MotoGP

Marc Marquez: Volles Risiko bringt Big Point in Aragon

Marc Marquez beim MotoGP-Rennen in Aragon wieder einmal von seinem eigenen Killerinstinkt übermannt. Darum ging er volles Risiko:
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Von 0 auf 16 Punkte - Marc Marquez gelang beim MotoGP-Rennen in Aragon ein Big Point für die Weltmeisterschaft. Vier Rennen vor Schluss ist sein Vorsprung in der WM-Wertung so groß wie erst einmal zuvor in diesem Jahr: nach Spielberg. Die Scharte der Nullnummer von Silverstone ist somit wieder ausgewetzt.

Der fünfte Saisonsieg war einer, bei dem einmal mehr das Rennfahrerherz von Marquez über titeltaktische Überlegungen seines Gehirns gewonnen hat. Das gab er nach dem Rennen offen zu: "Ein Teil von mir hat zwischendurch gesagt: Beende einfach das Rennen. Aber der andere meinte: Du bist auf einer deiner Lieblingsstrecken mit vielen deiner Fans auf den Rängen - also attackiere."

Gesagt, getan! In der Anfangsphase lange hinter Andrea Dovizioso und Valentino Rossi, machte Marquez ab Rennmitte ernst: Ab Runde 10 war Dovizioso besiegt, zwei Runden später auch Rossi geschlagen. Und Marquez konnte sich auf die Jagd nach Jorge Lorenzo machen. "Als ich ihn direkt vor mir sah, war mit klar: Jetzt ist es Zeit, Druck zu machen."

Lorenzo gegen Marquez chancenlos

In der 16. der 23 Runden setzte Marquez das siegbringende Überholmanöver und verteidigte seine Führung bis zum Zielstrich. Am Ende wurde sogar Teamkollege Dani Pedrosa noch zum härtesten Konkurrenten, der bis zur karierten Flagge auf unter eine Sekunde an Marquez herankam. "Wenn ich heute kein Risiko genommen hätte, wäre ich nur Dritter geworden", analysierte der Sieger.

Dabei hatte Marquez vor dem Rennen kein gutes Gefühl. Aragon roch für ihn kurz vor 14 Uhr eher nach Schadensbegrenzung, denn nach einem Big Point für die WM. Marquez erklärte: "Ich hatte kein gutes Gefühl für das Motorrad. In der fünften Runde habe ich mich einmal umgedreht und gesehen, dass ein ganzer Haufen Fahrer direkt hinter mir fahren."

Zu diesem Zeitpunkt führte Maverick Vinales eine neun Mann starke Verfolgergruppe rund zwei Sekunden hinter Marquez an. "Da musste ich zum ersten Mal zulegen, um zu verhindern, gefressen zu werden und wichtige Punkte liegen zu lassen." Risiko hatte zu diesem Zeitpunkt in Marquez' Kopf bereits über Dosieren im Hinblick auf die WM gewonnen.

Risiko siegt über Dosieren

Diese Taktik hätte aber auch ins Auge gehen können, denn Marquez hatte einige Schreckmomente, wie er nach dem Rennen zugab: "In ein paar Kurven hat sich der Schalter in meinem Kopf wieder umgelegt", lachte er. "Vor allem die Rechtskurven waren kritisch und einige Male wäre ich beinahe gestürzt. Körperlich war das ganze Rennen sehr anstrengend. Denn über die komplette Distanz war das Rennen auch ein Kampf gegen mein Motorrad."

Am Ende wurde das Risiko aber mit dem fünften Saisonsieg belohnt. Ein Sieg, der noch süßer schmeckt weil Titelrivale Andrea Dovizioso nur Siebenter wurde und Maverick Vinales nicht über Rang vier hinauskam. Auf die schärfsten Widersacher hat Marquez nun 16 (Dovi) bzw. 28 Punkte Vorsprung. Für Rossi (-56 Punkte) und Pedrosa (-54 Punkte) könnten die theoretischen Titelträume sogar schon beim kommenden Rennen in Motegi ausgeträumt sein.

Marquez hingegen geht gestärkt auf die Fernost-Tour im Oktober. Von den letzten sechs Rennen konnte er vier gewinnen, binnen acht Rennen stand er sieben Mal auf dem Podest. Hält der amtierende Weltmeister diese Form, dann könnte er als vierfacher MotoGP-Champion aus Asien zurückkehren.


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