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MotoGP

Rundenzeiten lügen nicht - Rennanalyse: Hat Marquez Rossi wirklich gebremst?

Genug geredet. Hat Marc Marquez Valentino Rossi vor ihrer Kollision wirklich absichtlich eingebremst? Wir lassen in unserer Rennanalyse die Fakten sprechen.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Nach der dramatischen Eskalation des Duells Valentino Rossi gegen Marc Marquez am Sonntag in Sepang wurde viel geschimpft, beschuldigt und beleidigt. Bei all den verbalen Kämpfen blieb kaum Zeit für Fakten. Dass Rossis Manöver, das schließlich zum Sturz Marquez' führte, zu hart war, hat die Rennleitung bereits entschieden. Er wurde mit drei Strafpunkten belegt. Der Einspruch Yamahas wurde abgeschmettert. Rossi startet in Valencia vom Ende des Feldes. Eine weitere Diskussion darüber ist müßig. Die Frage, die bleibt, ist aber, ob Rossi zumindest einen triftigen Grund hatte, gegen Marquez dermaßen hart zur Sache zu gehen. Rossi war ja überzeugt, sein Widersacher hätte ihn bewusste blockiert, um ihm im Titelkampf zu schaden. Was ist dran an Rossis Anschuldigungen? Wir haben Marquez' Rennen in seine Einzelteile zerlegt und interessante Beobachtungen gemacht.

Marquez mysteriöser Einbruch

Schon nach dem zweiten Durchfahren von Kurve eins im Grand Prix von Malaysia lagen die Big-Four Pedrosa, Marquez, Lorenzo und Rossi in dieser Reihenfolge auf den ersten Rängen. Etwaige Unregelmäßigkeiten durch Positionswechsel mit weiteren Piloten in der Startphase, wie denen von Lorenzo mit den Ducati-Piloten Dovizioso und Iannone, treten zu diesem Zeitpunkt also bereits nicht mehr auf. In dieser ersten aussagekräftigen Runde zwei markiert Lorenzo den schnellsten Umlauf in 2:00.606 Minuten, Pedrosa und Marquez liegen im Bereich von zwei Zehntelsekunden darüber. Rossi verlor gut sechs Zehntel in dieser Runde.

Pedrosa, Lorenzo und Marquez fuhren im ersten wirklich zählbaren Umlauf also ziemlich auf Augenhöhe, doch das sollte sich in Runde drei ändern. Während Pedrosa, Lorenzo und auch Rossi ihre Pace aus Runde zwei fast genau hielten, wurde Marquez plötzlich um fast 1,2 Sekunden langsamer. Ein Indiz für eine absichtliche Einbremsung gegen Rossi? Nun, zur Verteidigung Marquez' muss gesagt werden, dass er in Kurve vier einen Fehler hatte und etwas von der Strecke abkam, wodurch auch Lorenzo durchschlüpfte.

Lorenzo fuhr nicht lange hinter Marquez - Foto: Repsol

"An dieser Stelle hatte ich schon das ganze Wochenende Probleme", rechtfertigte sich Marquez. Diese Aussage ist ohne Zweifel korrekt. Doch in Sektor zwei, zu dem eben auch diese Kurve vier gehört, verlor Marquez nur gut sechs Zehntelsekunden. Wo sind die restlichen sechs Zehntel geblieben?

Marquez' plötzlicher und vor allem deutlicher Abfall in der Rundenzeit bei gleichbleibenden Zeiten seiner drei Konkurrenten an der Spitze ist auffällig. Er ist ein Hinweis darauf, dass er Rossi wohl bewusst gebremst hat. Ein Beweis ist er aber auf keinen Fall. Die folgenden Runden sprechen dann sogar, rein zeitlich betrachtet, eher gegen eine Bremsaktion von Marquez. Trotz der vielen harten Überholmanöver waren Rossi und Marquez teilweise nur drei bis fünf Zehntelsekunden pro Runde langsamer als Pedrosa und Lorenzo an der Spitze.

Trotz Zweikämpfen schnell unterwegs: Rossi und Marquez - Foto: Yamaha

Ein absolut normaler, ja sogar eher geringer Wert. Beim großen fahrerischen Können von Marc Marquez könnte man vermuten, es wäre ihm möglich, einen anderen Fahrer stärker einzubremsen, wenn er wollte. Wie auch immer, es gibt keine Beweise gegen Marquez und selbst wenn hat er maximal unfair, nicht aber regelwidrig gehandelt, wie auch Rennleiter Mike Webb bestätigte: "Man kann sicher hinterfragen, ob das der Spirit dieser Weltmeisterschaft sein soll, aber etwas Verbotenes hat Marquez nicht gemacht." Daher kommt hier der Grundsatz 'Im Zweifel für den Angeklagten' zum Tragen. Freispruch Marquez.

Rossi bleibt Beweis schuldig

Nun stellt sich natürlich noch die Frage, ob Rossi denn alleine schneller fahren konnte? Nun, in den ersten beiden Runden nicht, das haben wir bereits geklärt. Auch nach dem Sturz von Marquez war Rossi stets langsamer als Pedrosa und Lorenzo an der Spitze. Ob das daran lag, dass er nach der Kollision bereits über fünf Sekunden hinter dem Spitzenduo zurücklag und somit eigentlich keine Chance mehr hatte, sie einzuholen, oder ob er wirklich nicht schneller konnte, werden wir nicht mehr erfahren. In Anbetracht von Rossis toller Pace an diesem Wochenenden ist es möglich, bleibt aber Spekulation.


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