Bei KTM herrscht derzeit große technische Verwirrung. "Momentan ist die MotoGP wie ein Puzzle. Wenn du eine Sache verbockst, dann kann es auch Auswirkungen auf den Rest haben", meint Pedro Acosta vor seinem Heimrennen in Jerez. Die Uneinigkeit der Fahrer in Sachen Technik ist eklatant - und trieb den Hoffnungsträger sogar in einen ungewöhnlichen Schritt.
KTMs Dilemma: Entwickeln vier verschiedene Bikes!
"In Katar nutzten vier Fahrer vier verschiedene Konfigurationen. Für uns ist es momentan ideal, so viele Informationen wie möglich zu bekommen. Jeder Fahrer hat seine Präferenzen", meint Brad Binder. Was der Südafrikaner noch irgendwie positiv verkaufen möchte, sprach sein Boss Pit Beirer im Interview bei Motorsport-Magazin.com als klares Problem an.

"Wir müssen jetzt schauen, was wirklich die Basis ist. Dann brauchen wir wieder acht gleiche Motorräder [zwei pro Fahrer, Anm. d. Red.] und dann wird die Setuparbeit besser. Wenn du lauter gleiche Motorräder hast, die Fahrer auf einer Basis hast, und alle arbeiten am gleichen Bike, dann wirst du stärker. Und du kannst die Daten wirklich vergleichen. Was wir momentan machen, ist mit vier Fahrern vier verschiedene Bikes weiterzuentwickeln", so der Klartext des Deutschen.
Acosta rechtfertig drastischen Schritt zu 24er-Motorrad: Nehme, was besser ist
Die große Uneinigkeit bei Bauteilen und Setup hat Pedro Acosta auf die Spitze getrieben. Der Spanier fuhr in Katar mit dem Motorrad aus der Vorsaison. "Ich denke immer noch, dass es mit dem 2024er-Bike deutlich besser ist. Das muss man austesten, wenn ein Rückschritt einen Fortschritt darstellt", meint er. "Meine Stärke letztes Jahr war das Bremsen, und wie ich die Bremse lösen konnte. Das war [mit dem neuen Motorrad, Anm. d. Red.] komplett weg. Ich konnte im Rennen nicht einmal jemanden überholen", begründete der 'Hai' seine Entscheidung.
Ob damit aber nicht das Problem weiter befeuert wird, welches Beirer ansprach? "Ja, aber wir haben viele Wahlmöglichkeiten an Motorrädern. Wir haben einfach das gewählt, was besser für uns ist. Jede KTM auf der Strecke ist anders", rechtfertigt sich der Jungstar. Und fügt hinzu: "Ich bin mir sicher, dass jemand mit dem 2025er-Bike schnell sein kann, so wie Maverick [Vinales] es war. Aber irgendwie passt das nicht mit meinem Fahrstil und meinem Setup zusammen. Manchmal ist es besser, einen Schritt zurückzumachen, als mit etwas weiterzumachen, das nicht funktioniert."
Enea Bastianini gibt Verwirrung auf neuem MotoGP-Bike zu
Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Auch Tech3-Neuzugang Enea Bastianini verteidigte die Vorgehensweise der Fahrer: "Wenn du langsam bist, musst du andere Lösungen ausprobieren. Vom ersten Rennen an war kein KTM-Fahrer besonders schnell, besonders im Zeittraining. Wenn das so ist, dann musst du irgendwas probieren. Alle Fahrer gingen in eine andere Richtung, damit wir verstehen, was die beste Wahl ist."
Viel geholfen hat das dem Italiener bisher aber nicht. Er gibt seinen Mangel an Verständnis für die RC16 offen zu: "Für mich ist das Hauptproblem die Basis, mein Basis-Setup ist nicht solide. In Katar fuhr ich das FP2 mit einem Motorrad und sprang dann im Qualifying auf das andere, weil ich verwirrt war. Ich habe in meiner Arbeit momentan keine Klarheit."

Gelassener Maverick Vinales als Vorbild für KTM?
Ganz anders scheint das bei Teamkollege Maverick Vinales zu sein. Der Spanier konnte in Katar als erster KTM-Fahrer in der neuen Saison so richtig aufzeigen, auch wenn ihm die umstrittene Reifendruckregel den ersten Podestplatz in orange nahm. Brad Binder will sich nun an ihm orientieren: "Nachdem Maverick am letzten Wochenende so einen unglaublichen Job erledigt hat, haben wir nun für dieses Wochenende einige Bauteile, die er hatte, genommen, um sie auszuprobieren." Um welche Teile es sich handelt, wollte er nicht verraten. Sehr wohl aber deren Wirkung: "Sie hatten eine deutlich andere Balance. Ich hoffe, dass das ein bisschen das Geheimnis war."
Vinales bewies vor allem großes Vertrauen am Kurveneingang. Aber wie hat er das erreicht? Ironischerweise scheint genau der Fahrer am schnellsten den Erfolg gefunden zu haben, der am wenigsten herumprobiert hat. "Ich sage den Jungs [seinen Technikern, Anm. d. Red.] immer: Hetzt euch nicht zu sehr. Glaubt daran, dass es passieren wird. Wir müssen nicht so viel verändern", erklärt er sein Mantra.

Sein Zauberwort lautet schlichtweg Erfahrung. Diese habe ihn zu einer ruhigeren Arbeitsweise geführt. "Wenn ich jetzt zurück nach Austin gehen würde, mit demselben Motorrad, denselben Bauteilen, aber mit etwas mehr Erfahrung, dann wäre es ein komplett anderes Rennen. Ich könnte viel weiter vorne sein. Wir müssen einfach Erfahrungen sammeln und das neue Motorrad verstehen lernen", gibt er an. Vielleicht lebt der älteste Pilot im Kader genau die Geduld vor, die KTM im Gesamten guttun würde. Bei den anderen Fahrern herrscht derweil weiter Unsicherheit. "Momentan bin ich nicht sicher, ob ich mit dem Vorjahresbike weitermachen werde", gab Pedro Acosta zu, dass der nächste Wechsel ins Haus stehen könnte.
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