Die lange Rennwoche zu den 24 Stunden von Daytona 2026 (24.-25. Januar) hat am vergangenen Wochenende mit den offiziellen Testfahrten ihren Lauf genommen. Beim 'Roar before the Rolex' waren die Rollen klar verteilt: Porsche belegte die vorderen drei Plätze in der kombinierten Zeitenliste. Die Zuffenhausener gelten nach ihren aufeinanderfolgenden Daytona-Siegen 2024 und 2025 als heiße Anwärter auf den Hattrick am Daytona International Speedway.

Felipe Nasr sicherte sich im #7 Porsche 963 (Felipe Nasr/Julien Andlauer/Laurin Heinrich) schon zum Auftakt am Freitag die Bestzeit, die durch die insgesamt sechs Sessions hindurch Bestand haben sollte. Der frühere Formel-1-Fahrer aus Brasilien, der Porsche in den vergangenen beiden Jahren zum Daytona-Gesamtsieg führte, benötigte 1:36.327 Minuten für seine schnellste Runde - knapp eine halbe Sekunde langsamer als die beste Rennrundenzeit aus dem Vorjahr.

24h Daytona 2026: Testfahrten (Kombiniertes Ergebnis)

Pos.AutoFahrerRückstand
1#7 Porsche Felipe Nasr/Julien Andlauer/Laurin Heinrich1:36.327
2#85 JDC-PorscheNico Pino/Kaylen Frederick/Tijmen van der Helm+0,004
3#6 Porsche Laurens Vanthoor/Kevin Estre/Matt Campbell+0,108
4#10 WTR-CadillacRicky Taylor/Filipe Albuquerque/Will Stevens+0,404
5#24 BMWDries Vanthoor/Sheldon van der Linde/Robin Frijns/Rene Rast+0,415
6#40 WTR-CadillacJordan Taylor/Louis Deletraz/Colton Herta+0,574
7#31 AXR-CadillacJack Aitken/Earl Bamber/Frederik Vesti/Connor Zilisch+0,659
8#25 BMW Philipp Eng/Marco Wittmann/Kevin Magnussen/Raffaele Marciello+0,820
9#60 AcuraTom Blomqvist/Colin Braun/Scott Dixon/AJ Allmendinger+0,968
10#93 AcuraRenger van der Zande/Nick Yelloly/Alex Palou/Kaku Ohta1,017
11#23 Aston Martin Ross Gunn/Roman De Angelis/Alex Riberas/Marco Sorensen1,202

Kundenteam überrascht mit 'altem' Porsche

"Es war wichtig und gut, zahlreiche Daten und Eindrücke zu sammeln", sagte Nasr. "Im Fokus standen unter anderem die Reifen, denn Michelin hat zur Saison eine neue Spezifikation erarbeitet." Die Porsche-Fahrer erzielten ihre schnellsten Rundenzeiten am kühlen Freitagvormittag, bevor die Temperaturen in den folgenden Tagen anstiegen. Für das lange Rennen sind aktuell zwischen 10 und 22 Grad vorgesagt, mit einer leichten Regen-Wahrscheinlichkeit für den Sonntag.

Eine kleine Überraschung folgte auf dem zweiten Platz: Hier landete nicht der zweite Werks-Porsche von Penske, sondern stattdessen das Kunden-Fahrzeug des US-Rennstalls JDC-Miller Motorsports (Nico Pino/Kaylen Frederick/Tijmen van der Helm). Dem ehemaligen WEC-Piloten Nico Pino fehlten mit einer persönlichen Bestzeit von 1:36.331 Minuten nur 0,004 Sekunden zu Spitzenreiter Nasr. Der knallgelbe #85 Porsche fährt ohne die letzten Technik-Updates und nutzt stattdessen den Stand von 2025. Das ist erst seit diesem Jahr erlaubt.

Porsche bei den 24 Stunden von Daytona
Der JDC-Miller-Porsche fährt mit dem technischen Stand von 2025, Foto: Porsche AG/Jürgen Tap

"Der Porsche 963 funktionierte makellos"

Das Porsche 1-2-3 machte Laurens Vanthoor im #6 Penske-Porsche (Laurens Vanthoor/Kevin Estre/Matt Campbell) perfekt. Dem früheren WEC-Weltmeister fehlten 0,108 Sekunden zur Spitze. Dazu sei angemerkt: Rundenzeiten bei Testfahrten sollten stets mit Vorsicht genossen werden, weil die Teams ihre Karten meist nicht vollständig auf den Tisch packen. Gerade bei den 24 Stunden von Daytona geht es darum, während der Schlussphase in der Führungsrunde zu fahren und ein schnelles Auto für den finalen Sprint bis zum Zieleinlauf zu haben.

