Am Samstagabend haben Karel Abraham und sein Sohn Karel Abraham Jr. das Cardion ab Ducati MotoGP Team vorgestellt, das im kommenden Jahr an den Start gehen wird. Damit wird neben dem Werksteam, Pramac und Aspar noch eine sechste Maschine von Ducati im Einsatz sein. Für Abraham Sr. wurde mit der Bekanntgabe des Teams ein Traum wahr. Die Entscheidung zum Aufstieg hatte er getroffen, nachdem sein Sohn vor kurzem im Motorland Aragon einen guten Test auf der MotoGP-Ducati hatte.
"Wir machten einen zweitägigen Test, der zur gleichen Zeit wie der Moto2-Test in Aragon war. Wir überließen es Ducati, zu entscheiden, ob der Fahrer gut genug ist, um in die MotoGP zu kommen. Nach diesem Test erkannte ich, dass er stark genug ist. Es war aber auch eine Entscheidung des Fahrers, denn er zweifelte ein wenig an sich. Nach dem sehr positiven Feedback von Ducati, konnten wir unsere Teilnahme entscheiden", sagte Abraham Sr.
Rundum-Service
Der Junior musste betonen, dass nicht nur das Unternehmen seines Vaters hinter dem Einstieg in die MotoGP steckt, sondern mehrere Firmen. "Wir haben jetzt eine Vereinbarung mit Ducati, fühlen uns stark genug und freuen uns auf nächste Saison." Ducati MotoGP Projekt Manager Alessandro Cicognani betonte, dass die Cardion ab Mannschaft genauso behandelt werden wird, wie die anderen Kundenteams. Man wolle den Satelliten-Teams nicht nur Teile liefern, sondern auch Input, erklärte er. "Wir werden sogar einen Chef-Ingenieur, einen Mechaniker und einen Ersatzteil-Manager stellen. Das ist normal bei unseren Satellitenteams."

Er rechnete aber auch damit, dass 2011 eine harte Aufgabe für Ducati werden könnte, wenn man sich um sechs Fahrer im Feld kümmern muss. "Ich denke aber, es ist wichtig, so viele zu haben, nicht nur für Ducati, sondern für die Weltmeisterschaft. Wir freuen uns, dass wir diesen neuen Deal haben." Nicht ganz so riesengroß war die Freude bei Casey Stoner, der in seiner Presserunde am Samstagnachmittag bereits danach gefragt wurde, was er davon hält, wenn sich Fahrer einfach ihren Platz in der MotoGP erkaufen können. Dabei fand der Australier doch recht klare Worte.
Warum nicht einfach die Topfahrer?
"Es ist seit Jahren so. Schon früher, als ich mir die 500er angesehen habe oder in den vergangenen Jahren auch in der MotoGP, habe ich viele Leute gesehen, die nicht da sein sollten, aber das Glück hatten, Sponsoren aufzutreiben, um ihren Platz zu finanzieren. Karel hatte in der Moto2 und den 250ern ein paar gute Ergebnisse, wir werden sehen müssen, was er drauf hat. Ich will mir darüber noch kein Urteil bilden, aber persönlich sehe ich viele Leute im Paddock, die so einen Platz eher verdienen. Es ist frustrierend, dass das Paddock nicht einfach die Topfahrer aus den Klassen nimmt und sie nach oben bringt. Wer mit Geld kommt und genug zahlen kann... so war das viele Jahre. Manche Leute kamen aber auch mit Geld, niemand hat etwas erwartet und sie haben alle überrascht. Das könnte ihm [Abraham] also Motivation verleihen, gute Ergebnisse zu liefern. Wir müssen sehen, was er drauf hat", meinte Stoner.
Den positiven Aspekt an der Sache wollte er aber nicht außer Acht lassen: mit Abraham ist zumindest eine weitere Maschine in der MotoGP auf der Strecke. So fehlte am Samstag im Qualifying Alvaro Bautista wegen seines Sturzes am Morgen, damit waren nur 16 Maschinen unterwegs. "Da musst du dann nur ins Ziel kommen und hast Punkte quasi sicher", sagte Stoner. Er wurde dann auch noch konkret gefragt, ob jemand wie Andrea Iannone nicht eher geeignet wäre, den Sprung nach oben zu machen. "Iannone wäre beängstigend, aber er wäre eine sicherere Sache als Abraham. Der hat nicht wirklich was gezeigt und Andrea hat viel mehr erreicht als Abraham."
Einige haben mehr Glück als andere
Daher war es für den Australier klar, dass Iannone theoretisch auch in der MotoGP die besseren Leistungen bringen müsste und damit auch die bessere Wahl wäre. So liefe es aber im Motorsport eben. "Vielleicht gibt es sogar in nationalen Meisterschaften Leute, die hier bei uns fahren sollten. Da sind Leute, die nie die richtigen Maschinen bekamen, die nie die passenden Möglichkeiten hatten, aber leider läuft es eben so. Wir müssen auf uns schauen und für uns die Leistung bringen. Und dann haben einige Leute eben mehr Glück als andere."

diese MotoGP Nachricht