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Formel E

Formel-E-Weltmeister! De Vries und Mercedes jubeln in Berlin

Nyck de Vries und Mercedes feiern den Gewinn der Weltmeisterschaft in Berlin. Titelanwärter verunfallen beim Saisonfinale spektakulär.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Nyck de Vries ist Formel-E-Weltmeister 2021! Im dramatischen Saisonfinale von Berlin setzte sich der Mercedes-Pilot in der engsten Meisterschaft in der Geschichte der Elektro-Rennserie durch.

De Vries reichte beim Sieg von Norman Nato (Venturi) der achte Platz im Sonntagsrennen auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof, um nach Punkten die Nase vorne zu haben. Für den Niederländer und Mercedes ist es der erste Titelerfolg in der Formel E, die diese Saison erstmals als offizielle FIA-Weltmeisterschaft geführt wird.

Ausgerechnet kurz vor dem Titelfinale kam heraus, dass Mercedes vor dem Ausstieg aus der Formel E steht. Für das Werksteam soll nach der Saison 8 (2022) Feierabend sein, Mercedes als Hersteller wäre demnach beim neuen Gen3-Reglement ab 2023 nicht mehr dabei.

Titelfavoriten verunfallen am Start

Überschattet wurde das Saisonfinale von einem schweren Unfall wenige Sekunden nach dem Start. Ausgerechnet Titelfavorit Mitch Evans kam von seinem dritten Startplatz nicht vom Fleck und blieb auf der Strecke stehen. Während Tom Blomqvist, Andre Lotterer und Jake Dennis ausweichen konnten, knallte Edoardo Mortara - ein weiterer Titelanwärter - ohne Sicht dem Jaguar mit hoher Geschwindigkeit ins Heck.

Für Evans und Mortara war das Rennen mit ihren stark beschädigten Autos vorzeitig beendet. Die Rennleitung schickte das Safety Car auf die Strecke, bevor das Rennen wenige Minuten später mit roten Flaggen zwischenzeitlich abgebrochen wurde. Evans war nach dem Crash wohlauf, Mortara gab grünes Licht, wurde aber im Medical Center an der Rennstrecke untersucht. "Ein Schock. Es war vorbei, bevor es losging", sagte ein erschütterter Evans.

Nächster Titelanwärter crasht raus

Nach einer Unterbrechung von 25 Minuten wurde das Rennen hinter dem Safety Car wieder aufgenommen. Und das Drama ging munter weiter! Auf der ersten freien Rennrunde verlor Titelanwärter Jake Dennis - bis dato P3 in der Tabelle - hinter einem Nissan die Kontrolle über seinen BMW. Dennis schlug in die Streckenbegrenzung ein und musste vorzeitig aufgeben.

Der Brite, der nach dem Werksausstieg von BMW zum Saisonende weiter beim langjährigen Partner Andretti mit einem Privatteam bleiben wird: "Wie enttäuschend, wir waren in einer so guten Position! Da war irgendwas am Auto. Es passierte auf der Geraden. Als ich vom Gas gegangen war, hing ich auf einmal in der Mauer."

Nach einer zweiten Safety-Car-Phase, ausgelöst durch den Ausfall des amtierenden Champions Antonio Felix da Costa (Techeetah) nach einem Duell mit Samstags-Sieger Lucas di Grassi (Audi), blieb es wild auf dem 2,3 Kilometer langen Kurs. De Vries belegte rund zehn Minuten vor Schluss den komfortablen vierten Platz hinter Norman Nato, Oliver Rowland und Mercedes-Teamkollege Stoffel Vandoorne, begab sich aber in harte Duelle mit Konkurrenten und fiel bis auf den siebten Platz zurück.

Formel E 2021: Die Top-3 der Tabelle

Das reichte am Ende für den früheren Formel-2-Meister, weil vier Fahrer aus den Top-7 der Tabelle vorzeitig aus dem Rennen crashten und Lucas di Grassi beim letzten Formel-E-Rennen von Audi eine Durchfahrtsstrafe kassierte und aus den Punkten fiel. Teamkollege Rene Rast holte nach Start aus der Boxengasse als Neunter die letzten Punkte für den scheidenden Autobauer aus Ingolstadt.

Nach 15 Rennen in der Saison 2021 sammelte de Vries insgesamt 99 Punkte. Vize-Weltmeister wurde Edoardo Mortara, der 92 Zähler im siebten Jahr der Formel E sammeln konnte. Als Gesamtdritter in der Endabrechnung mit 91 Punkten schloss Formel-E-Rookie Jake Dennis die Saison ab. Die Top-5 der Meisterschaft trennten letztendlich nur 10 Zähler.

