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MotoGP-Blog: Was tut sich auf dem Transfermarkt für 2019?

Andrea Dovizioso, Jorge Lorenzo oder Andrea Iannone: In der MotoGP-Startaufstellung für 2019 gibt es noch viele Fragezeichen. Wir fassen Gerüchte zusammen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - In den MotoGP-Transfermarkt kam in den vergangenen Wochen mehr Schwung als erwartet. Bereits sicher geglaubte Deals erweisen sich als schwierig, während andere Piloten sich mit guten Leistungen plötzlich wieder besser ins Spiel bringen. Nach den ersten vier Saisonrennen haben erst zehn MotoGP-Fahrer ihren Vertrag für 2019 in der Tasche, 14 Bikes sind noch zu besetzen.

Ihr komplettes Lineup für die kommende Saison haben mit Yamaha (Rossi & Vinales) sowie KTM (Pol Espargaro und Zarco) erst zwei Teams beisammen. Was tut sich bei den anderen Rennställen? Motorsport-Magazin.com mit einer Zusammenfassung der aktuellen Gerüchte und einer subjektiven Einschätzung von Redakteur Michael Höller:

Doviziosos Poker

Die aktuell wichtigste Figur im MotoGP-Transferpoker ist Andrea Dovizioso. Eine Einigung mit Ducati - samt Vervielfachung des aktuellen Gehalts von eineinhalb Millionen Euro - galt lange Zeit nur als Formsache. Doch hinter den Kulissen soll die Beziehung zur Roten Rennfraktion aus Bologna nicht mehr ganz so harmonisch sein wie im Vorjahr.

MotoGP: Aktuelle Transfergerüchte aus Jerez: (05:04 Min.)

Dovizioso soll die Entwicklung der Ducati nicht schnell genug voran gehen. Vor allem bei der Fahrbarkeit auf unterschiedlichen Streckentypen soll sich nach seiner Meinung im Winter zu wenig getan haben. Seine bisherigen Ergebnisse sind nur unwesentlich besser als jene im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Ducati ist noch immer auf einigen Strecken top, auf anderen aber nicht aus eigener Kraft podestfähig.

Dovizioso ließ in Jerez durchblicken, dass er mit Repsol Honda spricht. Gerüchte, wonach er ein erstes Angebot von Ducati abgelehnt habe, wollte der Italiener nicht kommentieren. Der nächste Vertrag ist der wichtigste, weil teuerste, in Doviziosos Karriere und mit seinen aktuellen Karten kann er hoch pokern.

Was macht Honda?

Honda und Dovizioso - könnte das funktionieren? Immerhin wurde er 2011 relativ unsanft aus dem Team befördert. Mittlerweile ist aber eine neue Generation bei Repsol Honda am Ruder und Dovizioso ist zudem eher als Diplomat bekannt, denn als Emotionsmensch, der ewigen Groll gegen Leute hegt, die ihm einst nicht den nötigen Respekt entgegen gebracht haben.

Für Honda würde eine Verpflichtung von Dovizioso in doppelter Hinsicht Sinn machen: Erstens würde man der Konkurrenz den gefährlichsten Gegner wegschnappen und sich so galant des aktuell wichtigsten Gegenspielers von Marc Marquez entledigen. Zweitens gilt Dovizioso als umgänglich und würde Honda-Aushängeschild MM93 weder das Rampenlicht, noch die sportliche Show stehlen.

Es gibt vor allem für Dovizioso aber auch klare Gründe gegen einen Wechsel zu Honda: Dovi kann Marc nur auf einer Ducati um den WM-Titel fordern, zudem ist man in Italien wohl bereit tiefer in die Taschen zu greifen als in Japan. Die "Option Dovizioso" zeigt nach dem geplatzten Wechsel von Johann Zarco aber, dass Dani Pedrosa bei Honda nicht mehr allzu hoch im Kurs stehen dürfte.

