in Moto3 und Moto2 dar
Die Piloten der Moto2 und der Moto3 werden seitdem am Rennsonntag direkt ins Geschehen des Grand Prix geworfen. Die erste Runde des Rennens stellt auch die erste Runde des Tages mit vollem Tempo dar. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass auf der Sichtungsrunde zur Startaufstellung hin gefährliche Situationen und große Geschwindigkeitsunterschiede entstehen können, denn es handelt sich um die einzige Fahrt des Tages, bevor das Rennen bereits startet.
Die Herangehensweise kann komplett unterschiedlich sein. Manche Fahrer wollen bereits ihre Reifen schonen oder Benzin sparen, bewegen sich daher langsam. Andere wollen ihr Motorrad noch einmal überprüfen, besonders falls es nach dem Qualifying zu reparieren war. Und dann sind da auch noch jene, die ein Gespür für das Limit suchen, daher also Gas geben. Bei Rueda war offenbar letzteres der Fall, während Dettwiler bereits am Samstag technische Probleme mit seiner Kette hatte und vor dem Auffahrunfall prüfend an seiner KTM hinunterblickte.
Gefahr im Motorsport: Sicherheitsaspekt muss ständig hinterfragt und verbessert werden
Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen. Vielmehr müssen sich jederzeit alle Beteiligten, wie Alex Hofmann, die Frage stellen, was in Sachen Sicherheit verbessert werden kann. Eines ist klar: Kollisionen mit großen Geschwindigkeitsunterschieden gehören seit jeher zu den gefährlichsten Vorfällen im Motorradsport. Es sollte also so viel wie möglich dafür getan werden, dass solche Ausgangslagen vermieden werden.
Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob ein Warm Up den Unfall in Sepang verhindert hätte. Es bleibt Spekulation. Die Argumente dafür, dass zumindest die Wahrscheinlichkeit solcher Situationen verringert werden können, liegen aber vor. Auf jedem Ticket und jedem Paddock-Pass steht als Warnung in Großbuchstaben "MOTORSPORT KANN GEFÄHRLICH SEIN". Daran wird sich nie etwas ändern. Eine Ausrede für das Ausbleiben von stetigen Sicherheitsbemühungen kann und darf dies aber ebenfalls nie sein. Dementsprechend handelte die Motorrad-WM seit Jahrzehnten: Air Fences, Auslaufzonen, Airbags in der Lederkombi. Die Einführung all dieser Maßnahmen war gut und richtig.
Warm Ups können Risikofaktoren minimieren
Das Abschaffen der Warm Ups muss in dieser Hinsicht aber als ein Schritt in die falsche Richtung gelten. Es nahm den Fahrern und Teams die Möglichkeit, sich ohne größeren Druck noch einmal für das Rennen bereit zu machen. Es geht hier nicht um Setup-Arbeiten, dafür sind zehn Minuten viel zu kurz, aber es können durchaus mehrere Faktoren überprüft werden: Läuft mein Motorrad richtig, besonders falls es nach einem Sturz im Qualifying repariert werden musste? Fühle ich mich als Fahrer körperlich wohl auf dem Bike? Habe ich vielleicht Schmerzen oder gar Konzentrationsprobleme? Wie stellt sich die Strecke im Falle veränderter Bedingungen dar und wo liegt das Limit?

Die Beantwortung all dieser und weiterer Fragen ist seit 2023 für die Moto2- und Moto3-Piloten auf eine Runde hin zur Startaufstellung komprimiert worden. Dies hat zwei negative Folgen: Zum einen können bei weitem nicht alle Faktoren überprüft werden, sodass sicherheitsrelevante Unwägbarkeiten für das Rennen bestehen bleiben. Zum anderen sind die Fahrer gezwungen, einzelne Aspekte ihrer Rennvorbereitung zu priorisieren, was dann wiederrum zu gefährlichen Geschwindigkeitsunterschieden führen kann.
Sicherheitsbemühungen sind kein Privileg der MotoGP
Es ist kein Wunder, dass die MotoGP-Stars im Zuge der Format-Änderung vehement einen Erhalt des Warm Ups eingefordert hatten. Ihnen sollte es zunächst auch gestrichen werden, doch die Fahrer der Königsklasse konnten sich aufgrund ihres Status durchsetzen. Die jüngeren Piloten haben diesen Einfluss nicht. Beim Thema Sicherheit sollten aber alle die gleichen Vorrausetzungen bekommen. Ein Warm Up bewirkt in einem weiterhin gefährlichen Sport keine Wunder, aber es stellt einen logischen und vernünftigen Baustein dar.
Was meint ihr? Stimmt ihr Alex Hofmann zu, dass die Wiedereinführung der Warm Ups für Moto3 und Moto2 ein sinnvoller Schritt wäre? Sagt es uns in den Kommentaren.



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