MotoGP

Top-5: Die erfolgreichsten Deutschen der Neuzeit mit Mang, Waldmann und Co.

Jonas Folger steigt 2017 in die MotoGP auf. In der jüngsten Vergangenheit der Weltmeisterschaft sorgten aber auch andere Deutsche für Furore.
von Markus Zörweg

1. Toni Mang

Nur einer der fünf Piloten in unserer Liste hat den offiziellen Status einer Legende der MotoGP-Weltmeisterschaft erreicht. Es ist kein Zufall, dass es sich hierbei um Toni Mang handelt. Fünf Weltmeistertitel hat er in seiner Karriere gewonnen, drei in der Klasse bis 250ccm und zwei bei den 350ern. Damit liegt er in der ewigen Rangliste der Mehrfach-Weltmeister zusammen mit Mick Doohan und Jorge Lorenzo auf dem zehnten Platz. Mit vier Titeln für Kawasaki ist er zusammen mit Kork Ballington Rekordchampion für die Marke in Giftgrün, seinen fünften und letzten Weltmeistertitel holte Mang 1987 auf Honda.

Toni Mang ist die einzige offizielle MotoGP-Legende aus Deutschland - Foto: Racepixs - Fritz Glänzel

Beeindruckende 42 Grand-Prix-Siege sammelte er in seinen 14 Saisons in der Weltmeisterschaft, ehe er 1988 im Alter von fast 39 Jahren von der großen Motorradbühne abtrat. Dem Sport blieb er aber treu, sei es mit seinem Toni-Mang-Training für ambitionierte Hobby-Fahrer oder als Unterstützer von deutschen Nachwuchspiloten. Außerdem geht Mang im eigenen Betrieb wieder seinem erlernten Beruf als Werkzeugmacher nach und entwickelt dort technische Geräte.

2. Stefan Bradl

Als sich Stefan Bradl 2011 in einem dramatischen Saisonfinish gegen den nach einem Highsider in Sepang von schweren Sehstörungen geplagten Marc Marquez durchsetzte und somit den Weltmeistertitel in der Moto2-Klasse holte, erlöste er damit die deutsche Motorradnation. 17 Jahre lang hatte zuvor kein Fahrer für Schwarz-Rot-Gold eine WM eingefahren, Dirk Raudies war 1993 der letzte gewesen. Die logische Folge nach Bradls Spitzensaison mit vier Siegen und elf Podien war der Aufstieg in die Königsklasse, wo er im Honda-Kundenteam von Lucio Cecchinello unterkam.

MSM TV: Stefan Bradl & Sandro Cortese im Interview: (3:29 Min.)

Bradl überzeugte von Beginn an und wurde in seiner Debütsaison zum Rookie of the Year gekürt. 2013 gelang Bradl dann etwas, das vor ihm noch kein anderer Deutscher in der Geschichte der MotoGP geschafft hatte: Er fuhr im Grand Prix der USA in Laguna Seca auf die Pole Position und beendete das Rennen als Zweiter auf dem Podium. 2014 kam es nach einem langwierigen Transferpoker aber zum Abschied Bradls von LCR und dem Wechsel zum Forward-Racing-Team. Nach einer desaströsen ersten Saisonhälfte nutzte Bradl den Rausschmiss Marco Melandris bei Aprilia und heuerte bei den Italienern an. Seitdem darf er sich Werkspilot in der MotoGP nennen.

3. Dirk Raudies

Mit nur einem Grand-Prix-Sieg auf dem Konto ging Dirk Raudies in die Saison 1993, seine insgesamt fünfte in der Motorrad-Weltmeisterschaft. In diesem Jahr sollte der Stern des Mannes mit dem markanten Schnauzbart aber so richtig aufgehen. Raudies wurde zum Überflieger der 125ccm-Klasse, gewann nicht weniger als neun der 14 Saisonrennen und stand gleich elf Mal auf dem Podium der ersten Drei. Kein Wunder also, dass sich Raudies gegen seinen schärfsten Konkurrenten Kazuto Sakata durchsetzte und am Ende zum Weltmeister krönte.

Der heutige TV-Experte Dirk Raudies (links) wurde 1993 125er-Weltmeister - Foto: Tobias Linke

In den nächsten Jahren folgten für Raudies weitere Grand-Prix-Siege, insgesamt vier an der Zahl. Gesamtrang vier 1994 blieb da aber das Maximum, an seine überragende Saison 1993 konnte er nie mehr ganz anschließen. Aufgrund seiner schmächtigen Statur mit einer Größe von nur 1,62 Metern und einem Gewicht um die 50 Kilogramm blieb Raudies seine gesamte Karriere über der 125ccm-Klasse treu. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere heuerte er bei Eurosport an, wo er seither Rennen der Motorrad-Weltmeisterschaft und der Superbike-WM kommentiert.

4. Sandro Cortese

Ein Blitzstarter in der Motorrad-Weltmeisterschaft war Sandro Cortese einst nicht. Bis in seine siebte Saison in der 125ccm-Klasse dauerte es, ehe er in Brünn für das Racing Team Germany erstmals ganz oben auf dem Podium stand. Das war 2011. Im folgenden Jahren aber wurde die kleinste Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft zur Moto3, Cortese wechselte von Aprilia auf KTM und zeigte plötzlich so richtig auf.

Mega-Party für Cortese: (3:00 Min.)

Fünf von 17 Saisonrennen gewann er und krönte sich in Sepang mit noch zwei zu fahrenden Grands Prix zum ersten Moto3-Weltmeister überhaupt und zum ersten KTM-Champion in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft. In der Folgesaison 2013 stieg Cortese mit dem Titel im Gepäck eine Klasse in die Moto2 auf. An die Erfolge seiner Moto3-Zeit konnte er im eigens für ihn geschaffenen Intact-GP-Team bisher aber nicht anschließen, in den ersten drei Saisons reichte es für Cortese nur zu zwei Podiumsplatzierungen, bestes Gesamtergebnis war ein neunter Platz 2014.

5. Ralf Waldmann

20 Grand-Prix-Siege hat Ralf Waldmann in den insgesamt 169 Rennen seiner Weltmeisterschaftskarriere, die sich mit Unterbrechungen von 1986 bis 2009 zog, eingefahren. Das sind deutlich mehr Erfolge, als etwa Stars wie Wayne Gardner, Nicky Hayden oder Kenny Roberts Junior gelangen. Dennoch haben diese drei Herren und zig andere Piloten der Geschichte dem mittlerweile bald 50-jährigen Waldmann eines voraus - den Gewinn eines Weltmeister-Titels!

Ralf Waldmann war ein Titel nie vergönnt - Foto: Milagro

Oft war er nah dran, 1996 und 1997 etwa wurde er mit sechs beziehungsweise zwei Punkten Rückstand auf Max Biaggi Vizeweltmeister, doch für den ganz großen Triumph hat es bei 'Waldi' nie gereicht. Seine 20 GP-Siege zusammen mit insgesamt 50 Podiumsplatzierungen, zehn Pole Positions und 1.668 Zählern in den Klassen bis 80-, 125-, 250- und 500ccm machen Waldmann, der seit dieser Saison als MotoGP-Experte für Eurosport im deutschsprachigen TV zu sehen ist, dennoch zu einer Legende des deutschen Motorradsports.

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