"Sehr emotional, eine harte Saison mit vielen Aufs und Abs", sagte de Vries. "Runde 1 war ein Durcheinander, der Restart auch. Die Fahr-Standards der anderen Fahrer waren sehr aggressiv, sonst wären wir in den Top-5. Ich bin am Ende einfach froh, dass wir es am Ende nach Hause gebracht haben."

Wolff: Etwas ganz Großes für Mercedes

"Die Konstrukteurs-WM ist für uns als Autohersteller wichtig", sagte der in Berlin anwesende Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Beide Titel in dieser WM herauszufahren, ist etwas ganz Großes für Mercedes."

Zur aggressiven Fahrweise des frisch gebackenen Weltmeisters de Vries sagte der Österreicher: "Er ist genau in das Sandwich der üblichen Verdächtigten reingekommen. Im Endeffekt hat es nichts ausgemacht. Auch mit einem Ausfall hätten wir gewonnen." Verrückt: Aus den Top-7 der Abschlusstabelle war de Vries der einzige Fahrer, der im Rennen punkten konnte.

Formel E in Berlin: So lief das letzte Rennen der Saison

Die Startaufstellung: Stoffel Vandoorne startete das letzte Saisonrennen von der Pole Position. Hinter dem Zweitplatzierten Oliver Rowland sicherte sich Mitch Evans mit P3 die beste Ausgangslage im Kampf um die Meisterschaft. Die Titelanwärter Edo Mortara und Jake Dennis kamen nicht über die Startplätze elf bzw. neun hinaus. Noch schlechter lief es für den bis dato Gesamtführenden Nyck der Vries, der das Rennen mit seinem Mercedes von P13 aufnehmen musste. Audi-Fahrer Rene Rast entschied sich aus taktischen Gründen für einen Start aus der Boxengasse.

Das Wetter: 26 Grad Außentemperatur (Strecke: 36 Grad), Sonne bei leicht bewölktem Himmel: Beste Voraussetzungen für das große Finale auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof. Bis zu 5.000 Zuschauer waren auf den Tribünen zugelassen. Nach ersten Eindrücken schien der Ausrichter diese maximal erlaubte Zahl an beiden Renntagen nicht erreicht zu haben.

Der Start: Völliger Wahnsinn auf den ersten Metern! Titelfavorit Mitch Evans kam von Platz drei überhaupt nicht vom Fleck und blieb stehen. Von hinten konnte der von P11 gestartete Edo Mortara - ein weiterer Titelanwärter - nicht rechtzeitig ausweichen und knallte dem Jaguar voll ins Heck. Die Rennleitung schickte zuerst das Safety Car auf die Strecke und unterbrach das Rennen wenig später mit roten Flaggen.

Nach 25 Minuten Unterbrechung wurde das Rennen hinter dem Safety Car wieder aufgenommen. Und das Drama ging weiter: Jake Dennis - bis dato P3 in der Meisterschaft - fiel während der ersten freien Runde aus und musste seinen BMW abstellen. Der Brite verlor beim Auffahren auf einen Nissan die Kontrolle über das Auto und schlug in die Streckenbegrenzung ein. Der Vorfall löste eine Full-Course-Yellow-Phase aus.

Der Fanboost: Im letzten Rennen der Saison - möglicherweise dem letzten mit dem Fanboost - erhielten Nyck de Vries, Antonio Felix da Costa, Mitch Evans, Lucas di Grassi und Stoffel Vandoorne die meisten Stimmen beim Fan-Voting und dementsprechend eine zusätzliche Leistung für einen kurzen Augenblick.

Die Ausfälle: Völliger Wahnsinn in den ersten Rennminuten! Zuerst verunfallten Mitch Evans und Edo Mortara nach dem schweren Start-Unfall, dann erwischte es nach dem Re-Start in Folge des Safey Car auch noch Jake Dennis, der selbstverschuldet in die Mauern krachte. Damit fielen drei der vier Titelfavoriten nach nur wenigen Rennminuten aus.

Nachdem schon die Titelanwärter raus waren, erwischte es auch noch den amtierenden Champion: Antonio Felix da Costa wurde bei einem Duell mit Lucas di Grassi in die Mauer gedrückt und zerstörte dabei seinen Techeetah. Der Vorfall sorgte für die zweite Safety-Car-Phase im Rennen und bescherte dem Audi-Piloten eine Durchfahrtsstrafe.


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