Motorsport-Magazin.com Plus
MotoGP

Chaos durch Abreißvisiere: Braucht die MotoGP eine neue Regel?

In Misano schied Jack Miller durch ein Visier in seiner Airbox aus. Sein Teamkollege Francesco Bagnaia vermutet, auf einem gestürzt zu sein. Was nun?
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP-Saison 2020 liefert Kuriositäten am laufenden Band. Vergangene Woche in Misano musste Jack Miller seine Ducati mit Leistungsverlust an der Box abstellen. Dort fand man ein Abreißvisier von Fabio Quartararo, das die Airbox verlegt und somit dem Motor die Frischluftzufuhr geraubt hatte.

Millers Pramac-Teamkollege Francesco Bagnaia stürzte in Führung liegend aus dem Rennen, aber die Daten zeigten keinen Fehler seinerseits. Auch hier vermutet man, dass ein Abreißvisier auf der Ideallinie für plötzlichen Gripverlust gesorgt haben könnte. Einen Beweis dafür gibt es allerdings nicht.

Dennoch forderte Bagnaia nun ein Umdenken, was die Abreißvisiere betrifft. "Es kann nicht sein, dass man ein Rennen wegen so etwas verliert", ärgert sich noch eine Woche später. Bagnaia wünscht sich festgeschriebene Bereiche auf jeder Strecke, in denen die 'Tear-Offs' entfernt werden dürfen, so dass sie von den Streckenposten schnellstmöglich entfernt werden können. Die Marshalls versuchen das jetzt schon, allerdings gerät das Einsammeln auf einer mehrere Kilometer langen Strecke zur Sisyphusarbeit.

Bagnaia will das Thema nun in der Safety-Commission zur Sprache bringen. Ob er damit großen Erfolg hat, ist fraglich. Denn in der Vergangenheit gab es keine nennenswerten Zwischenfälle mit Abreißvisieren. "Sie hatten einfach großes Pech", glaubt Franco Morbidelli. "Dass so etwas passiert, ist unglaublich. Es ist wie im Lotto zu gewinnen, nur eben umgekehrt."

Abgesehen vom Sicherheitsaspekt spricht Morbidelli aber eine weitere Thematik an: Umweltschutz. "Ich glaube nicht, dass Abreißvisiere generell ein großes Thema sind - außer für die Umwelt", so der Italiener. "Deshalb entferne ich sie normalerweise gleich in der Box und gebe sie meinem Mechaniker. Ich will sie nicht einfach irgendwo wegwerfen. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden. In Misano musste ich am Start noch einmal eines abziehen und Fabio auch. Seines ist dann in Millers Airbox gelandet."

Quartararo selbst hält ebenfalls fest, dass er keine Wahl hatte: "Kurz vor dem Start habe ich eine große Mücke getroffen, also musste ich das Visier abziehen. Es gibt viele Rennen, in denen ich kein einziges Stück entferne, aber wenn ich es tun muss, dann werde ich es auch. Ich habe es neben die Strecke geworfen, aber es wurde auf die Strecke geweht. Das ist einfach nur Pech."


Weitere Inhalte:
Tissot
Motorsport-Magazin.com Plus