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MotoGP - Valentino Rossi nach Podium: War politisches Problem

Nach 465 Tagen ist Valentino Rossi zurück auf dem MotoGP-Podium. Er spart nicht mit Kritik an seinem Arbeitgeber Yamaha.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Valentino Rossis Durststrecke ist zu Ende! Nach 17 Grands Prix ohne Podium schaffte er es im zweiten MotoGP-Rennen von Jerez als Dritter auf das Treppchen. Die Erleichterung war Rossi deutlich anzusehen. So locker und gelöst wie nach der Zielflagge an diesem Wochenende hatte man den Altmeister lange nicht mehr gesehen. Auf der Auslaufrunde kletterte er auf den Streckenzaun und jubelte sinnbildlich den nicht vorhandenen Fans zu. Beim ersten Interview im Parc ferme und später auch in der Pressekonferenz sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus.

"Ich bin sehr, sehr glücklich. Denn nicht nur das Rennen am letzten Wochenende war schlecht, sondern ein Großteil der vergangenen Saison. Ich war wirklich langsam. Es war frustrierend, denn ich hatte immer die gleichen Probleme. Es hat keinen Spaß mehr gemacht", gestand Rossi. Zum Saisonauftakt vor einer Woche erlebte er ja ein desaströses Wochenende, war mit Ausnahme von FP1 in jeder Session schwächster Yamaha-Pilot und lag im Rennen nur auf P10, als er ausschied.

Dementsprechend groß war die Verwunderung im MotoGP-Paddock, als Rossi nun wieder einmal eine sportliche Auferstehung feierte. Wo die Gründe dafür lagen, sprach er ganz offen aus: "Wir hatten ein politisches Problem mit Yamaha. Sie waren der Meinung, dass ich das Motorrad so fahren muss, wie Fabio und Maverick. Für mich hat das aber nicht funktionieren, also habe ich zusammen mit David (Crewchief Munoz, Anm.) und meiner Crew mächtig Druck auf die japanischen Ingenieure bei Yamaha gemacht. Es war nicht einfach, aber für manche Dinge muss man eben kämpfen."

Yamaha entspricht Valentino Rossis Wünschen

Yamaha lenkte schließlich ein und stellte Rossi für das zweite Rennwochenende ein verändertes Bike in die Box. Der Erfolg stellte sich sofort ein. "Ich hatte schon nach drei Runden ein viel besseres Gefühl", verrät Rossi. "Es hat Spaß gemacht und ich konnte meinen Stil fahren. Das war für mich wie ein Licht am Ende des Tunnels. Am Donnerstag wäre ich am liebsten nach Hause gefahren, am Freitagmorgen hatte ich dann aber doch Lust auf das Rennen."

Vor einer Woche saß Rossi noch niedergeschlagen in der Yamaha-Box - Foto: LAT Images

Die jüngsten MotoGP-Rennen hatten ganz klar am Selbstbewusstsein des neunfachen Weltmeisters genagt: "Das Ergebnis am vergangenen Wochenende war zu schlecht um wahr zu sein, auch wenn ich schon alt bin. Ich habe mir gesagt: 'Nein, so nicht.' Nach Rennen wie diesem oder im Vorjahr in Valencia und Aragon, wo ich wirklich schwach war, haben wir uns in der Box oft angesehen und uns haben die Worte gefehlt. Wir haben darüber nachgedacht, ob nicht vielleicht der Zeitpunkt gekommen ist, um zuhause zu bleiben. Ich habe mir auch Sorgen um die Zukunft gemacht, weil ich mich ja schon dazu entschlossen habe, auch 2021 zu fahren."

Valentino Rossi beruhigt: Gutes Verhältnis zu Yamaha

Dann wird Rossi im Petronas-Kundenteam unterwegs sein, seine Unterschrift dort ist nur noch Formsache. Gerade weil 'Il Dottore' dann weiterhin Yamaha-Pilot sein wird, überrascht die deutliche Kritik an seinem traditionell wenig flexiblen Arbeitgeber doch sehr. Rossi kann aber beruhigen, Beziehungskrise zwischen ihm und Yamaha gibt es keine. "Ich habe ein großartiges Verhältnis zu ihnen. Ich bin in meinem Herzen ein Yamaha-Fahrer und ein wichtiger Teil in der Geschichte dieser Marke. Ich will ihnen nach diesem guten Resultat einfach nur ein bisschen Druck machen", lachte er. "Vielleicht bin ich auf der Strecke nicht mehr der Schnellste, aber ich kann immer noch gute Rennen abliefern. Ich habe dieses Verhalten von Yamaha nicht verstanden und halte es auch nicht für besonders klug. Yamaha muss klar sein, dass sie mir vertrauen können und mich unterstützen müssen, denn ich bin im Werksteam und 2021 bei Petronas. Wenn ich das gleiche Bike fahre, mit dem Fabio und Maverick so stark sind, dann ist es aber auch normal, dass Yamaha glaubt, ich muss so fahren wie sie."

Rossi weiß, wie viel auch er Yamaha zu verdanken hat. Denn in der zweiten großen Krise seiner Karriere, 2011 und 2012 bei Ducati, hatte er schon einmal Zweifel an einer Fortsetzung seiner Laufbahn. Doch bei Yamaha holte man den verloren gegangenen Sohn heim. "Ich hatte Glück, dass mich Yamaha zurückgenommen und mir so noch zehn weitere Jahre in meiner Karriere geschenkt hat", bedankt sich Rossi.


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