Pedrosa steht vor dem Aus

Selbst wenn Dovizioso erneut bei Ducati unterschreibt, ist Pedrosa noch nicht alleiniger Anwärter auf die zweite Repsol Honda. Denn Neo-Teamchef Alberto Puig liebäugelt mit Moto3-Champion Joan Mir. Der 20-Jährige ist in der Moto2 aktuell mit Abstand bester Rookie und hält in der Gesamtwertung nach vier Punkteresultaten den 7. Rang. In einer MotoGP mit sechs Herstellern muss man sich seine Talente früh sichern.

Pedrosa wiederum galt bei Honda unter dem Führungsduo Suppo/Nakamoto stets als gesetzt, doch beide sind bei HRC raus, während Dani mit 18 Punkten in vier Rennen den schlechtesten Saisonstart seit seiner Rookie-Saison 2001 hinnehmen musste. Sein Alter (er wird im September 33) samt Verletzungsanfälligkeit spielen ihm ebenfalls nicht in die Karten. Weltmeister wird Pedrosa nicht mehr, das ist auch bei Honda längst jedem klar.

Lorenzos letzte Chance

Neben Pedrosa kämpft eine zweite Langzeit-Größe um ihr weiteres Schicksal in der MotoGP: Jorge Lorenzo. In Jerez stellte sowohl der Fünffach-Weltmeister als auch Ducati klar, dass man sich über einen Vertrag für 2019 noch nicht einmal unterhält. Die Zeichen der von Beginn an kritischen Ehe zeigen eher auf Abschied - umso mehr, falls Dovizioso verlängern sollte und Ducati nur noch einen Fahrer braucht.

Denn mit Danilo Petrucci und Jack Miller stehen beim Satellitenteam Pramac bereits zwei Fahrer bereit, die auf Lorenzos Sattel lauern. Petrucci hatte bereits vor Saisonstart angekündigt: Entweder Beförderung ins Werksteam oder Abschied aus der Ducati-Familie. Mit Francesco Bagnaia wurde auch bereits ein Nachfolger verpflichtet.

Lorenzo soll bereits an einem Wechsel zu Suzuki arbeiten, die seinem Fahrstil besser liegen soll als die aggressive Ducati. Dadurch bekommt aber Suzuki plötzlich ein Luxusproblem: Mit Alex Rins ist man sich, laut übereinstimmenden Aussagen von beiden Seiten, einig. Der Vertrag soll demnächst unterschriftsreif sein.

Suzuki in der Zwickmühle

Daneben zeigte aber ausgerechnet der im Vorjahr bereits angezählte Andrea Iannone mit zuletzt zwei Podestplätzen in Folge und Rang vier in der WM hervorragende Leistungen. Riskieren die Blauen aus Hamamatsu also den Austausch von Iannone gegen Lorenzo? Der Spanier wird sich kaum billiger verkaufen als der Italiener. Zudem ist Lorenzo seit dem Ducati-Debakel ein sportliches Risiko. Was, wenn ihm auch die Suzuki nicht liegt und man dafür den podestfähigen Iannone geopfert hat?

Lorenzo könnte am Ende zum ganz großen Verlierer werden, falls er bei Ducati nicht mehr will und er bei Suzuki außen vor bliebe. Dann würde sogar das Karriereende drohen, denn ein Wechsel zu Aprilia gilt als ebenso ausgeschlossen wie ein Transfer zu Repsol Honda - wie die Japaner in Jerez klarstellten.

Und sollte Lorenzo doch zu Suzuki wechseln? Dann wäre plötzlich Andrea Iannone zu haben. Aprilia soll interessiert sein, Ducati könnte ebenfalls eine Option darstellen, da Iannone seine Konkurrenzfähigkeit auf der Desmosedici bereits unter Beweis stellen konnte und weder Miller, noch Petrucci bislang mit herausragenden Leistungen eine zwingende Beförderung ins Werksteam rechtfertigen.

Yamaha und Suzuki auf Kundensuche

Große Fragezeichen stehen noch hinter Marc VDS. Das Team reibt sich aktuell in einem internen Streit zwischen Eigentümer Marc van der Straten und Teamchef Michael Bartholemy auf. Die Schlagzeilen fielen zuletzt so negativ ins Gewicht, dass sich der Rennstall sogar dazu gezwungen sah, per Presseaussendung seine ohnehin fix zugesagte Teilnahme an der MotoGP bis 2021 auch offiziell zu bestätigen.