"Der Porsche 963 funktionierte makellos, die Fahrer lieferten starke Leistungen ab", sagte Porsches LMDH-Werksleiter Urs Kuratle. "Die Ergebnisse von JDC-Miller MotorSports zeigen, dass unserer Kundenmannschaft über den Winter ebenfalls ein spürbarer Fortschritt gelungen ist. Wir sind für den Saisonstart optimal vorbereitet, werden das Kräfteverhältnis aber erst in der Rennwoche einschätzen lernen."

Rene Rast: "Im Moment fehlt es uns noch etwas an Performance"

Den bestplatzierten Nicht-Porsche beförderte Filipe Albuquerque auf den vierten Rang. Der Cadillac-Pilot von Wayne Taylor Racing fuhr seine schnellste Runde am Samstag und brauchte 1:36.731 Minuten - 0,404 Sekunden fehlten dem früheren DTM-Piloten im #10 Cadillac V-Series.R (Ricky Taylor/Filipe Albuquerque/Will Stevens) zur Spitze. Zwischen Albuquerque und den sechstplatzierten Louis Deletraz im zweiten WTR-Cadillac mit der #40 schob sich Sheldon van der Linde im #24 BMW M Hybrid V8 (Dries Vanthoor/Sheldon van der Linde/Robin Frijns/Rene Rast).

Der BMW-Werksfahrer aus Südafrika legte seine schnellste Runde in 1:36.435 Minuten zurück. Für BMW ist jeder Test-Kilometer doppelt wichtig: Zum einen haben die Münchner ihrem LMDh-Boliden ein großes Aero-Update, unter anderem mit einer kleineren Niere an der Frontpartie, verpasst. Zum anderen steht das Team WRT vor seinem IMSA-Debüt in der GTP-Topklasse. Der belgische Rennstall hat die Arbeit von RLL übernommen und kann nur auf seine Erfahrungen aus der WEC zurückgreifen.

"Natürlich braucht es bei so vielen neuen Leuten im Team und in einer für WRT neuen Rennserie etwas Zeit, bis alles perfekt läuft", sagte van der Lindes Teamkollege Rene Rast. "Aber mein Eindruck nach dem Roar ist positiv. Alles hat gut funktioniert, und wir konnten alle Testsessions ohne technische Probleme absolvieren. Im Moment fehlt es uns noch etwas an Performance, daher müssen wir die Trainings kommende Woche gut nutzen, um die Balance des Autos zu verbessern."

BMW bei den 24 Stunden von Daytona
WRT setzt den BMW M Hybrid V8 erstmals in der IMSA ein, Foto: BMW M Motorsport

24h Daytona: Aston Martin Schlusslicht bei Testfahrten

Nach dem Roar-Test geht es am kommenden Donnerstag ab 10:05 Uhr Ortszeit (16:05 Uhr deutscher Zeit) weiter mit den Freien Trainings. Auch das Qualifying steht bereits am Donnerstag auf dem Plan, wenngleich die Startplätze bei einem 24-Stunden-Rennen nicht allzu entscheidend sind. Der Schwester-BMW mit der Startnummer #25 (Philipp Eng/Marco Wittmann/Kevin Magnussen/Raffaele Marciello) belegte den achten Platz hinter dem Action-Express-Cadillac. "Bei der Balance des Fahrzeugs sind wir noch nicht da, wo wir hinmüssen, wenn wir am kommenden Wochenende um den Sieg kämpfen wollen", meinte der frühere Formel-1-Fahrer Kevin Magnussen.

Die beiden Acura ARX-06 von Meyer Shank Racing und das einzige LMH-Auto im Starterfeld, der Aston Martin Valkyrie, folgten auf den Plätzen neun, zehn und elf in der kombinierten Zeitenliste. Den Acuras fehlte rund eine Sekunde zum schnellsten Porsche, dem Aston Martin 1,2 Sekunden. Das britische Team verpasste wegen eines Motorenwechsels am Samstag allerdings einiges an Streckenzeit. Aston Martin gibt sein Debüt in Daytona mit dem V12-Prototypen, nachdem das Team letztes Jahr den IMSA-Saisonauftakt ausgelassen hatte.

In der mit 13 Autos besetzten LMP2-Klasse setzte sich Charles Milesi in der #11 von TDS Racing (Tobi Lütke/Mathias Beche/David Heinemeier Hansson/Charles Milesi) mit dem deutsch-kanadischen Shopify-Gründer Tobi Lütke vor der #2 von United Autosports (Phil Fayer/Ben Hanley/Hunter McElrea/Mikkel Jensen) durch. In der GTD-Pro-Klasse lagen die Mercedes-AMG GT3 von 75 Express und Winward Racing an der Spitze, während sich das Aston-Martin-Team Magnus Racing in der GTD-Kategorie vor dem #66 Gradient-Ford-Mustang GT3 durchsetzte.