Der MotoGP steht mit den Regeln von 2027 der größte technische Umbau ihrer Geschichte bevor. Reifen, Aerodynamik, Chassis, Verbot von Ride-Height-Devices: So gut wie alles wird sich verändern. Auf eine Neuerung hätte die Königsklasse laut dem Aprilia-Technikchef aber gerne verzichten dürfen. Die neuen 850ccm-Motorren könnten sich zur Geldverbrennungsmaschine entwickeln.
Aprilias Technikchef: Neue MotoGP-Motoren ein Kosten-Selbstmord
"Das darf ich euch eigentlich nicht sagen, aber ja, er läuft schon. Die Arbeit daran läuft", berichtet Marco De Luca, im offiziellen Titel der 'Aprilia Racing Head of Vehicle', zur Arbeit am neuen Motor. Die aktuellen Triebwerke liegen bei 1000ccm. Um die gefährlich schnellen Rundenzeiten wieder etwas einzufangen, wird der Hubraum mit den neuen Regeln auf 850ccm reduziert.
Mit Blick auf die Sicherheit erscheint die Maßnahme sinnvoll. Doch es ist der teure Weg dahin, den der Italiener scharf kritisiert. "Was die Kosten angeht ist die Motorenänderung meiner Meinung nach Selbstmord. Wir hätten mehr oder weniger dasselbe Resultat mit etwas viel Simpleren erreichen können", erklärt er. Wie zum Beispiel? "Drehzahlen, aber es gibt noch andere Dinge. Auch das Gewicht. Es wäre nicht ganz dasselbe, aber durchaus, wenn wir nur auf die Rundenzeiten blicken."
850er-Motor erfordert Entwicklung komplett neuer Motorräder
Anstatt die aktuellen Motoren etwa durch Drehzahlbegrenzungen herunterzufahren, muss ein neues Aggregat konstruiert werden. Doch das ist nicht das einzige Problem, denn die Neuentwicklung zieht einen ganzen Rattenschwanz an weiteren Ausgaben hinter sich her: "Es muss ein komplett neues Motorrad gebaut werden. Du hast auf einem Wettbewerb auf höchstem Niveau einen Motor, der kleiner und leichter wird. Der muss also anders platziert werden. Der Auspuff wird anders sein. Die Kühlung wird sich komplett verändern. Die Luftzuführung muss dann völlig neu sein. Du kannst also nicht einfach den neuen Motor auf das aktuelle Bike schrauben, da wirst du verlieren."

Dementsprechend ist der Motor der Ausgangspunkt eines wenig nachhaltigen Entwicklungsaufwands. "Wir arbeiten also von Null auf - so wie ich es auch von den anderen [Herstellern] vermute - und können nur ein paar wenige Bauteile [der aktuellen Maschinen, Anm. d. Red.] weiterverwenden. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das eine riesige Herausforderung", kritisiert daher De Luca. Dass Aprilia mit niedrigem Budget operiert und daher auf jeden Cent achten muss, ist bestens bekannt. Massimo Rivola setzte sich daher mehrfach für Maßnahmen zur Kostenregulierung ein. Mehr dazu hier:
MotoGP 2027: Sportlicher Neustart teuer erkauft?
Nun erhofft sich die MotoGP durch die neuen Regeln aber wohl nicht nur mehr Sicherheit. Die Dominanz von Ducati hat der Attraktivität des Sportes geschadet. Ein technischer Neuanfang könnte die sportliche Reihenfolge durcheinanderbringen und für mehr Abwechslung sorgen. Das erkennt auch der Aprilia-Ingenieur an. Trotzdem bleibt er bei seinem finalen Urteil: "Vielleicht ist es gut, um die Karten neu zu mischen. Sie dachten sich wohl, dass sie die Hackordnung für eine Weile ändern wollen. Also macht es aus Sicht des Vermarkters Sinn, aber für mich als Ingenieur ist es...[zwingt sich zu schweigen, um nicht noch mehr zu schimpfen, Anm. d. Red.]"
Bevor die Motoren der Zukunft aufheulen, geht es aber erstmal wieder in der aktuellen MotoGP-Saison weiter. Am Wochenende steht das Rennen in Motegi an, inklusive möglicher WM-Entscheidung. Wie ihr den Japan Grand Prix verfolgen könnt, erfahrt ihr hier:



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