MotoGP

Ein Jahr voller Pleiten und Pannen - Saisonbilanz 2014: Stefan Bradl

Stefan Bradl knallte 2014 auf den harten Boden der Realität. Im wahrsten Sinne des Wortes und auch sprichwörtlich. Was bleibt von seiner Saison im Gedächtnis?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Stefan Bradls Achterbahnfahrt in der MotoGP erlebte in seinem dritten Jahr eine Fortsetzung. Nachdem er 2013 in neue Höhen geschnellt war, ging es in der abgelaufenen Saison allerdings deutlich öfter nach unten als nach oben. Am Ende verlor er sein Motorrad und bekommt in der kommenden Saison die Chance auf einen Neuanfang.

Der Fahrer

Für Stefan Bradl begann die Saison mit einem Paukenschlag, der ein verhängnisvolles Jahr einläuten sollte. Acht Runden lang führte Bradl das Feld an, ehe er über das Vorderrad stürzte und statt eines möglichen Podiumsplatzes die erste Null der jungen Saison schrieb. Es sollte nicht der einzige Crash Bradls in einem Rennen bleiben. In Mugello wurde er von Cal Crutchlow abgeräumt, in Indianapolis und auf Phillip Island fungierte er selbst als Torpedo und kegelte jeweils Aleix Espargaro von der Strecke. In Misano kam ein weiterer selbst verschuldeter Crash hinzu.

Bradls Sturz in Katar: (02:28 Min.)

Das Umbauen der Hinterradfederung hat zu lange gedauert und die Mechaniker haben ein Teil verloren.
Bradl am Sachsenring

Die bitterste seiner sechs Nullnummern fuhr Bradl allerdings bei seinem Heimrennen auf dem Sachsenring ein. Unter wechselhaften Bedingungen steuerten nach der Einführungsrunde alle Top-Piloten die Box für einen Wechsel auf das Trocken-Bike an, während Bradl mutterseelenalleine in der ersten Reihe der Startaufstellung stand. Zuvor hatte er im Grid sein Setup umbauen lassen, um einen Vorteil gegen die Konkurrenz zu haben. "Das Umbauen der Hinterradfederung hat zu lange gedauert und die Mechaniker haben ein Teil verloren. Daher hatten wir keine Chance mehr, auch vorne noch umzustellen", ärgerte sich Bradl. Mit halbgarem Hybrid-Setup wurde er im Rennen durchgereicht und kam nur als 16. ins Ziel.

Auf der positiven Seite hat Bradl vierte Plätze nach starken Leistungen in Austin, Aragon und Sepang zu Buche stehen. In Argentinien und Barcelona schaffte er es immerhin auf Platz fünf. In der Endabrechnung ging es im Vergleich zu seinen ersten beiden MotoGP-Jahren deutlich bergab: Mit Rang neun war Bradl 2014 in der Gesamtwertung so schlecht klassiert wie bislang noch nie in der Königsklasse, mit 117 Punkten holte er so wenige wie zuletzt im Jahr 2010 in der Moto2.

Das Team

Bradl crashte mehrfach aus Eigenverschulden - Foto: Milagro

Bradls wechselhafte Leistungen sorgten dafür, dass sich Hondas Teamführung nach Alternativen umsah. Schon seit Saisonbeginn setzen die HRC-Bosse Shuhei Nakamoto und Livio Suppo den Deutschen über die Medien unter Druck und je weiter die Saison voranschritt, desto unsicherer wurde Bradl. LCR-Teamchef Lucio Cecchinello - seit Anbeginn der MotoGP-Karriere des Deutschen ein großer Fürsprecher - musste den Wünschen von Honda schließlich nachgeben und ihm ein Factory Bike für 2015 verwehren. Zwar konnte sich der Italiener Ende Juli ein zweites Bike sichern, das er Bradl geben wollte, doch der hatte zu diesem Zeitpunkt bereits bei Forward Yamaha unterschrieben. So kam es zu einer ungewollten Trennung unter unglücklichen Umständen.

Das Motorrad

Schon im Laufe der Saison 2013 hatte Honda Bradls Factory Bike von den bockigen Nissin-Bremsen befreit. Mit Brembo und Öhlins-Federung erwarteten sich die Japaner vom Deutschen allerdings auch eine Leistungssteigerung. Während die beiden Werksfahrer Marc Marquez und Dani Pedrosa ihre RC213V an beinahe jedem Wochenende auf das Podium trugen, blieb Bradl dieser Gang in 18 Rennen 18 Mal verwehrt.

Eine richtige Liebesbeziehung wollte zwischen Bradl und der RC213V nicht aufkommen - Foto: Honda

"Ich habe nicht das richtige Gefühl für das Vorderrad", war Bradls Paradesatz in der abgelaufenen Saison. Ein Setup-Problem, das er bis zum Schluss nicht lösen konnte. Die unzähligen Stürze - die oft wegen eines eingeklappten Vorderrades passierten - machten das Vertrauen in sein Motorrad jedenfalls nicht besser. Das Verhältnis zur RC213V blieb daher über weite Teile der Saison ein angespanntes. Weil Honda von der Maschine mehr erwartete, als der Mensch Bradl am Ende leisten konnte.

Redaktionskommentar

Bradls Saison stand aufgrund eines Mix aus überzogenen Erwartungen, unglücklichen Zwischenfällen und eigener Unsicherheit von Beginn an unter keinem guten Stern. Sie gipfelte in seiner bislang schlechtesten Bilanz in drei Jahren MotoGP und im Verlust seiner Factory Honda. Stefan Bradl ist zwar ein exzellenter Motorradfahrer, aber weder so schnell so schnell wie Marc Marquez, noch so abgebrüht wie Valentino Rossi oder so voller unbändigem Ehrgeiz wie Jorge Lorenzo. 2015 kann Bradl im beruhigteren Umfeld bei Forward einen Neustart wagen.(Michael Höller)


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