MotoGP

MotoGP 2018: Die wichtigsten Fragen vor Saisonstart

Wer geht in der MotoGP als WM-Favorit ins Rennen? Welchen Teams und Fahrern droht der Absturz? Wer könnte überraschen? Die wichtigsten Fragen im Check.
von Michael Höller

Ist Marc Marquez auch 2018 WM-Favorit?

An einem Mann, der vier der letzten fünf Titel gewinnen konnte, führt kein Weg vorbei. Bei den Wintertests holte er nur eine einzige Tagesbestzeit, fand sich aber als einer von nur drei Fahrern an jedem der neun Testtage in den Top-10. Beeindruckend war vor allem seine Kilometer-Bilanz: Mit 646 Runden und einer Gesamtdistanz von 3.291 Kilometern war kein Fahrer in diesem Winter aktiver.

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"Marc könnte man wahrscheinlich auf drei verschiedene Fabrikate setzen und er würde auf jedem davon um den Titel fahren", analysiert Alex Hofmann unmittelbar vor Saisonstart im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Bei aller Euphorie für das spannende Finale im Vorjahr darf man nicht vergessen: Marquez hatte zu Saisonbeginn zwei Stürze und seine Honda in Silverstone einen Motorschaden. Diese Kombination hat ihn viele Punkte gekostet - nur deshalb waren die letzten Rennen des Jahres so spannend."

Kann Andrea Dovizioso erneut an der Spitze kämpfen?

2017 fuhr Dovizioso die mit Abstand beste MotoGP-Saison seiner Karriere. Der Vizeweltmeister schloss im Winter nahtlos an diese Leistung an. Dovizioso wies über die neun Testtage die beste Durchschnittsposition auf und war nie schlechter als Neunter. Bei Ducati dürfte er auch 2018 seinen Nummer-eins-Status gegenüber seinem prominenten Teamkollegen Jorge Lorenzo behaupten und somit erneut die Speerspitze der Italiener sein.

"Für mich hat Dovizioso im Vorjahr die größte menschliche Entwicklung gemacht", sagt Hofmann. "Er wusste stets um sein Talent, aber ich hatte bei ihm oft das Gefühl, dass er sich den letzten Schritt an die Spitze nicht zutraute und sich eine Stufe unter Leute wie Lorenzo oder Rossi einordnete. Diese Zweifel hat er sich im Vorjahr aber aus den Knochen gefahren. Ich denke, er ist nun überzeugt, dass er die Meisterschaft gewinnen kann."

Hat sich Yamaha vom Schock des Vorjahres erholt?

13 Podestplätze und nur 438 WM-Punkte - so schlecht wie im Vorjahr war Yamahas Werksteam zuletzt in der Saison 2007. Im Winter wollte man den Reset-Button drücken, ging auf eine alte Motorrad-Basis zurück, besserte beim Motor nach, nahm mit einer frühen Vertragsverlängerung Druck von den Schultern von Maverick Vinales. Doch am Ende hatte man wieder ähnliche Probleme wie im Vorjahr.

Vinales konnte zwar zwei Tagesbestzeiten erzielen, verpasste aber auch an vier der neun Testtage die Top-10. Valentino Rossi war etwas konstanter, schaffte es aber auch zu selten auf die Top-Platzierungen. Der konstanteste Fahrer auf einer Yamaha war Johann Zarco, dessen Tech3-Team aber Yamaha mit Saisonende in Richtung KTM verlässt.

"Yamaha wird keinen Spaß dran haben, Zarco permanent vor den Werks-Jungs zu sehen", so Hofmanns Einschätzung. "Da sich die Wege der beiden Teams am Saisonende trennen, befürchte ich, dass Zarco im Vergleich zu den Werksfahrern gegen Ende ein bisschen die Luft ausgehen wird." Ein Aufstieg Zarcos ins Werksteam ist ausgeschlossen: Vinales hat seinen Vertrag bereits verlängert, Rossis Unterschrift gilt nur noch als Formsache.

Welchen Fahrern ist eine Überraschung zuzutrauen?

Bei den Testfahrten überraschten vor allem Alex Rins und Jack Miller, die sich konstant in den mittleren Rängen der Top-10 festsetzen konnten. Rins hat bei Suzuki zudem den Vorteil, dass die Japaner aufgrund ihres erfolglosen Vorjahres ein höheres Motor-Kontingent (9) samt freier Weiterentwicklung des Aggregats zugestanden bekamen. Ducati, Honda und Yamaha genießen diese Vorteile nicht.

Wo sieht Hofmann das größte Potenzial für Überraschungen in der MotoGP-Saison 2018? "Vielleicht Alex Rins, der überzeugende Testfahrten abgeliefert hat und damit nahtlos an seine guten Leistungen zum Saisonende des vergangenen Jahres anschließen konnte. Aber auch bei Jack Miller ist die Frage: Was macht dieser wilde Hund auf der Ducati? Ist er der nächste Casey Stoner, der damit auf Anhieb zurechtkommt und sich wohlfühlt?"

Was erwartet Tom Lüthi von seinem MotoGP-Debüt?

Mit 31 Jahren gehört Tom Lüthi zu den älteren Debütanten der MotoGP-Geschichte. Sechs Siege und 16 Podestplätze holte er alleine in den vergangenen beiden Jahren in der Moto2, die er jeweils als Vizeweltmeister abschloss. Nach elf Jahren in der mittleren Klasse der WM muss der Schweizer in der Königsklasse freilich kleinere Brötchen backen.

"Klar ist: Ich muss meine Ziele runterschrauben und an die aktuellen Voraussetzungen anpassen. Ich werde hier nicht um Siege fahren und darauf muss ich mich mental einstellen", erklärte Lüthi im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Alex Hofmann sagt dem Schweizer eine harte Zeit voraus: "Er hat das Talent und fährt zurecht in der MotoGP - das steht außer Frage. Aber er kommt zu einem Zeitpunkt in die Meisterschaft, zu dem das fahrerische Niveau höher als je zuvor ist. Tom muss sich extrem reinhängen und aufpassen, dass er dabei den Spaß an der Sache nicht verliert."


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