Der Streit kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn mit Suzuki und Yamaha buhlen aktuell gleich zwei Hersteller um einen Vertrag mit dem belgischen Team. Franco Morbidelli soll 2019 auf ein werksunterstütztes Bike, so die Prämisse von Bartholemy für die Verhandlungen.

Je nachdem, welcher Hersteller den Zuschlag erhält, dürfte sich die Besetzung des zweiten Motorrads ändern. Parkt Suzuki am Ende gar Iannone bei Marc VDS? Oder macht die Kombination aus Yamaha und Valentino Rossi aus den Belgiern das offizielle B-Team der VR46 Academy und verhilft dem WM-Zweiten der Moto2, Academy-Fahrer Lorenzo Baldassarri, zum MotoGP-Aufstieg?

Marc VDS mit wichtiger Entscheidung

Die Entscheidung bei Marc VDS zieht sich in die Länge, denn ursprünglich wollte man bis Jerez eine finale Lösung präsentieren. Mit Spannung wird diese Entscheidung wohl auch bei den Hinterbänklern der MotoGP erwartet: Bei Avintia und dem Angel Nieto Team von Jorge Martinez.

Dort setzt man seit Jahren ein bis zwei Jahre alte Modelle von Ducati ein. Yamaha und Suzuki wollen unbedingt ein Satellitenteam für 2019, bei Marc VDS kann aber nur einer zum Zug kommen. Somit ist klar: Der unterlegene Hersteller wird sich nach weiteren Optionen umsehen, von denen es aufgrund laufender Verträge eben nur die beiden spanischen Nachzügler-Teams gibt. Somit hätten auch diese Rennställe wieder mehr Möglichkeiten bei der Fahrerwahl.

Die letzten offenen Fragen

Nach all den Spekulationen bleiben nur noch wenige offene Fragen. Da wäre einerseits jene nach der zweiten KTM bei Tech3 neben Miguel Oliveira. Teamchef Herve Poncharal sprach sich klar für Hafizh Syahrin aus, während KTM-Sportchef Pit Beirer alle Optionen offen ließ. Bradley Smith macht sich zwar noch Hoffnungen auf das Motorrad, aber weder Beirer, noch Poncharal machten dem Briten mit ihren Aussagen allzu viel Hoffnung.

Bei LCR Honda ist der Platz neben Cal Crutchlow auch noch zu haben, doch wenn sich Rookie Taka Nakagami so wenig zu Schulden kommen lässt wie in den ersten vier Rennen, dürfte er mit Unterstützung aus Japan sein Bike auch für 2019 halten. Ebenso gilt ein Verbleib von Aleix Espargaro bei Aprilia als wahrscheinlich - auch mangels Optionen für den Katalanen. Teamkollege Scott Redding hingegen ist fast ähnlich schwach wie Sam Lowes im Vorjahr, gibt bereits Durchhalteparolen in den sozialen Medien aus.

Aufgeblüht ist hingegen Tito Rabat auf der Ducati des Avintia-Teams. Mit P7 und P8 bei den beiden Rennen in Amerika holte er seine zwei besten MotoGP-Ergebnisse und gab sportlich seine Visitenkarte ab. Tom Lüthi gelang das bislang noch nicht - er wartet auch nach vier Einsätzen noch auf seine ersten Punkte. MotoGP-Verbleib: ungewiss.

Unwahrscheinlich ist, dass es 2019 wieder einen deutschen Fahrer in der MotoGP geben wird. Jonas Folger lebt nach wie vor aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Stefan Bradl wird in Brünn zwar per Wildcard ein Comeback bestreiten und könnte sich dort mit einer starken Leistung wieder auf die Agenda bringen. Zu diesem Zeitpunkt sollten allerdings die meisten Verträge bereits unter Dach und Fach sein.


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