Verkehrte Welt bei Jaguar: Während Nick Cassidy einen beeindruckenden Sieg bei seinem vorletzten Rennen für das britische Werksteam hinlegte, blieb für seinen Teamkollegen Mitch Evans nur Rang zehn. Und das trotz Start von der Pole Position und einer in der Anfangsphase des Rennens ungefährdeten Führung.
Für diesen Umstand gibt es zahlreiche Gründe. Allen voran ein Dreher, in den Evans in der 30. von 38 Rennrunden von Dan Ticktum im Kundenporsche von Cupra Kiro geschickt worden war. Dies warf den Neuseeländer zwischenzeitlich von P7 auf den 15. Rang zurück. Doch Ticktum zog nicht derart den Ärger von Evans auf sich – sondern sein Teamkollege David Beckmann. „Das passiert, wenn man mit solchen Idioten Rennen fährt“, schimpfte Evans schon während des Rennens am Funk.
Evans schießt gegen Beckmann: Gib einfach auf
„Viele Fahrer haben die gleiche Meinung“, setzte Evans gegenüber Motorsport-Magazin.com im Anschluss ans Rennen an und verfiel in eine Wutrede. „Von meiner Position aus geht es einfach darum, wie er fährt. Er ist nicht in meinem Rennen, ich bin nicht in seinem Rennen. Der Typ macht in jeder Kurve einen Fehler. Gib einfach an einem Punkt auf. Er hat vier Prozent weniger oder so. Keine Ahnung, ob er absichtlich die Rennen anderer ruiniert, oder nur anderen Leuten und Teams helfen will.“
Seinen Ursprung nahm der Evans-Ärger in der 19. Runde, als der 14-fache ePrix-Sieger auf Rang drei liegend seinen ersten Attack Mode aktivierte. Dadurch fiel Evans knapp hinter Beckmann zurück, der sich in seinem Attack Mode befand und Weltmeister Oliver Rowland (Nissan) direkt hinter sich hatte. Anschließend blieb Evans bis zur 22. Runde hinter Beckmann stecken und hatte nur noch rund 45 Sekunden übrig, als er den Deutschen schließlich überholte. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Beckmann tatsächlich über ganze vier Prozent weniger Energie als Evans.

Beckmann verwundert: Er hat sich über mich beschwert?
“Das hat mich heute den Rennsieg gekostet“, zeigte sich Evans frustriert. Seiner Darstellung nach sorgte die Aktion nämlich nicht nur dafür, dass er seinen Attack Mode nicht zur Jagd auf die Führenden Pascal Wehrlein und Nyck de Vries nutzen konnte, sondern ihn auch für das Boxenstoppfenster wichtige Zeit kostete. Und tatsächlich verlor Evans den Anschluss an die Spitze so sehr, dass er nach seinem Pit Boost nicht im Kampf um die Spitze, sondern nur auf Rang sieben wieder herauskam und so vier Positionen einbüßte.
Bei der Thematik muss jedoch erwähnt werden, dass sich Beckmann zu diesem Zeitpunkt trotz seines Energie-Defizits durchaus im direkten Positionskampf mit Evans befand und dementsprechend grundsätzlich jedes Recht innehatte, seine Position auch zu verteidigen. Dementsprechend verwundert zeigte sich der 25-Jährige auch, als er von Motorsport-Magazin.com auf die Evans-Beschwerden angesprochen wurde. „Über mich hat er sich beschwert?“, so der verdutzte Beckmann.
Besonders vorherzuheben ist hierbei die scheinbar vollkommen unterschiedliche Wahrnehmung von der Bedeutung und Intensität des Zweikampfes. Denn dem 17-fachen Formel-E-Starter Beckmann blieb das Duell mit Evans nicht einmal groß in Erinnerung. „Ich habe eigentlich nur mit Oliver Rowland und einem der beiden Envisions gekämpft“, berichtete Beckmann seinen Eindruck vom Rennen.

Auch Jaguar kassiert Evans-Vorwürfe: Habt mir das Rennen gekostet
Evans machte übrigens nicht nur Beckmann für das Auseinanderfallen seines Rennens verantwortlich, sondern richtete auch an Jaguar Vorwürfe. Schon während dem Rennen richtete er an den Kommandostand die Botschaft: „Ihr habt mir das verdammte Rennen gekostet.“ Auch nach dem Rennen war Evans‘ Fazit klar: „Wir hätten den Attack Mode in der gleichen Runde wie de Vries und Wehrlein (zwei Runden früher; d. Red.) nehmen sollen. Aber es gab eine Entscheidung und ich habe den Preis bezahlt.“
Evans ist nicht der einzige Jaguar-Pilot, der an diesem Wochenende Kritik an seinem Team zeigte. Auch Cassidy äußerte sich angesichts seines Abschieds von der Traditionsmarke durchaus kritisch aufgelegt – jedoch aus gänzlich anderen Gründen. Alle Details lest Ihr hier:


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