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Corona-Gespenst in der MotoGP: So gehen Fahrer damit um

Der MotoGP fehlt in Aragon mit Valentino Rossi der prominenteste Fahrer. In der Moto3 wird ein Ass aus den WM-Träumen gerissen. Wie gehen Fahrer damit um?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Valentino Rossis positiver Corona-Test sorgt im MotoGP-Fahrerlager von Aragon für Nervosität. Denn er zeigt, dass auch mit Einhaltung des strengen Protokolls der Dorna niemand vor dem Coronavirus gefeit ist. Mit fatalen Folgen: Ein positiver Test zieht im Regelfall eine Rennpause von zwei Wochen nach sich - im straffen Saisonfinish der Todesstoß jeder Titelambition.

Nach Jorge Martin und Valentino Rossi erwischte es am Freitag zudem Tony Arbolino. Der Italiener, zuletzt zweimal in Folge Zweiter und mit nur 20 Punkten Rückstand Vierter der Moto3-WM, muss aufgrund einer Quarantäne-Anordnung für den Lauf am Sonntag passen. Dabei wurde Arbolino selbst negativ getestet, doch eine Person auf einem von Arbolinos Flügen legte einen positiven Test ab, weshalb die spanischen Corona-Gesetze eine Selbstisolation anordnen. Die Titelchance ist somit wohl dahin.

"Wir müssen sorgfältig sein und künftig noch mehr aufpassen, um nicht von diesem scheiß Virus infiziert zu werden", brachte es Franco Morbidelli in seinem Videocall am Freitagnachmittag auf den Punkt. Sein Teamkollege Fabio Quartararo, der die WM aktuell anführt, sprach zum ersten Mal über die enormen Belastungen, die das Damoklesschwert des Coronavirus mit sich bringt, dass zu jeder Zeit über den MotoGP-Assen hängt.

Quartararo: Richtig gestresst

"Zu Hause bin ich richtig gestresst. Ich verlasse das Haus nicht, trainiere morgens und nachmittags. Dazwischen fahre ich mit dem Trial-Bike in die Berge und das war's. Aber auch wenn ich niemanden treffe, stehe ich zu Hause ständig unter Stress. Wir wissen, dass wir dieses Virus überall aufschnappen können. Erst nach Portimao wird dieser Stress nachlassen. Nicht weil die WM dann vorbei ist, aber weil ich mich in dieser seltsamen Situation schon seit Juli nicht wohlfühle", sagte Quartararo am Freitag.

Auch der aktuelle WM-Vierte Maverick Vinales gab sich am Freitag nachdenklich: "Wir können kaum noch weniger Risiko nehmen. Denn wir passen ohnehin schon sehr auf, was wir tun. Dieses Virus kostet dich zwei Rennen. Das ist eine Katastrophe für die Weltmeisterschaft." Dass es ausgerechnet Valentino Rossi erwischt hat, machte am Donnerstag einigen Fahrern im Paddock Sorgen, da die MotoGP-Legende üblicherweise engen Kontakt zu seinen Schützlingen aus der VR46 Academy pflegt.

Entwarnung für VR46 Academy

Das Förderprogramm stellt aktuell unter anderem zwei MotoGP-Fahrer (Franco Morbidelli & Francesco Bagnaia), den WM-Leader und -Dritten der Moto2 (Luca Marini & Marco Bezzecchi) sowie den Dritten der Moto3 (Celestino Vietti). Ein Virusherd in der Academy wäre der Supergau für die Motorrad-WM. Doch Morbidelli konnte am Freitag Entwarnung geben: "Zwischen Back-to-back-Rennen trainieren wir nicht gemeinsam und treffen uns auch nicht persönlich."

Die anderen Fahrer mussten ohnehin einen negativen Test vorweisen, um das Fahrerlager überhaupt betreten zu dürfen. So sieht es das Corona-Protokoll der Dorna für jede Person an der Rennstrecke vor. Abseits der Rennstrecke beeinflusst das Virus das Privatleben der MotoGP-Fahrer sehr. So erklärte etwa Joan Mir, dass er seine Freundin im gemeinsamen Haus in Andorra nur dann besucht, wenn sie vorab einen negativen Corona-Test vorlegt.

Keine Kontrolle über Coronavirus

Ein gewisses Risiko bleibe aber immer. So führte etwa Pol Espargaro aus: " Zuhause bin ich bei meiner Frau und meiner Tochter. Wenn meine Frau das Virus aufnimmt, wenn sie einkaufen geht, kann ich nichts dagegen tun. Wir waschen und ca. 30 Mal am Tag die Hände, nutzen FFP2-Masken, aber es ist unmöglich sich hundertprozentig zu schützen."

Andrea Dovizioso gab sich am Freitag daher beinahe nihilistisch: "Im Endeffekt hat niemand von uns diese Situation völlig unter Kontrolle. Wir haben ohnehin nicht die Macht, so etwas zu kontrollieren. Deshalb versuche ich den Umständen entsprechend entspannt zu leben, da bin ich wohl relaxter als andere. Ich halte alle Regeln ein, aber über die Leute in deiner Umgebung hast du letztlich keine Kontrolle."

Espargaro brachte die Situation der MotoGP-Asse abschließend auf den Punkt: "Die Rechnung muss immer der Fahrer bezahlen, der dieses Virus irgendwo aufnimmt. Das ist eine heftige Strafe für jeden. Valentino verpasst nun zwei Rennen und damit ist seine WM gelaufen." Jedem anderen Fahrer könnte dieses Schicksal in den verbleibenden fünf Wochen bis zum Saisonfinale genauso blühen.


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