Erster Akt im Titeldrama: Pascal Wehrlein hat sich beim vorletzten Saisonrennen der Formel E in London (heute live ab 16:00 Uhr) die Pole Position gesichert. Damit sammelt der Porsche-Werksfahrer wertvolle drei Punkte für den WM-Kampf, der an diesem Wochenende in der britischen Metropole entschieden wird. Wehrlein hat nun nur noch zwei Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Jake Dennis im Andretti-Porsche. Für den Weltmeister von 2024 ist es die 13. Pole in der Elektroweltmeisterschaft und die zweite in dieser Saison.
Im Finale der Duell-Phase setzte sich Wehrlein mit einer Zeit von 1:07.587 Minuten um 1,143 Sekunden gegen seinen Teamkollegen Nico Müller durch. Der große Abstand ergibt sich dabei, da Müller am Ende seiner Runde zugunsten Wehrleins verlangsamte. Müller hat zwar ebenfalls noch rechnerische Titelchancen, liegt jedoch ganze 44 Zähler zurück. „Es ist klar, wenn drei Punkte in dieser Meisterschaft am Ende den Unterschied machen können, werden wir uns nicht gegenseitig im Weg stehen“, stellte Müller im Anschluss klar. Schon im Halbfinale hatte Wehrlein Hilfe erhalten. Hier ging Dan Ticktum vom Porsche-Kundenteam Cupra Kiro vom Gas und belegte schlussendlich Rang vier.
Dan Ticktum hilft Porsche: Habe noch kein Cockpit für nächstes Jahr
“Du musst manchmal deinen Beitrag leisten. Meine Titelchancen sind schon lange weg“, so Ticktum im Anschluss. „Ich hoffe, es hilft Porsche.“ Ein Eigeninteresse verschwieg der Brite dabei nicht: „Es ist lustig, weil ich für nächstes Jahr noch kein Cockpit habe.“ Zwischen das Porsche-Werksduo und Ticktum schob sich mit Mitch Evans (Jaguar) der aktuelle WM-Zweite, der nun punktgleich mit Wehrlein ist.
Wehrlein musste dabei zu Beginn des Qualifyings aber eine brenzlige Szene überstehen, als er und Felipe Drugovich im Kundenporsche von Andretti sich zu nahe kamen und sogar einen leichten Kontakt verzeichneten. „Ich werde nach ihm Ausschau halten“, fluchte ein aufgebrachter Wehrlein im Anschluss am Teamfunk. „Das kann er nicht mit mir machen.“ Dies rief Porsche-Teamchef Florian Modlinger auf den Plan. „Wir fokussieren uns auf das Qualifying und Rennen. Auf nichts anderes“, wies Modlinger seinen Piloten an. Mit Erfolg: In der Gruppenphase holte Wehrlein die Bestzeit.
Wilde Szenen zwischen WM-Führendem und Nyck de Vries
Dies blieb jedoch nicht der einzige Kontakt für einen Andretti-Piloten. Nur wenige Minuten später versuchte sich Dennis an Nyck de Vries vorbeizuschieben. Doch de Vries sah das für ein Qualifying ungewöhnliche Manöver wohl nicht kommen, wodurch es in Kurve 19 zum Kontakt der beiden Piloten kam. Auch in den Runden danach bekriegten sich beide Piloten in von außen irritierenden Szenen fast wie in einem Rennen, wobei de Vries Dennis nicht vorbeiließ. „Was tun wir hier“, beklagte sich Dennis am Funk. „Das ist eine glasklare Schwarze Flagge. Ich will nur eine schnelle Runde fahren.“ Pikant ist die Szene besonders, da sich auch Mahindra noch im WM-Kampf befindet. „Mahindra spielt jetzt schon ein dreckiges Spiel. Das wird spaßig im Rennen“, so Dennis im Anschluss.
In die Duell-Phase zog Dennis letztlich aber dennoch ein. Im Viertelfinale war für den WM-Führenden gegen Ticktum jedoch Schluss, womit durch die verpassten Qualifying-Punkte feststeht, dass am heutigen Samstag noch kein Weltmeister gekürt wird. Dennoch konnte sich Dennis immerhin noch P5 sichern. Joel Eriksson (Envision-Jaguar) und Jaguar-Werksfahrer Antonio Felix da Costa, der ebenfalls noch Außenseiterchancen auf den WM-Titel hat, belegten die Positionen sechs und sieben. Jean-Eric Vergne im Citroen-DS, de Vries und Sebastien Buemi im zweiten Envision-Jaguar schlossen die Top-10 ab.
Ende einer Ära in der Formel E
Das Wochenende in London ist von zahlreichen Abschieden geprägt. Nicht nur ist es das finale Rennen mit der aktuellen Generation an Fahrzeugen, bevor in der nächsten Saison die Gen4-Ära beginnt. Zudem trägt die Formel E zum letzten Mal ein Rennen auf der Strecke im Kongresszentrum London ExCeL aus. Mit DS Automobiles ist auch für einen langjährigen Hersteller Schluss. Die Franzosen machen für Konzernschwester Opel Platz, die ab nächster Saison mit einem eigenen Werskteam einsteigt.
Mit Abt Sportsline verabschiedet sich auch ein deutsches Team nach insgesamt elf Formel-E-Saisons aus der Rennserie. Lola Yamaha, der aktuelle Partner der Kemptener, führt das Team ab der nächsten Saison in Eigenregie weiter. Auch für Abt-Pilot Lucas Di Grassi ist im Alter von 42 Jahren Schluss. In seinem vorletzten Qualifying reichte es für den Champion von 2017 jedoch nur zum vorletzten Platz. Sein Teamkollege Zane Maloney belegte P18.
Sebastien Buemi beendet als weiterer Veteran seine Formel-E-Laufbahn, wenngleich Buemi sein WEC-Engagement mit Toyota fortsetzt. Auch Buemis Teamkollege Eriksson muss überraschend gehen und hat laut eigener Aussage nur wenig Hoffnungen auf eine Zukunft als Stammfahrer in der kommenden Saison. Als heißer Nachfolgekandidat gilt neben Ex-Formel-2-Pilot Zak O’Sullivan der Allgäuer Maximilian Günther, der aktuell noch für DS Penske fährt. Im London-Qualifying verbrachte Günther mit augenscheinlich technischen Problemen den Großteil der Zeit an der Box und schied auf dem letzten Platz aus.
Formel E London I 2026: Startaufstellung
| Pos. | Fahrer | Team |
|---|---|---|
| 1 | Pascal Wehrlein | Porsche |
| 2 | Nico Müller | Porsche |
| 3 | Mitch Evans | Jaguar |
| 4 | Dan Ticktum | Kiro-Porsche |
| 5 | Jake Dennis | Andretti-Porsche |
| 6 | Joel Eriksson | Envision-Jaguar |
| 7 | Antonio Felix da Costa | Jaguar |
| 8 | Jean-Eric Vergne | Citroen-DS |
| 9 | Nyck de Vries | Mahindra |
| 10 | Sebastien Buemi | Envision-Jaguar |
| 11 | Nick Cassidy | Citroen-DS |
| 12 | Taylor Barnard | DS Penske |
| 13 | Edoardo Mortara | Mahindra |
| 14 | Oliver Rowland | Nissan |
| 15 | Felipe Drugovich | Andretti-Porsche |
| 16 | Josep Maria Marti | Kiro-Porsche |
| 17 | Norman Nato | Nissan |
| 18 | Zane Maloney | Lola Yamaha Abt |
| 19 | Lucas Di Grassi | Lola Yamaha Abt |
| 20 | Maximilian Günther | DS Penske |


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