MotoGP

Die Top-5 Blitz-Comebacks in der MotoGP

Valentino Rossi begeisterte bei seinem Blitz-Comeback in Aragon. Es war jedoch nicht das erste irre Unfall-Comeback in der MotoGP-Ära - wir blicken zurück:
von Michael Höller

5. Valentino Rossi 2010
Der Doktor kennt sich mit gebrochenen Beinen mittlerweile ganz gut aus. Denn seine diesjährige Verletzung ist bereits seine zweite dieser Art. 2010 erwischte es ihn ausgerechnet in Mugello. Im Training am Freitag stürzte er bei rund 190 km/h und zog sich einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch am rechten Unterschenkel zu. Wochenlang lag Rossi flach und verpasste gleich vier Rennen. Mit Schaudern erinnert er sich an diese Zeit zurück: "Ich konnte erst fünf oder sechs Tage nach der Operation wieder alleine auf die Toilette gehen", sagt Rossi, der seine damalige Verletzung mehrfach als deutlich dramatischer bezeichnete als die aktuelle. 42 Tage nach dem Unfall gab er am Sachsenring sein Comeback. Er hievte sich auf Krücken auf seine Yamaha und verpasste am Sonntag nach einem harten Kampf mit Casey Stoner nur knapp das Podest. Schon eine Woche später stand er in Laguna Seca als Dritter wieder auf dem Treppchen.

4. Marc Marquez 2014
2013 hatte er als Super-Rookie für Furore gesorgt und 2014 startete er dominant in den ersten Winter-Test in Sepang. Doch am 19. Februar ereilte ihn beim Dirt-Track-Training eine folgenschwere Verletzung: Marquez zog sich einen Drehbruch des rechten Wadenbeins zu und musste die weiteren Testfahrten in Sepang und auf Phillip Island sausen lassen. So kam er mit nur drei Tagen Erfahrung auf dem neuen Motorrad Mitte März nach Katar. 29 Tage nach seiner Verletzung bestieg er im 1. Training seine Honda und zeigte sich zunächst verhalten. Ab Samstag war Marquez aber wieder ganz der Alte: er sicherte sich zunächst die Pole Position und rang einen Tag später Valentino Rossi nach einem epischen Kampf nieder. 32 Tage nach seinem Unfall beim Dirt Track konnte er somit den ersten Siegerpokal des Jahres in die arabische Nacht hochstrecken. Es sollte der Auftakt zu historischen Dominanz werden: Bis Mitte August gewann Marquez zehn Rennen in Folge und krönte sich bereits in Motegi zum Weltmeister.

3. Casey Stoner 2012
Wenn man sich mitten im Titelkampf befindet, kennt man als MotoGP-Ass keine Schmerzen. Mit 32 Punkten Rückstand auf WM-Leader Jorge Lorenzo kam Casey Stoner 2012 nach Indianapolis. Im Qualifying unterlief ihm ein schrecklicher Highsider, bei dem er sich den rechten Knöchel vollkommen demolierte. Stoner riss sich dabei nicht nur diverse Bänder, sondern zertrümmerte sich auch einige Knochen. Er konnte den verletzten Fuß kaum belasten, doch vor den Rennärzten peitschte Honda im Hinblick auf den davonschwimmenden WM-Titel eine Starterlaubnis durch. Stoner lieferte sich unter Einfluss von Schmerzmitteln einen harten Kampf mit Andrea Dovizioso, dem er am Ende allerdings knapp den Vortritt auf das unterste Treppchen überlassen musste. Da er in der WM dadurch weiter an Boden verloren hatte, entschied sich Stoner für eine Operation des lädierten Knöchels. Drei Rennen verpasste er, ehe er in Motegi sein Comeback feierte und zwei Rennen später auf Phillip Island den letzten Sieg seiner Karriere holte.

2. Colin Edwards 2011
Das praktische am Grand Prix in Barcelona ist, dass MotoGP-Hausarzt Dr. Xavier Mir gleich um die Ecke Skalpell bei Fuß steht, wenn sich einer seiner Schützlinge mal weh tut. Colin Edwards hatte daher Glück, dass er sich ausgerechnet in Katalonien das rechte Schlüsselbein brach. Im Training war der Texaner gestürzt und hatte sich dabei die Verletzung zugezogen, die am Tag darauf von Dr. Mir mit einer Platte fixiert wurde. Edwards stand am Sonntag im Paddock schon wieder auf der Matte der Rennärzte und wollte eine Startfreigabe erzwingen. Die Mediziner konnten sich zu dieser Entscheidung aber nicht durchringen und so verpasste Edwards nach 141 Starts in Folge zum ersten Mal ein MotoGP-Rennen. In der darauffolgenden Woche durfte er in Silverstone aber wieder ran. In einem chaotischen Regenrennen raste Edwards auf seiner Tech3-Yamaha als Dritter auf das Podest - nur neun Tage nach seinem Schlüsselbeinbruch. Für Edwards war dieser Tag ein historischer: er sollte es danach nie wieder zu einer Siegerehrung schaffen.

1. Lorenzo in Assen 2013
Was Colin Edwards 2011 noch verwehrt wurde, boxte Yamaha zwei Jahre später für Jorge Lorenzo durch. Als WM-Zweiter kam der Mallorquiner mit nur sieben Punkten Rückstand auf Dani Pedrosa nach Assen. Im Training flog er auf nasser Strecke bei hoher Geschwindigkeit ab und brach sich das rechte Schlüsselbein. Sofort verfrachtete Yamaha seinen Titelanwärter nach Barcelona, wo sich Lorenzo unters Messer legte und der gebrochene Knochen mit einer Platte fixiert wurde. Nach dem Qualifying kehrte er nach Assen zurück und trat vor die Rennärzte. Diese gaben am Samstag vor dem Rennen die finale Freigabe und Lorenzo konnte in der Startaufstellung Platz nehmen. Da seine Trainingsbestzeit gehalten hatte und er damit direkt in Q2 eingezogen war, konnte er von Platz 12 starten. Im Rennen eroberte er Rang 5 und sorgte mit schmerzverzerrtem Gesicht und dicken Tränen für heroische Szenen. Zwei Wochen später fiel er erneut auf das verletzte Schlüsselbein, verschob die eingesetzte Platte und musste erneut operiert werden. Diesmal verzichtete er aber auf ein Antreten am Sonntag.

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